Aichach-Friedberg Elektrofachmann Stefan Herger von Herger Systems aus Mühlhausen (Gemeinde Affing) ist im Stress. Seit Wochen rennen ihm die Kunden die Türen ein, um noch rechtzeitig den Umstieg aufs digitale Fernsehen zu schaffen. Wie ihm ergeht es vielen seiner Kollegen dieser Tage. Denn am 30. April ist es so weit: Das analoge Netz des Satellitenfernsehens wird abgeschaltet und alle Kunden, die noch nicht den Weg in die digitale Welt gefunden haben, „stehen vor dem Nichts“, wie es Stefan Herger im Spaß formuliert.
Betroffen von dieser Abschaltung sind rund 500 000 Haushalte in Bayern. Viele davon gehen, aufgeschreckt von omnipräsenten Lauftexten vieler großer Fernsehsender, das Problem in der letzten Sekunde an und sorgen so für eine kaum zu bewältigende Auftragsflut. Derzeit ist es schwierig, noch einen Termin für eine Umrüstung zu bekommen. „Wir arbeiten noch Aufträge ab und sind bis zum 30. April ausgelastet“, weiß Stefan Herger zu berichten. Man könne zwar noch kleine Aufträge annehmen, aber das seien Ausnahmen. Immer wieder sei die Technik reif für die Komplettüberholung. Wer jetzt spontan eine Umrüstung braucht, schaut vermutlich in die Röhre.
Spätestens nach zehn Jahren besteht Handlungsbedarf
Um auch ab 1. Mai sorgenfrei zappen zu können, reicht es jedoch meist aus, den sogenannten Receiver zu tauschen. Heinz Lauber, Geschäftsführer von Heinz Lauber TV-Service in Pöttmes, erklärt: „Der Receiver sorgt für die Umwandlung auf ein passendes Fernsehsignal. Ohne den Receiver ist es unmöglich, Signale zu decodieren.“ Außerdem warnt er vor den Tücken moderner Anschlüsse. „Alte Fernsehgeräte besitzen nur selten die richtigen Anschlüsse für die modernen Geräte.“ In diesen Fällen helfe nur die Suche nach einem Receiver mit einem analogen „Scart-Ausgang“. Lauber kann die branchenübliche Faustregel bestätigen: „Bei Geräten ab zehn Jahren besteht Handlungsbedarf.“
Ein moderner Receiver ist schon ab 25 Euro zu bekommen, doch gute Geräte würden zwischen 60 und 70 Euro kosten, sagen die Händler übereinstimmend. Das Billigste sei eben nur selten auch das Beste, ist die einhellige Meinung.
Dies bestätigt auch Gerhard Hufsky von Hufsky Elektro in Aichach. Er beobachtet jedoch generell einen Trend hin zum hochauflösenden, jedoch teureren HD-Fernsehen: „Der Absatz dieser Geräte hat spürbar zugenommen. Viele kaufen direkt die neuen HD-Receiver und dazu passende Fernsehgeräte.“ Damit, so Hufsky, sei man für die nächsten Jahre gut gerüstet.
Mieter der Baugenossenschaft müssen nichts befürchten
Den Schritt ins digitale Netz haben auch viele Baugenossenschaften schon vollzogen. Der Vorstandsvorsitzende der Baugenossenschaft in Aichach, Max Rössle, kann seine Mieter beruhigen: „Einzig eine Wohnanlage ist noch nicht auf dem neuesten Stand, wird aber bis zum 30. April auf jeden Fall umgerüstet sein.“ Alle anderen Anlagen seien bereits in der Vergangenheit modernisiert worden. Dies sei man schon seiner multikulturellen Mieterschaft schuldig gewesen, so Rössle. Viele sehen gern via Satellit Fernsehen aus ihrer alten Heimat.
Besorgten Satellitenkunden kann Gerhard Hufsky einen guten Rat auf den Weg geben: „Sobald auf dem Receiver irgendwas von DVB steht, ist es schon mal ganz gut.“ Auch das Prüfen des Teletextes könne helfen, betroffene Geräte zu erkennen (siehe Infokasten).
Doch aller Vorbereitung und Vorsorge zum Trotz: Die Fachleute im Landkreis fürchten eine hektische erste Maiwoche. Allen voran prophezeit Heinz Lauber: „Ich bin mir sicher, dass am Tag der Umstellung das Telefon nicht mehr stillstehen wird. Das hatten wir schon einmal.“