Wolfgang Harter, Einrichtungsleiter der Ulrichswerkstätten in Aichach, betont: "Zivis sind eine große Unterstützung in der pädagogischen Betreuung und wichtig für die Entlastung der Festangestellten." Zivis seien sehr motiviert und engagierten sich oft über das Soll hinaus, so Harter. Wie die frei werdenden Stellen ersetzt werden können, weiß der Einrichtungsleiter noch nicht. Der Verlust der Zivildienstleistenden bedeute in jedem Fall eine finanzielle Mehrbelastung. Praktikanten und Teilnehmer eines sogenannten Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) seien nur bedingt ein adäquater Ersatz, meint Harter.
Im Aichacher Krankenhaus sind aktuell sechs Zivis tätig - im Fahrdienst, in der Notaufnahme und im Pflegebereich. Welche Lösung für den Verlust der Zivildienststellen hier gefunden wird, ist nach Auskunft von Anita Schöllhorn noch offen. Sie ist für die innerbetriebliche Fortbildung und die Einteilung der Zivildienstleistenden zuständig. "Ab März werden Stellen abgebaut und ab Ende Juni keine neuen mehr besetzt", so Schöllhorn.
Geringfügig Beschäftigte werden die Zivis im Sozialen ersetzen
Auch Nico Horn, Leiter der Personalabteilung im Aichacher Krankenhaus, ist sich des bevorstehenden personellen Problems bewusst. Er rechnet damit, dass eine sehr hohe finanzielle Belastung auf das Krankenhaus zukommen wird, wenn anstelle der Zivis Fachkräfte eingestellt werden müssen. "Spätestens Anfang des neuen Jahres müssen wir aktiv werden", so der Personalleiter. Teilnehmer eines Freiwilligen Sozialen Jahres kommen nicht als Ersatz für die Zivis infrage, da dem Krankenhaus die notwendige Trägereigenschaft fehle, erklärt Horn. Auch die Beschäftigung von Praktikanten sei keine Lösung.
Ein Ausgleich der Zivildienststellen wird beim Kreisverband Aichach-Friedberg des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) "nicht eins zu eins" erfolgen können, berichtet der Zivildienstbeauftragte Markus Fleischer. Im Rettungsdienst werden die Stellen durch hauptamtlich Beschäftigte kompensiert. Im sozialen Bereich werde man auf geringfügig Beschäftigte (sogenannte Mini-Jobber auf 400-Euro-Basis) ausweichen müssen, erklärt Fleischer. Praktikanten und FSJ-Teilnehmer könnten dem Personalproblem nicht entgegenwirken. Dass der von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder geplante Bundesfreiwilligendienst den Wegfall des Zivildienstes auffangen kann, bezweifelt Fleischer, der auch Leiter der sozialen Dienste beim BRK ist. "Zusatzleistungen, die wir in den vergangenen 20 Jahren anbieten konnten, werden wir nicht mehr in vollem Umfang realisieren können", so Fleischer. Solche Zusatzleistungen sind Arztfahrten, Begleitdienste oder andere soziale Hilfsdienste.
Auch die Lebenshilfe Aichach-Friedberg ist betroffen. Bis zu zehn Zivildienstleistende arbeiten hier im Fahr- und Gruppendienst. Um im letzteren Bereich die fehlenden Zivis ausgleichen zu können, wurden bereits mehr Praktikumsplätze ausgeschrieben, berichtet Konrad Schwegler, Geschäftsführer der Lebenshilfe. Wie die Organisation des Fahrdienstes aussehen soll, weiß er noch nicht. "Eine Fremdvergabe wollen wir vermeiden", betont er. Auch er bezweifelt, dass der angekündigte Freiwilligendienst der Bundesregierung wie erhofft funktioniert.