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Türkheim/Bocksberg: 22 Stunden Wanderlust

Türkheim/Bocksberg

22 Stunden Wanderlust

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    Beim Start in Türkheim: (von links) David Brieden (Roggden), Franz Weishaupt (Marzelstetten), Andreas Wildner (Augsburg), Michael Langenmaier (Freiburg), Thomas Gärtner (Dillingen), Irmgard Vogt (Neusäß), Markus Gebauer (Königsbrunn), Henriette Schneider (Friedberg), Tourleiter Andy Schmidt (Aystetten), Heribert Saule (Schwabmünchen), Bernhard Liepert (Augsburg), Thomas Sirch (Königsbrunn), Thomas Sailer (Augsburg), Beate Friedl (Dasing), Peter Endres (Augsburg).
    Beim Start in Türkheim: (von links) David Brieden (Roggden), Franz Weishaupt (Marzelstetten), Andreas Wildner (Augsburg), Michael Langenmaier (Freiburg), Thomas Gärtner (Dillingen), Irmgard Vogt (Neusäß), Markus Gebauer (Königsbrunn), Henriette Schneider (Friedberg), Tourleiter Andy Schmidt (Aystetten), Heribert Saule (Schwabmünchen), Bernhard Liepert (Augsburg), Thomas Sirch (Königsbrunn), Thomas Sailer (Augsburg), Beate Friedl (Dasing), Peter Endres (Augsburg). Foto: Barbara Schmidt

    Türkheim/Bocksberg. Weißer Atemnebel steigt auf, als die Teilnehmer der vom Augsburger Alpenverein veranstalteten Extremwandertour am Türkheimer Bahnhof letzte Einzelheiten besprechen.

    Um 8.23 Uhr macht sich die 18-köpfige Gruppe unter der Führung von Andreas Schmidt auf, den circa 90 Kilometer langen Wanderweg "Lueg ins Land" von Türkheim nach Bocksberg in 24 Stunden zu bezwingen. Trotz der frostigen Temperaturen - das Thermometer steht bei minus fünf Grad - ist die Stimmung gut. Alle freuen sich auf die bevorstehende Herausforderung. Die meisten tragen Hightech-Funktionskleidung, nur einer wagt sich mit Jeans und Strickpulli auf die Strecke.

    Traumhafte Winterlandschaft

    Petrus hat sich alle Mühe gegeben und zaubert eine traumhaft schöne, kristallglitzernde Schneelandschaft. Es ist fast Mittag, als der erste Halt an der Zusamquelle in Markt Wald erreicht ist. Im weiteren Streckenverlauf machen vereiste Traktorspuren, die Umgehung eines größeren Teilstücks wegen einer Treibjagd und Spurarbeit in 20 Zentimeter hohem Tiefschnee der Mannschaft zu schaffen.

    Um 15.15 Uhr wartet nach 35 Kilometer am ersten Etappenziel in Walkertshofen eine warme Mahlzeit auf die zähen Wanderer, die sich für die jetzt folgenden Nachtetappen, auf die zwei Drittel der Streckenlänge entfallen, entsprechend rüsten. Noch sind 17 Wanderer dabei. Erst einer ist bisher ausgestiegen.

    18.20 Uhr: "Sind in Lauterbach - alles im Lot", so lautet die Nachricht, die Andy Schmidt per SMS von unterwegs an die Familie sendet. Diese Meldung ist das Kommando für Annemarie und Gerhardt Schmidt, die Eltern des Tourinitiators, in Sachen Verpflegung tätig zu werden. Mit einem Kofferraum voller Essen und warmer Getränke machen sich die beiden in Richtung Ziemetshausen auf - das Thermometer im Auto zeigt mittlerweile 15 Grad minus an. Die Bierzeltbänke sind kaum aufgebaut, da sieht man auch schon von Weitem die ersten Stirnlampen näher kommen. Alle sind hier noch einigermaßen fit. Bei manchen stellen sich aber erste Probleme im Bewegungsablauf ein.

    Noch zwei solcher Verpflegungsstationen gibt es um 22.30 Uhr in Dinkelscherben und um 2 Uhr nachts in Zusmarshausen. Für die beiden Schmidts heißt es jetzt schnell sein, denn nach jeder Station geht es zuerst wieder nach Hause, um neuen Tee, Kaffee oder heiße Suppe zu kochen und danach zur nächsten Station zu fahren.

    "Ohne die Verpflegungsstationen und die unermüdlichen Helfer hätten wir es nie geschafft", sagt ein Wanderer. Die Tourteilnehmer sind froh und äußerst dankbar für diese Zuwendung, denn bei den meisten ist nun eine erste Leistungsgrenze erreicht. Die Kälte macht sich bemerkbar, denn sie zehrt zusätzlich an den Kräften, und schmerzende Muskeln stellen den Durchhaltewillen auf eine harte Probe. Jetzt meldet sich der "innere Schweinehund" heftig, und nur die Unterstützung durch die Gruppe hält viele bei der Stange. Für vier weitere Wanderer ist die Tour in Zusmarshausen jedoch zu Ende, bevor das 20 Kilometer lange Schlussteilstück in Angriff genommen wird. Aufgrund der frostigen Temperaturen wird das Ziel von der Burgruine kurzfristig ins Warme verlegt.

    Sonntagmorgen, 6.30 Uhr: Pünktlich, aber sichtlich fertig, trifft die Gruppe - unter ihnen noch drei der anfänglich vier Frauen - am Bürgerhaus in Modelshausen ein. Mit letzter Kraft schleppen sich die elf Kameraden, die bis zum Ende durchgehalten haben, in die geheizten Räume. Man sieht den meisten Gesichtern an, dass sie an ihre Leistungsgrenzen gegangen sind. "Die Kälte ist in jede Ritze gekrochen", erzählt einer, "vor allem im Nebel kurz vor Dinkelscherben."

    Ächzend werden Jacken, Schuhe und Socken ausgezogen, Blasen inspiziert, Waden massiert. Doch schon wenig später merkt man allen an, dass die Lebensgeister wieder zurückkehren. Der zurückliegende Weg wird bei einem zünftigen Weißwurstfrühstück noch einmal besprochen. "Und? Morgen gleich wieder?" Der beiläufige Scherz eines der Verpflegungsmitglieder wird allerdings müde belächelt.

    Einer hat den Kalorienverbrauch der 22-Stunden-Tour ausgerechnet: 6500 Kalorien sind auf der Strecke geblieben.

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