Es war wohl einer der tragischsten Unfälle auf der A 8: Vor gut einem Jahr kamen bei einem Unfall bei Zusmarshausen zwei Männer ums Leben, darunter ein Arzt, der nur helfen wollte. Ein Tanklaster wich dem Unfall aus, aber der nachfolgende Fahrer musste dem Lkw ausweichen und prallte mit hoher Geschwindigkeit gegen das Unfallfahrzeug dahinter. Dessen Fahrer und der Arzt wurden getötet.
Der heute 40-jährige Unfallfahrer wurde am Donnerstag vor dem Amtsgericht Augsburg wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 4900 Euro und einem Monat Fahrverbot verurteilt. Der 47-jährige Lkw-Fahrer hatte seinen Strafbefehl akzeptiert und muss ebenfalls eine (etwas geringere) Geldstrafe zahlen.
Der 40-jährige Angeklagte hatte zunächst Einspruch gegen die Strafe eingelegt, aber durch einen "Deal" mit der Staatsanwaltschaft unmittelbar vor der Verhandlung einigte man sich mit Verteidiger Stefan Mittelbach auf eine etwas geringere Geldstrafe, wenn der Mann sich geständig zeigt. Und das tat er.
Unter Tränen entschuldigte sich der 40-Jährige aus dem Augsburger Umland bei den Hinterbliebenen im Gerichtssaal und sprach ihnen sein Beileid aus. Da er selbst gerade ein Familienmitglied durch einen Verkehrsunfall verloren habe, "weiß ich genau, was bei Ihnen los ist und es tut mir sehr leid", versichert der sichtlich erschütterte Mann.
Staatsanwältin Beate Schauer schilderte den komplizierten Unfallhergang am 18. Februar 2009 gegen 22 Uhr: Bei Eisglätte gerät das Fahrzeug eines Mannes aus dem Schwarzwald ins Schleudern, prallt gegen die Seitenplanke und ein anderes Auto. Etliche Männer, darunter ein Arzt aus Schleswig-Holstein, halten an und versuchen zu helfen.
Ein nachfolgender Tanklaster auf der rechten Spur erkannte die Situation, bremste bis auf Schrittgeschwindigkeit, zog aber plötzlich nach links - wo ihn aber gerade der heute 40-Jährige überholt. Wie er vor Gericht schilderte, war seine Sicht von dem Lkw verdeckt. Eine Warnblickleuchte des Lasters war offenbar defekt, es blinkte nur links. Er sah nur einen Ausweg, um eine Kollision zu vermeiden: Er weicht nach rechts aus und prallt mit voller Wucht gegen das Unfallfahrzeug und die Helfer dahinter.
Aufprall mit über 100 Sachen
Er war damals mit etwa 117 bis maximal 152 Stundenkilometer unterwegs - viel zu schnell für die unübersichtliche Situation, wie die Staatsanwältin ihm in ihrer Anklageschrift vorwirft. Er selbst wurde schwer verletzt, die zwei Männer starben.
"Daran werden Sie Ihr ganzes Leben zu tragen haben", sagte Richterin Nazanin Mozaffari, die zugab, selten einen Fall gehabt zu haben "der mir selbst so an die Nieren geht". Da der Angeklagte Reue zeigte und offensichtlich sehr unter seiner Schuld leidet, hielt sie die verhängte Strafe für angemessen. Es sei ein tragisches Unglück gewesen: "In diesem Fall gibt es nur Opfer." Angela David