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06. Februar 2012 12:04 Uhr

Dialekte

Butznküh und Borzen

In der heutigen Folge unserer Serie geht es um Tannen- und andere Zapfen Von Jürgen Dillmann

Landkreis Augsburg Bei allem Fortschritt kommt es doch gelegentlich vor, dass vergangene Gepflogenheiten wieder modern werden. War man vor etwa 50 Jahren froh, die Einzelöfen in den Zimmern durch zentrale Heizungen ersetzen zu können, erfreuen sich seit ein paar Jahren Kaminöfen als Zusatzheizung wachsender Beliebtheit. Weil Feuermachen Spaß macht und ein prasselnder Kamin gemütlich ist. Wer beim Anzünden auf chemische Hilfsmittel verzichten will, kann wie seinerzeit auf Borzen und Butznküh zurückgreifen.

Richtig, Borzen heißen im schwäbischen Dialekt Bündel getrockneten Reisigs, meist von Nadelbäumen. Der geht auf das althochdeutsche Wort „bor“ für Höhe zurück und findet sich heute noch als zweite Silbe in empor wieder – Duden sei Dank. Professor König erklärt die Bedeutung Reisigbündel mit den hevorstehenden Ästen. Auch der Bürzel, also die Schwanzwurzel von Enten hat den gleichen Ursprung.

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Im Aichacher Raum heißen die Bündel auch Boschen und im Allgäu Buscheln, im Österreichischen auch Buschen (Buschen-Schenke). All diese Ausdrücke hängen mit dem Wort Busch zusammen und gehen auf das lateinische „bosco“ gleich Wald zurück.

Auch die Butzenküh können als Anzündhilfe dienen. Und das sind Fichten- oder Tannenzapfen, die gelegentlich auch Moggl heißen. Im Bairischen kommt neben Tannazapfa auch Butzelküh oder Butzkiah vor. Das Wort Zapfen entstammt dem Althochdeutschen und bedeutet Holzstück zum Verschließen von Löchern (Bier zapfen ...). Die anderen Begriffe sind letztlich Bezeichnungen für kleines Rindvieh: Moggl ist im Dialekt ein Kalb; Butz/Butzel bedeutet kleines Kind, also Butzelkuh gleich Kuh-Baby. Im Bairischen ist Butzel und insbesondere Wutzerl ein auch heute durchaus noch gebräuchliches Kosewort für ein kleines Kind.

Holz vor der Hütten oder dem Haus

Alle Anzündhilfen sind natürlich sinnlos, wenn man kein Holz vor der Hüttn, pardon vorm Haus zum Heizen hat. Wenn wir uns die Privathäuser heute anschauen, sehen wir mittlerweile viele mit Holzstapeln – noch vor ein paar Jahren waren diese teils mit beeindruckender Genauigkeit aufgeschlichteten Holzvorräte fast ausschließlich vor Bauernhäusern zu sehen.

Ein Begriff, der dem Autor völlig unbekannt war, ist Beige. So heißt der Brennholzstapel vorm Haus im Schwäbischen. Der Ursprung ist das gleichlautende Tätigkeitswort. Die Herkunft des Begriffs beigen für stapeln ist auch laut Duden unklar. Und wieder einmal muss der Lech als Sprachgrenze herhalten: Der Schwabe beigt halt sein Holz auf, während der Oberbayer aufsetzt, aufrichtet und aufschlichtet. Allerdings hat sich das Wort aufbeigen bis in die Ammersee-Gegend ausgebreitet.

Die eisigen Temperaturen bringen es mit sich: Auch das nächste Mal beschäftigen wir uns mit mundartlichen Begriffen zum Heizen mit Holz. Und so ist auch das Häuserl erst später dran.

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