Warum wäre der neue Kindergarten in Hausen so teuer geworden? Vier Mal hat sich der Rechnungsprüfungsausschuss der Marktgemeinde Diedorf seit Ende Dezember 2016 mit den stark gestiegenen Kosten befasst – doch öffentlich bekannt sind die Hintergründe immer noch nicht. Bürgermeister Peter Högg begründet das so: Erst müssten die Verhandlungen zur Abrechnung der Verträge mit den Architekten und Fachplanern abgeschlossen sein, dann kann der Bericht des Rechnungsprüfungsausschusses veröffentlicht werden.
So viel scheint klar: Der Bericht, mit dem sich der Gemeinderat in nichtöffentlicher Sitzung bereits befasst hat, muss durchaus handfeste Erkenntnisse enthalten. Der Ausschuss habe sich mit Protokollen und Schriftverkehr rund um die Planung der Kindertagesstätte befasst, habe Stellungnahmen gesichtet und sich mit Beteiligten unterhalten, schreibt Bürgermeister Högg auf Anfrage der Augsburger Allgemeinen in einer Stellungnahme. Dabei sei es dem Rechnungsprüfungsausschuss um die sachliche Klärung und Darstellung des genauen Sachverhalts gegangen, so Högg weiter. Das Ziel dabei: So etwas soll nicht wieder vorkommen. Ende vergangenen Jahres hatte der Gemeinderat die Planungen für den Bau des neuen Kindergartens in Hausen gestoppt. 3,7 Millionen Euro an Kosten standen plötzlich statt der zuvor veranschlagten 2,96 Millionen Euro im Raum. Einen weiteren Hinweis, wie das geschehen konnte, gibt der Bürgermeister weiter in seiner Stellungnahme: „Die Empfehlungen des Rechnungsprüfungsausschusses habe ich zur Kenntnis genommen. Anstehende Projekte werden mit entsprechendem Zeitmanagement geplant und umgesetzt.“ Das deckt sich mit einer Aussage, die CSU-Gemeinderätin Lisa Lamprecht in einer der letzten Gemeinderatssitzungen gemacht hat. Sie sagte damals, der Ärger sei doch entstanden, weil man unter Zeitdruck ohne ausreichendes Zahlenmaterial gehandelt habe. So etwas wolle man nicht mehr tun.
So sollte es übrigens auch in einer Presseerklärung zu den Vorkommnissen stehen, die aber nie veröffentlicht wurde. Darin sollte es heißen, der Gemeinderat hätte zu wenige Informationen gehabt und trotzdem über das Vorhaben abgestimmt. Sollte – denn durchgegangen ist die Presseerklärung nicht. Mit 8:11 Stimmen ist sie in nichtöffentlicher Sitzung vom Gemeinderat abgelehnt worden, ist inzwischen durchgesickert. Auch im Rathaus sind vermutlich Fehler gemacht worden. „Zur Verwirklichung des Projekts Neubau Kita Sankt Martinus Willishausen werden die in den vergangenen Monaten gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen von der Verwaltung bereits umgesetzt“, so Bürgermeister Peter Högg.
Nun soll es endlich mit dem neuen Plan weitergehen. Gerade ist die Frist für die EU-weite Ausschreibung für interessierte Planer des neuen Kindergartens zu Ende gegangen. Ein Fachbüro sichtet nun die Bewerbungen und legt sie dem Marktgemeinderat vor, der drei Bewerber auswählt. Die können dann einen Vorentwurf einreichen. Im Juli rechnet der Bürgermeister mit dem Neustart der Planungen, Ende 2018 ist weiterhin der Einzug geplant. Bis dahin wird der alte Kindergarten St. Martinus in Willishausen weiterbetrieben, außerdem gibt es ein Provisorium in Oggenhof.