Startseite
Icon Pfeil nach unten
Augsburg Land
Icon Pfeil nach unten
Adelsried
Icon Pfeil nach unten

Adelsried: Das hölzerne Vermächtnis

Adelsried

Das hölzerne Vermächtnis

  • |
  • |
  • |
    Zenta Wundlechner in der Werkstatt ihres Mannes. Für Haare und Schweif der Pferdchen wurden ihre Kehrbesen gerupft. Was nicht aus Holz war, wie die Reifen, kam vom Flohmarkt. 
    Zenta Wundlechner in der Werkstatt ihres Mannes. Für Haare und Schweif der Pferdchen wurden ihre Kehrbesen gerupft. Was nicht aus Holz war, wie die Reifen, kam vom Flohmarkt. 

    Von Cordula Homann

    Alois Wundlechner aus Adelsried ist im Januar gestorben. Was er hinterlassen hat, füllt einen ganzen Stadel. Sein Wunsch war jedoch, dass die Öffentlichkeit sieht, was ihm im Leben wichtig war: Die Landwirtschaft. Und das könnte klappen.

    Wundlechner, Jahrgang 1924, hatte nach dem Zweiten Weltkrieg mit seiner Frau Zenta in der Ortsmitte von Adelsried einen Bauernhof aufgebaut. Das Paar bekam sechs Kinder. Bis 1990 bewirtschaftete die Familie den Hof.

    Die Zeit, die Wundlechner vorher in Feld und Vieh investiert hatte, widmete er nun der Schnitzerei. „Er war handwerklich sehr begabt und hat alles absolut detailgetreu nachgebaut, ein kleines Klosett, Fuhrwerke mit Gespann, das Geschirr. Stundenlang saß er in der Garage und hat geschnitzt“, erzählt sein Sohn, der mit Vornamen auch Alois heißt. „Das Material dafür hat er gesammelt und sich besondere, geeignete Holzarten gesucht. Kleinigkeiten wie Räder oder Draht hat er sich auf Flohmärkten und in Bastelgeschäften besorgt.“

    Ein einziges Mal, beim „Tag des Dorfes“ 2007 in Adelsried, hat die Öffentlichkeit die vielen kleinen Werke gesehen, seitdem nicht mehr. Nicht, weil Wundlechner das nicht wollte. „Es war immer sein Wunsch, seine Arbeiten auszustellen“, sagt Zenta Wundlechner, 87. Vielleicht werden die vielen Schnitzerarbeiten bald einem großen Publikum zugänglich gemacht: Dr. Otto Kettemann, Leiter des Bauernhofmuseums in Illerbeuren, hatte die Werke schon mal gesehen. „Da hängt viel Herzblut und Seele dran. Eine Kabinettausstellung, also eine 14 Tage lange kleine Ausstellung, wäre das wert.“ Der Museumsleiter gesteht: „Ich habe eine Schwäche für so etwas“ und fügt voller Begeisterung an: „Dann machen wir doch was über diesen Mann!“

    Kein Wunder, dass Wundlechner für seine Lieben auch eine „sehr umfangreiche Weihnachtskrippe“ schnitzte, wie Sohn Alois erzählt. Dessen Schwester Berta erinnert sich, dass der Vater für das Rosshaar seiner Pferde stets Mutters Kehrbesen rupfte. Sie weiß, dass in der Garage nur ein Teil der Schnitzarbeiten steht, „es gibt auch noch ein paar Kartons“. Eine Lücke im Regal gibt es aber: Einen Wagen hat ein Freund von Alois Wundlechner geerbt.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein
    Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden