Neusäß Es regnete und regnete und regnete an diesem Septembertag des Jahres 2011. Die Folgen waren gerade in Neusäß verheerend, vor allem im Gebiet beim Eichenwald. Das Wasser drang durch Kellerschächte in die Häuser, stieg durch Abflüsse im Keller hoch, sprudelte die Kellerabgänge hinunter, floss aus übervollen Dachrinnen ins Innere, quoll aus übervollen Kanälen auf die Straße und von dort weiter mal links, mal rechts in die Gebäude.
Von einem „außergewöhnlichen Starkregen“ sprach der Neusässer Stadtbaumeister Dietmar Krenz, als er vor dem Planungsausschuss einen Zwischenbericht vorlegte. Das große Thema: Wie können die Kanäle im Bereich des Eichenwaldes so entlastet werden, dass Überschwemmungen in diesem Ausmaß nicht mehr passieren können? Hilfreich ist dabei eine Fragenbogenaktion mit den betroffenen Hausbesitzern. Die Auswertung sei noch nicht fertig, aber auch nicht ganz einfach. Dennoch habe man bereits eine ganze Reihe von Erkenntnissen gewonnen.
Rückstauprobleme sorgen für Schäden
So trat im Bereich der Reichenberger Straße vor allem Oberflächenwasser aus, während in anderen Quartieren zusätzliches Quell- und Sickerwasser oder Rückstauprobleme für die Schäden sorgten. Am Beispiel der Breslauer Straße machte Krenz die Unterschiede deutlich. Während auf der rechten Straßenseite alle Häuser rot markiert wurden (weil die Besitzer Schäden gemeldet hatten), waren es auf der linken Seite nur drei in einer langen Reihe. „Das bedarf einer genauen Untersuchung“, erklärte der Stadtbaumeister. Klar sei aber, dass das Problem nicht der Entlastungskanal gewesen sei.
Um belastbare Fakten zu bekommen, hat Neusäß die digitale Vermessung seines Kanalsystems beschleunigt. Nach Angaben von Bürgermeister Hansjörg Durz soll bis September das komplette Stadtgebiet erfasst sein.
Eine wirksame Entlastung ist nach Darstellung des Bauamtes nur durch einen weiteren Kanal möglich, der das Regenwasser in einen Vorfluter und weiter in die Schmutter leitet. Krenz („Das Rückhaltevolumen ist viel zu schnell erschöpft“) stellte einen Kanalbau von Thomas Morus bis zum Riedgraben vor. Verlegt werden könnte er unter dem Radweg und würde im Schmuttertal die Hammeler Landstraße unterqueren. Sollte der Riedgraben das Wasser nicht verkraften, müsste der Kanal (Durchmesser 1,80 Meter) weiter bis zur Schmutter gebaut werden. Die Länge beträgt etwa 860 Meter.
Dazu gibt es zwei Varianten: Verlegung in der Lohwaldstraße (dazu wäre aber die Nutzung privaten Grunds notwendig) oder eine komplett neue Trasse in der Breslauer Straße. Für alle drei Möglichkeiten werden laut Krenz jetzt Vorentwürfe mit Kostenberechnungen gefertigt.
Ein weiteres Sorgenkind ist die Reichenberger Straße, wo auf sehr engem Raum drei Kanäle in den Entlastungssammler laufen. Darunter auch Leitungen, die ausschließlich Quellwasser mit sich führen. „Da läuft selbst bei trockenem Wetter Wasser“, sagte Krenz. Quellwasser, das rein und sauber ist, und in einem Abwasserkanal eigentlich nichts zu suchen hat. Deshalb gibt es den Plan, das Quellwasser direkt in einen offenen Graben im Schmuttertal zu leiten. Dazu der Stadtbaumeister: „Das erhöht die Reserven des Entlastungskanals, löst aber allein nicht das Problem.“
Bei allen Lösungen ist eine wasserrechtliche Genehmigung erforderlich. Beim Quellwasser dürfte das kein Problem sein, wohl aber beim neuen Entlastungskanal, da dieser bei starkem Regen auch Schmutz in die Schmutter führen wird. Eine Umsetzung sei jedoch bereits im nächsten Jahr möglich, ergänzte der Rathauschef, wenn das notwendige Geld in den Etat eingeplant werde.
Bürger müssen Kosten nicht alleine tragen
Wie hoch die Summe sein muss, darüber wurden vor dem Ausschuss keine Aussagen gemacht. Tröstlich für die Hausbesitzer dürfte jedoch sein, dass Bürgermeister Durz auf Nachfrage von SPD-Stadtrat Ulrich Englaender bestätigte, dass die betroffenen Bürger die Kosten nicht allein tragen müssten.
Die Neusässer müssten jedoch auch individuelle Vorsorge treffen, betonten Bürger- wie auch Stadtbaumeister mit Nachdruck. Die Ursachen für die Überschwemmungen seien für die verschiedenen Haustypen ganz unterschiedlich gewesen. Deshalb werde die Stadt zusammen mit einem Fachbüro eine Art Handlungsanleitung erstellen, mit der die Hausbesitzer dann die Lösung ihrer Probleme anpacken können.