Neusäß Von der Landschaft übers Porträt bis zur abstrakten Kreation: Eine große Bandbreite belegt heuer wieder die Ausstellung zum mit 1000 Euro dotierten Kunstpreis der Stadt Neusäß. Erstmals seit zehn Jahren wurde mit Brigitte Weber wieder eine Künstlerin geehrt. In den beiden eingereichten großformatigen Bildern „chairs“ und „lounge chair“ zeigt sie Stühle und stellt dabei Bezüge zum amerikanischen Designer und Architekten Eames her. Eames (1907-1978) wurde bekannt durch seine funktionellen Möbel. Brigitte Weber schafft ihren eigenen Farbstil und zeigt im einen Werk einen kantigen, groben „Thron“ , im anderen einen Mann, der es sich im Loungestuhl gemütlich gemacht hat.
Und auch der Kunstförderpreis der Kreissparkasse (500 Euro) geht heuer in weibliche Hände: Ines Mösle wurde für zwei Bronzeskulpturen nach etruskischer Art ausgezeichnet. Ihr „Schieber“ stemmt sich mit ganzer Kraft gegen einen Baumstamm. Was seine Arbeit behindert: Dieser Stamm ist zusätzlich noch im Inneren mit Metallguss erfüllt. Beim „Gießer“ fließt sogar Gold aus dem Gussfass heraus.
Wie Laudator Klaus Konze berichtete, stieß der Wettbewerb heuer wieder auf großes Interesse. Die Jury brauchte zwei Durchgänge, um die besten aus den 86 eingereichten Arbeiten auszuwählen. Davon sind im Rathausfoyer 47 Arbeiten zu sehen, die von 40 Künstlern stammen.
Auf die große künstlerische Vielfalt der eingereichten Arbeiten verwies Bürgermeister Hansjörg Durz: „Die Künstler schaffen es immer wieder, uns – die Betrachter – aufs Neue zu überraschen.“ Erstmals im Jahr 1981 veranstaltet und heuer zum 16. Mal, habe sich der Kunstpreis schon seit vielen Jahren gut im Neusässer Kulturleben etabliert.
Kreissparkassen-Gebietsdirektor Rainer Hörath ging auf die kürzlich von einer Putzfrau gereinigte und damit zerstörte Skulptur in Dortmund ein und betonte: „Kunst liegt im Auge des Betrachters.“
Diesem Auge bietet die begleitende Ausstellung noch bis zum 4. Januar reichlich Stoff – auf im Vergleich zur letzten Schau vor zwei Jahren sogar noch auf im Schnitt höherem Niveau. So gibt’s unter anderem ein leicht abstrahiertes, in pastos aufgetragenen Farben beschriebenes „Kürbisfeld im Herbst“, in dem nur leichtes Orange die Feldfrüchte andeutet. Ein abstraktes Feuerwerk in Rot explodiert im Gemälde „Mohn“.
„Petri Heil“ widmet sich in surrealer Weise und leuchtenden Farben einer attraktiven Fischerin, die einen goldenen, gekrönten Fisch im Arm hält. Auf die derzeitige Europakrise spielt die Collage „Quo vadis ¤?“ an: Geschredderte Euroscheine wurden zu einem, durch zwei Risse geteilten, europäischen Kontinent geformt. Ein aus einem 50-Euro-Schein bestehendes, brennendes Flugzeug stürzt auf die Landmasse zu. Der Gemäldetitel „Wirbelsturm“ führt zunächst in die Irre, denn er zeigt ein edles Pferd, technisch perfekt und bis zur Fellfaser fotorealistisch in Öl gemalt.
Räumliche Illusion aus gestaltetem Wachs
Eine Ausnahme in der zumeist aus Gemälden bestehenden Ausstellung ist „Spirit“: Hier wurden in Enkaustiktechnik (Arbeit mit flüssigem Wachs) leuchtende Phantasiewelten geschaffen, die eine starke räumliche Illusion erwecken.
Auch der Bereich der Skulptur ist über die Kulturförderpreisträgerin Ines Mösle hinaus vertreten: Skurril augenzwinkernd rekeln sich beispielsweise drei beleibte Damen auf großen Kuchenstücken in der Keramikarbeit „Aber bitte mit Sahne“. Umrahmt werden sie von täuschend echt aussehenden Filzpralinen. In einer Kombination aus Ton, Metall und feinem Draht gibt die dreiteilige Plastik „Fiktion“ der Phantasie des Betrachters Anregungen.
Jury Sie bestand heuer aus Ingrid Olga Fischer (Kunstförderpreisträgerin 2009), Richard Greiner (2. Bürgermeister), Andreas Jäckel (Kreissparkasse Augsburg), Dr. Sylvia Jäkel-Scheglmann (Kunsthistorikerin, Kulturkreis Neusäß) sowie Klaus Konze (Kunstpreisträger und Beirat des Kulturkreises Neusäß).
Ausstellung geöffnet bis zum 4. Januar, jeweils Montag, Dienstag, Donnerstag von 8 bis 17 Uhr, Mittwoch von 8 bis 18 Uhr und Freitag von 8 bis 12 Uhr im Foyer des Rathauses Neusäß.