Adelsried Am zweiten Weihnachtsfeiertag sind alle Theaterbegeisterten gut beraten, sich nicht mit leerem Magen in den Saal des Schützenheims zu setzen, um sich die Premierenaufführungen vom Adelsrieder Dorftheater „Sei still, Bua!“ anzusehen. Denn das Bühnenbild dominiert ein großer Tisch, an dem gegessen und getrunken wird. Und das in Mengen und über alle fünf Akte des Stücks hindurch.
Suppe, Braten Torten und Kuchen, Würste, Käse, Schnaps, Bier und Wein werden verdrückt und „versoffen“. Man feiert die Firmung vom Fritz, einziger Sohn von Gretl und Hans. Mitfeiern dürfen Onkel, Tante und Cousine sowie ein befreundetes Paar. Diese acht werden rund drei Stunden in schwäbischer Mundart ihre Zuschauer unterhalten.
Bernd Bendl, Abteilungsleiter des Adelsrieder Dorftheaters, sorgt dafür, dass viele kommen: „Ich rühr’ kräftig die Werbetrommel, häng’ Plakate auf und organisiere den Kartenvorverkauf.“ Er gehört mit zu den Aktiven des Theatervereins, selbst wenn er in diesem Stück keine Rolle besetzt.
Während der rund 20 Proben, die Spielleiter Gerhard Suttner bereits seit September zweimal wöchentlich ansetzt, liegen die Manuskripte noch auf dem Tisch oder auf dem Boden, sodass die Akteure kurz spicken können, sollte mal ein Hänger passieren. Dass das beim laufenden Spielbetrieb nicht vorkommt, dafür sorgt dann Sandra Präßberger, die im engen, tiefer gesetzten Kasten, vor den Blicken der Zuschauer verborgen, am Bühnenrand sitzt und jedes Wort aufmerksam verfolgt. „Heuer ist es schwierig zu soufflieren, weil uns der große Tisch den Blickkontakt raubt“, gesteht sie und verschwindet wieder in der Tiefe der Bühne. Schon während der Proben wird die Schminke aufgetragen. Schnell wischt Heike Klein, die für die sogenannte Maske eine eigene Ausbildung hinter sich hat, noch dem einen oder anderen über die Stirn, trägt Rouge auf oder tupft hier und dort glänzende Stellen mit Puder matt, streicht Haarsträhnen zurecht.
Der ganz alltägliche Wahnsinn
Wie nebenbei spielen sich die acht auf der Bühne dann ihre Einsätze zu. Mit unterhaltsamen Dialogen, Gesten, Mimiken und verbalen Seitenhieben führen sie den ganz alltäglichen Wahnsinn in gutbürgerlichen Stuben auf. Das Bild der spießigen, miefigen Gruppe unterstützen die Protagonisten mit den entsprechenden Kostümen. Nicht zuletzt das Bühnenbild macht dem Zuschauer deutlich, in welcher Stube er sich befindet. Spielleiter Suttner erklärt: „Inzwischen haben wir einen anständigen Fundus und das nicht nur an Kleidungsstücken, sondern auch für das Bühnenequipment.“ Schließlich spiele man ja schon seit 1975 regelmäßig Theater. „Wir wollen uns nicht nur auf reines Bauerntheater festlegen lassen und versuchen deshalb jedes Jahr etwas anderes zu machen“, sagt er, denn „das Publikum misst uns immer am letzten Stück.“ Er kennt seine Leute, weiß die einzelnen Rollen passend zu besetzen. Suttner selbst ist seit 1976 aktiv dabei. So auch im aktuellen Stück, dem er ein Happy End voraussagt.