Der Traum von Daniela C. platzte vor etwa zwei Wochen. Ein Traum, der knapp 4000 Euro teuer war und ein Geschenk an ihre fünfköpfige Familie und ihre Mutter sein sollte: zwei Wochen Urlaub in der Türkei, mit Vollpension und Meeresblick. Eine Reise, die die 35-jährige Langweiderin über ein Reisebüro gebucht hat, auf das sie über den Videotext des Fernsehsenders RTL aufmerksam geworden ist. Ein Traum vom Paradies, der sich mittlerweile als Albtraum herausstellt.
Daniela C. sitzt an ihrem Küchentisch in einer Neubausiedlung in Langweid, vor ihr liegen die Bestätigungsschreiben von RC Reisen aus Berlin. Das Logo der Firma, die sich als Betrüger herausstellen sollte, ziert der Slogan „Weil es um ihren Urlaub geht.“ Ein Satz, der nun wie Hohn klingt. „Es hörte sich alles so perfekt an“, erinnert sie sich, während ihre Stimme ins Stocken gerät. „Der Kontakt übers Telefon war doch immer so freundlich und zuvorkommend.“ So freundlich, dass sie RC Reisen insgesamt 3600 Euro überwiesen hat. Dass die Reise nie zustande kommen wird, erfuhr sie, als sie bei dem Reiseveranstalter anrief, der auf der Buchungsbestätigung verzeichnet ist. Sie war stutzig geworden, weil RC Reisen zu diesem Zeitpunkt weder telefonisch noch über das Internet zu erreichen war und die Reisetickets immer noch nicht angekommen waren.
Die Auskunft des Anbieters schlug bei der Frau ein wie eine Bombe: Die Flüge gibt es zwar genauso wie das Hotel, in dem Daniela C. mit ihrer Familie untergebracht sein sollte. Allerdings ist die Familie weder für den Flug noch für das Hotel gebucht. „Da ist eine Welt für mich zusammengebrochen“, sagt die junge Frau. „Für diese Reise haben wir drei Jahre gespart und eigens ein Konto angelegt. Wir haben jeden Cent drei Mal umgedreht. Mein ältester Sohn hat sogar einen Teil des Geldes, das er mit dem Austragen von Zeitungen verdient hat, dazugegeben.“
Jetzt ist das Geld weg. Um zumindest einen Teil zurückzubekommen, hat Daniela C. bei der Gersthofer Polizei Strafanzeige gestellt – und befindet sich in diesem Fall wohl in bester Gesellschaft. RTL Interactive, einer Tochterfirma des Fernsehsenders, die für den Werbeauftritt im Teletext zuständig ist, bereitet derzeit eine Strafanzeige gegen RC Reisen vor, wie deren Sprecher Thomas Bodemer bestätigt. Von Mitte Mai bis Mitte Juli war die Werbung für das Unternehmen auf der Textseite zu finden. „RTL Interactive wird mit den Geschädigten, die sich dazu gemeldet haben, Kontakt aufnehmen.“ Bisher haben sich laut Unternehmensangaben insgesamt acht Geschädigte gemeldet, darunter auch Daniela C. Die Berliner Staatsanwaltschaft bestätigte bis vergangenen Freitag den Eingang von drei Strafanzeigen wegen Betruges gegen die Geschäftsführer von RC Reisen.
Den Vorwurf, die Vertrauenswürdigkeit von RC Reisen nicht genügend geprüft zu haben, weist Bodemer zurück: Es wurden „interne Prüfkriterien angewendet und dabei unter anderem die Gewerbeanmeldung geprüft, die auf den 23. August 2005 datiert ist – ein wichtiger Hinweis, dass die Firma schon länger besteht.“
Alles wirkte seriös
Fraglich ist allerdings, inwiefern die Firma vorher bereits aktiv war. Mit dem Kooperationsunternehmen Tour Contact aus Köln begann RC Reisen 24 erst im Mai eine Kooperation. Mit dem Unternehmen, das Leistungen wie technische Unterstützung oder Beratung für Reisebüros anbietet, hatte RC Reisen seit Mai ein Abkommen. Dirk Bender, der Prokurist und Marketingleiter, erinnert sich an den Kontakt mit den Geschäftsführern von RC Reisen: „Das hat alles einen seriösen Eindruck gemacht.“ Eigenartig sei hingegen gewesen, dass der neue Geschäftspartner bis auf die Anmeldung bei Tour Contact keine Leistungen in Anspruch genommen habe: „Nicht mal Briefpapier haben die bei uns bestellt.“
Nicht das einzige Anzeichen, was bei genauerem Hinsehen bei RC Reisen auch im Vorfeld stutzig hätte machen können. So sind als Geschäftsführer und Inhaber drei Namen angegeben – einer davon lautet Eric Cantona. Ein Name, der Fußballfans ein Begriff sein dürfte. Der ehemalige Stürmerstar von Manchester United trägt diesen Namen. Der Verdacht, dass es sich hier um einen erfunden Namen handeln könnte, drängt sich auf.
Vorwürfe, die sich nun auch Daniela C. macht. „Ich frage mich die ganze Zeit, wie ich mich so täuschen lassen konnte“, sagt sie. Derzeit bleibt ihr nur übrig, um ihr Geld zu kämpfen. Was eigentlich ein Urlaub und die Belohnung für jahrelanges Sparen sein sollte, sorgt bei der Frau seit Wochen nun für Schuldgefühle. Große Hoffnungen, zumindest einen Teil des Betrages wiederzubekommen, macht sie sich nicht. „Man fühlt sich so hilflos, das ist das Schlimmste.“