Kutzenhausen-Agawang Das Gründungsprotokoll eines katholischen Burschenschaftsvereines und das Vorlesen der persönlichen Erlebnisse eines Mitglieds über die Flucht ihrer Familie von Breslau nach Agawang 1945 zählten zu den Höhepunkten der Mitgliederversammlung beim Heimatgeschichtlichen Verein (HGV) Agawang. Ersteres war Anlass zum Schmunzeln, da dem Verein offenbar nur ein kurzes Leben beschieden war. Dagegen lösten die Erlebnisse der damals erst siebenjährigen Betroffenheit aus.
Persönliches Flüchtlingsschicksal für den Verein niedergeschrieben
„Nun ade Du mein lieb Heimatland, lieb Heimatland ade“ lautete ein bekanntes Lied von Auswanderern im 19. Jahrhundert. Am 20. Januar 1945, vor 66 Jahren, musste das kleine Mädchen mit ihrer Mutter und Schwester die wohlbehütete Heimat Breslau vor der heranrückenden russischen Armee mit ungewisser Zukunft verlassen und ihren Vater, den die Familie nie mehr wiedersah, zur Verteidigung der Stadt zurücklassen. Dieses persönliche Flüchtlingsschicksal hat Erika Panacek, geborene Raabe, als Mitglied für den Heimatgeschichtlichen Verein Agawang niedergeschrieben. Der Bericht „ehrt auch die Dorfgemeinschaft und Menschen ihrer neuen Heimat Agawang im Zusammenhalt, im füreinander Dasein und Offensein für Neues“, stellte Vorsitzender Gerhard Fritsch fest. Denn er schildert auch, wie sehr Erika Panacek Agawang und seine Menschen zur Heimat geworden waren, als sie nach Stadtbergen wegzog, wo sie heute lebt.
Das vergangene Vereinsjahr war durch das 100. Schützenfest, die 90-Jahr-Feier des Kameradschafts- und Soldatenvereins und das 275. Kirchweihjubiläum der St.-Laurentius-Kirche mit einer vorbereitenden Glaubenswoche geprägt. Fritsch würdigte heuer beispielhaft für den Vorstand die Arbeit von Chronistin Rosmarie Zott, die „mit großer Leidenschaft aktuelle Geschichte fotografiert und dokumentiert“ und zum Treffen zeigte.
Kontinuierlich wurde vom HGV wieder an der Fortschreibung der Höfechronik von Lehrer Vogel gearbeitet. Sie hat inzwischen nun 70 Prozent der Anwesen des Ortes erfasst und ergänzt, mit dem Ziel, bis zum zehnjährigen Bestehen des Vereins 2013 sie in gedruckter Form fertigzustellen.
Der nächste Hoigarta setzt sich am 12. Mai mit Dokumenten und den Erinnerungen der Besucher an die Flurbereinigung in Agawang auseinander. (awi)