Kutzenhausen Aus allen Wolken gefallen sei sie, so Bürgermeisterin Silvia Kugelmann, als sie am Montag nach dem Bürgerentscheid von der Entscheidung der Firma Borscheid +Wenig gehört habe, sich nicht im neuen Kutzenhausener Gewerbegebiet in Maingründel anzusiedeln, sondern nach Gersthofen zu gehen. Sie sei zunächst telefonisch, am selben Tag dann auch schriftlich von der Entscheidung unterrichtet worden, bestätigt jetzt auch Carlo Wenig, technischer Geschäftsführer des Unternehmens. „Ich bin tief enttäuscht“, sagt Kugelmann. „Das Aus für Maingründel kam völlig überraschend und ist für uns nicht nachvollziehbar.“
Ihre Enttäuschung hatte sie auf der öffentlichen Gemeinderatssitzung am Montagabend aber noch nicht mitgeteilt, den Rückzug nicht einmal angedeutet. Gestern waren sie und Landrat Martin Sailer zunächst telefonisch nicht zu sprechen, am späten Nachmittag gab es dann eine gemeinsame schriftliche Erklärung mit Carlo Wenig. Darin wehrt sich die Bürgermeisterin gegen Vermutungen, sie habe bereits vor dem Bürgerentscheid von der Entscheidung der Firma gewusst. Der Vorwurf einer bewussten Fehlinformation grenzt für sie an Rufmord und würde darüber hinaus auch den Gemeinderat beleidigen.
Auch Landrat Martin Sailer war „überrascht und enttäuscht“, als am Montag die Nachricht im Landratsamt eintraf, dass sich das Unternehmen für eine Lösung in Gersthofen und damit gegen Maingründel entschieden hatte. Die Gemeinde Kutzenhausen habe sich mit außerordentlichem Einsatz für die Ansiedlung von Borscheid+Wenig eingesetzt. Laut Geschäftsführung führte das Bürgerbegehren aber zu Risiken in der Planung, die das Unternehmen nicht eingehen wollte.
„Es ist äußerst schade, dass sich die Firma nun anderweitig entschieden hat“, so Landrat Sailer, der sich noch am Montag überzeugt gezeigt hatte, dass das Unternehmen sich für Maingründel entscheiden werde und damit den ländlichen Raum stärke. Vonseiten der Bürgerinitiative kommt deutliche Kritik am Unternehmen, das den Kutzenhausener Bürgern schon vor dem Entscheid hätte reinen Wein einschenken müssen, so Nadia Hakenberg von der Initiative.
Wie berichtet, hatte sich eine große Mehrheit der Kutzenhausener erst am Sonntag für das Gewerbegebiet ausgesprochen. Während des Wahlkampfs war immer mit der Ansiedlung von Borscheid+Wenig als Zugpferd geworben worden. „Nun hat Kutzenhausen den Auftrag, andere Unternehmen ins Gewerbegebiet Maingründel zu holen“, so Landrat Martin Sailer. So sehen das auch Gemeinderat und Bürgermeisterin. Trotz der bitteren Absage sollen die Planungen für den Gewerbepark Maingründel mit anderen Betrieben fortgeführt werden. (AL, jah)