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30. Dezember 2011 23:00 Uhr

ChefinnenSerie 2

„Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen“

Barbara Kehr leitet Lebensmittelmärkte in Leitershofen und Aystetten. Das Ziel behält sie im Blick – Von Petra Krauss-stelzer

Stadtbergen-Leitershofen Sie ist ein „Workoholic“ und bekennt sich dazu. Mit „noch 69“ ist sie Chefin zweier Lebensmittelmärkte in Leitershofen und Aystetten: „nah und gut Kehr“ - und während viele vergleichbare kleine Märkte schließen, Tante-Emma-Läden ausgestorben sind, laufen die beiden Geschäfte seit Jahren sehr gut. Barbara Kehr hat alles im Griff, und dies mit Charme, Herz und Verstand. Und keiner mehr in Leitershofen oder Aystetten möchte die nahe Einkaufsmöglichkeit im Ort missen.

Wie man Beruf und Familie unter einen Hut bekommt, hat Barbara Kehr von klein auf mitbekommen: Ihre Familie stammt aus Chemnitz. „Wir Frauen aus dem Osten haben immer ganztags gearbeitet, und der Mann hatte in der Familie seine feste Rolle. Er und die Kinder mussten helfen!“ Und: Die Kinder waren in der Krippe, im Hort, im Kindergarten gut versorgt. Kindergartenleiterin war sie „drüben“ zunächst als junge Frau. Ab 1980 führte Barbara Kehr „nach acht Jahren Antrag“ mit ihrem Mann selbständig eine Eisdiele. Als der Druck zu groß wurde, „kamen wir kurz vor der Wende von einer Besuchsreise in den Westen nicht mehr zurück.“ Mit sechs Koffern hat sie damals mit Mann und Töchtern, im Alter von „Mitte 40“, ihr Haus verlassen, abgesperrt und nicht mehr zurückgeschaut, nur nach vorne. „Vor mir war nur das Neue. Das Vergangene gehört zu meinem Leben, aber es hält mich nicht fest, mich zielgerichtet mit etwas Neuem zu beschäftigen“, sagt Barbara Kehr mit klarer Stimme. Nach vorne blicken, das Ziel im Auge: Das ist die Stärke von Barbara Kehr.

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Damals, im Westen, hat sie in Mering neu angefangen als stellvertretende Marktleiterin, bald aber als Marktleiterin. Als 1996 der Lebensmittelmarkt in Leitershofen in die Insolvenz ging, sollte sie das Geschäft übernehmen - als Selbständige. Und sie folgte dem Rat ihres Mannes - denn als Selbständige konnte sie ja den Zeitpunkt der Rente selbst bestimmen...

Markt nach der Übernahme praktisch neu aufgebaut

Seitdem führt sie den Leitershofer Lebensmittelmarkt, der zunächst ein Spar, später auf Initiative der Chefin ein Edeka-Markt wurde. Schon 2000 übernahm Barbara Kehr den ebenfalls insolventen Spar-Markt in Aystetten, den sie praktisch neu aufbaute. „Erst mal muss man das Vertrauen der Kunden gewinnen“, sagt Barbara Kehr. Kleine Märkte hätten es besonders schwer, weil Kunden dort oft nur Kleinigkeiten kaufen - aber eben nur so lange, bis sie sehen, dass sie hier auch alles finden. Als Selbständige könne sie selbst bestimmen, was ins Sortiment komme, erklärt die Leiterin.

Dazu die Beratung, das Gespräch, die Kundenbindung: „Einmal im Jahr lade ich die Kunden zum Frühstück ein.“ Dann kocht Barbara Kehr zuhause, serviert im Laden, verteilt Rezepte, und schon kaufen die Kunden das, was sie sich vorher schmecken ließen.

Vor kurzem verlängerte Edeka den Mietvertrag für Leitershofen. „Normalerweise stoßen Handelsunternehmen Märkte ab, das war bei uns nicht der Fall, und darauf bin ich stolz“, sagt die resolute Geschäftsfrau, der ansonsten die Familie sehr am Herzen liegt, die gerne kocht und liest. Umsatz- und Kundenzahlen gehen nach oben, und das noch nach 15 Jahren.

Der Kunde wird oft mit Namen begrüßt, für einen kleinen Schwatz ist immer Zeit, und schon früh um halb sieben sitzt Barbara Kehr mit ihren Damen beim Frühstück in der Küche, bevor es im Laden losgeht: „Wir sind eins - ein Team. Natürlich braucht ein Rudel auch die Führung“ - stellt sie klar. „Als Frau Chefin zu sein: Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen!“ Und der Unterschied zu Männern als Chef? „Männer sind technisch weitaus besser, aber wir Frauen haben das bessere Feeling!“ Frauen könnten sich besser in weibliche Mitarbeiter hineinversetzen. Vor allem müsse man als Chefin fachlich über den Dingen stehen und Konsequenz walten lassen. Das müssten die Mitarbeiter spüren: „Es liegt an mir, wie ich die Mitarbeiter führe. Ich muss ihre Stärken gewinnbringend nutzen - dann habe ich das beste Team.“

Barbara Kehr hat als weibliche Führungskraft nie Nachteile gespürt. Jungen Frauen hier müsse man die Berufstätigkeit allerdings durch Kinderbetreuungsmöglichkeiten erleichtern. Die Quotenregelung? Kurze Antwort: „Ein Blödsinn!“

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