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10. Januar 2012 23:00 Uhr

Kreditaffäre

Kritik unter Amtskollegen

Die Präsidenten der Vereine stellen Christian Wulff ein schlechtes Zeugnis aus Von Florian Eisele und Janina Funk

Landkreis Augsburg Als erster Mann im Staat steht derzeit Christian Wulff im Fokus der Öffentlichkeit. Ein günstiger Kredit, Verstrickungen mit reichen Freunden und eine verhängnisvolle Mailboxnachricht bringen den Bundespräsidenten in Bedrängnis. Wir haben Präsidenten von Vereinen im Landkreis befragt, was sie zu der Affäre sagen.

Für Thomas Reichenzeller, den Präsidenten des Neusässer Lions Clubs, ist die Glaubwürdigkeit von Wulff so stark beschädigt, dass an ein Weitermachen nicht zu denken ist: „Wenn er Charakter hätte, würde er zurücktreten.“ Als Verfehlung sieht Reichenzeller es nicht an, sich den günstigen Kredit geholt zu haben. Vielmehr habe sich Wulff durch sein Verhalten untragbar gemacht: „Das Schlimmste sind die Anrufe auf der Mailbox des Bild-Chefredakteurs.“

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Billiger Kredit? Findet zumindest Jürgen Treffler, Wulffs „Amtskollege“ als Präsident des TSV Gersthofen, nicht. „Wenn man ein Baudarlehen mit zehn Jahren Laufzeit hat, bekommt man 3,4 Prozent Zinsen – Wulff hat vier Prozent bekommen“, sagt Treffler, der als Bankkaufmann arbeitet. Kopfschütteln erntet zwar auch bei ihm das Verhalten des Bundespräsidenten. „Man darf die Moralfrage aber auch bei den Medien stellen – beide Seiten haben Fehler gemacht.“ Ob Wulff noch glaubwürdig ist oder nicht, mag Treffler nicht beurteilen. „Man sollte jetzt aber mal einen Punkt machen.“

„Als Bundespräsident kann man sich nicht so benehmen“, sagt Christian Zirngibl. Die Sache mit dem Kredit hätte der Präsident der Gersthofer Rotarier dem Bundespräsidenten noch verzeihen können – als einmaligen Fehltritt. Doch der Anruf bei der Bild-Zeitung ist für Zirngibl mehr als problematisch. „Das hat das Fass zum Überlaufen gebracht und ist für den ersten Mann im Staat nicht angemessen.“ Wulff habe an Glaubwürdigkeit verloren, betont Zirngibl. Da in der gesamten Bevölkerung der Rückhalt für den Präsidenten schwinde, bleibe als Konsequenz nur der Rücktritt. Wer ein Amt bekleide, dürfe keine Vorteile daraus ziehen, das gelte für den Bundespräsidenten genauso wie für jeden Bürgermeister, aber auch für Vereinspräsidenten.

Für Bernhard Kraus, Präsident der Faschingsgesellschaft Deubachia, hat Christian Wulff bereits eine Menge Glaubwürdigkeit eingebüßt. „Der Kredit alleine ist ja schon fraglich. Aber das Hauptproblem ist, dass er damals als Ministerpräsident vor seinem Parlament nicht die Wahrheit gesagt hat.“ Einen erneuten Wechsel in Schloss Bellevue hält Kraus aber für verfrüht. Erlauben dürfe sich Wulff jedoch nichts mehr. Als Präsident einer Faschingsgesellschaft wurde ihm noch nie ein Kredit angeboten. Doch selbst wenn, müsse man als Amtsträger wissen, wo die Grenzen sind. Dies gelte besonders für Politiker.

„Für mich ist das Korruption“, sagt Marc Hofmann. Für den Präsidenten der Faschingsgesellschaft Narrneusia gibt es daher auch nur eine Konsequenz: „Wulff sollte zurücktreten.“ Korruption sei die Wurzel vielen Übels in der Welt, und Deutschland dürfe sich keinen korrupten Bundespräsidenten leisten, erklärt Hofmann. Auch auf der Ebene der Vereine gebe es Korruption. Doch jeder Präsident trage Verantwortung dafür, nicht bestechlich zu sein. „Das fängt schon bei einem Cent an.“ (eisl, jafu)

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