von Lena Bauer
Aystetten ist ratlos: Die Metzgerei Rößle, seit über 80 Jahren eine Institution im Ort, wurde in dieser Woche urplötzlich geschlossen. Bürgermeister Peter Wendel ist von dieser Nachricht ebenso überrascht worden wie seine Bürger: „Das ist eine Tragödie – für die Familie und für unsere Gemeinde.“ Weshalb der Eigentümer Johann Rößle jun. seine Metzgerei geschlossen hat, ist bislang nicht bekannt. „Ich weiß nur, dass alle Mitarbeiter entlassen sind und der Inhaber nicht greifbar ist“, sagt Wendel.
Die Familie wollte sich gegenüber unserer Zeitung nicht äußern, am Geschäft steht ein großes Schild mit der Aufschrift: „Dieser Betrieb bleibt bis auf Weiteres geschlossen“, das Telefon scheint bereits abgemeldet: „Kein Anschluss unter dieser Nummer.“ Ein Insolvenzverfahren war bis gestern nicht öffentlich.
Ottilie Koch und ihr Mann Rudolf haben über 30 Jahre in der Metzgerei Rößle gearbeitet. „Am Aschermittwoch haben wir beide per Post unsere Kündigung bekommen – rückwirkend zum 20. Februar“, berichtet Ottilie Koch. Das Ehepaar war völlig vor den Kopf gestoßen. „Das kam aus heiterem Himmel, wir hatten keine Ahnung“, sagt Koch mit leiser Stimme. In dem Kündigungsschreiben des Firmenchefs habe nur gestanden, er habe kein Geld mehr und könne seine Mitarbeiter nicht mehr zahlen. Von Geldsorgen haben sie jedoch nie etwas mitbekommen, sagt Koch. Ihre Kollegen – insgesamt 16 Mitarbeiter – seien – so weit sie weiß – auf genau die selbe Weise zum gleichen Zeitpunkt gekündigt worden. „Ich war seither nicht mehr dort“, sagt die 58-Jährige, die im Altenmünsterer Ortsteil Unterschöneberg lebt. Von Kollegen habe sie allerdings gehört, dass der Chef nicht mehr da sei – das und viele unbestätigte Gerüchte über seinen Verbleib.
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