Welden Bei Christa Steinhart lagen alte Fotos und heimatgeschichtliche Bücher, auf dem Dachboden von Traute Schatz ein gewaltiges Pferdegeschirr, im Weldener Rathaus verbargen sich weitere historische Utensilien des Weldener Heimatvereins.
Dieser hatte seit seiner Gründung 1970 nie ein Vereinsheim, kein Archiv, für all die Dinge, die die Weldener ihm überlassen haben: Reginahauben, einen alten Rotkreuzkoffer mit Gasmaske und Feldflaschen, Schmalztöpfe, eine filigrane Primizkrone von Pfarrer Brunner, eine alte Honigschleuder, ein Wäschestampfer, die Ritterballaden von Förster Werner Zapf... 42 Jahre später konnte der Verein nun in zwei Räume der Grund- und Mittelschule einziehen. Am Samstag werden sie der Öffentlichkeit präsentiert.
„Jetzt können wir die Sachen, die uns zur Verfügung gestellt wurden, endlich zeigen. Unsere Räume sollen ein Ortsgedächtnis und ein Ort der Begegnung sein“, blickt Christa Steinhart, die Vorsitzende des 136 Mitglieder starken Heimatvereins voraus. Bis dahin ist es noch ein langer Weg.
Im Innenhof führen Stufen hinab zum Eingang für die Bücherei und zum Heimatverein. Vor dessen Türe soll das Ziffernblatt der Kirche prangen, in dem großen ehemaligen Computerraum die Schätze platziert werden. Dort sollen künftig Sitzungen stattfinden, bislang trafen sich die Mitglieder stets in privaten Wohn- und Esszimmern. „Das wirkte wie ein privater Zirkel“, findet Steinhart.
Der Boden des Raumes ist schon ausgetauscht, an den Wänden stehen altertümliche Schränke, darin sind zahlreiche Bücher und Dokumente untergebracht. In einem Nebenraum verbergen sich in Kisten und Kartons die weiteren Schätze des Vereins. „Was wir alles haben, vieles habe ich noch gar nicht gesehen“, staunt da auch die Schatzmeisterin des Vereins, Traute Schatz. „Bislang war ja alles aufgeteilt, jeder von uns hat irgendwas aufgehoben.“ Schriftführerin Cornelia Feldmeier schwärmt: „Aber jetzt haben wir unsere Heimat gefunden.“
Schöne Stücke haben immer noch Platz
Trotz der Fülle von Gegenständen, „ein Museum ist illusorisch“, meint Vorsitzende Steinhart, „aber wir können einen Ort schaffen, wo die Sachen nicht nur gesammelt und bewahrt, sondern optimalerweise auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Wir haben zwar ein sehr einnehmendes Wesen“, sagt die Vorsitzende und lacht, „aber so richtig sammeln wollen wir gar nicht“, ergänzt Traute Schatz, vielmehr solle der aktuelle Bestand sinnvoll erweitert werden. Ein besonders schönes Stück habe selbstverständlich noch Platz.
Die Ursprünge des Vereins lagen ganz woanders: „Er wurde 1970 gegründet, als die Welle der Naherholung entdeckt wurde. Und man wollte Welden attraktiver machen“, erzählt die Vorsitzende. Daran hatte auch die Marktgemeinde ein großes Interesse, sie hat die Schirmherrschaft über den Verein inne, in dem auch immer ein Mitglied des Marktrates vertreten ist. „In den 1980er-Jahren änderten sich die Aufgaben, weg von der Naherholung, mehr hin zur Kultur- und Freizeitpflege.“ Heute ist dem Verein vor allem der wissenschaftliche Hintergrund seiner Arbeit wichtig, „wir wollen keine Heimattümelei“, wie Steinhart betont.
Jetzt fehlen nur noch ein paar neue Mitglieder, denn es gibt viel zu tun: Die vielen Gegenstände, Dokumente und Geräte müssen inventarisiert werden, Schüler sollen künftig beim Heimatverein etwas erarbeiten können, außerdem müssen ja noch die Maifeier organisiert werden und das Marktfest am 12. August, der Beitrag zum Ferienprogramm, Konzerte und der lebende Adventskalender im Dezember.
Tag der offenen Tür Am Samstag, 21. April, stellt der Heimatverein Welden seine neuen Räumlichkeiten in der Schule vor. Ab 14.30 Uhr gibt es Kaffee und Kuchen, um 15.30 Uhr hält Maria-Theresia Kugelmann-Schmid von der Diedorfer Kunstschule einen Vortrag über „Zukunftswerkstatt: Endlich Heimat – und jetzt?“ Im Anschluss um 16.30 Uhr informiert Claudia Ried von der Kreisheimatpflege über „Archivieren, Inventarisieren und Präsentieren“. Um 17.30 Uhr beginnt die Jahreshauptversammlung des Vereins im Foyer der Schule.