Aystetten In einer alternden Gesellschaft wird die Frage nach der richtigen Unterkunft für Senioren immer wichtiger. Eine Antwort bietet das Haus Veronika in Aystetten. Bisher war die Pfarreiengemeinschaft Neusäß Träger des Wohnheimes mit 25 Ein- und Zwei-Zimmer Wohnungen. Nun übernimmt die Ökumenische Sozialstation Neusäß die Einrichtung.
Vor zwei Jahren wurde die Pfarreiengemeinschaft Neusäß gegründet, zu der neben der Pfarrei St. Martin in Aystetten noch die Kirchengemeinden in Neusäß, Täfertingen und Ottmarshausen gehören. Das Haus Veronika ging in die Verwaltung des neuen Pfarrers Engelbert Birkle über. Die Kirchenverwaltung übergibt das Wohnheim nun an die Neusässer Sozialstation. „Wir wollten uns einen kompetenten Partner an die Seite holen“, sagt Birkle. Ihm und seinen Mitarbeitern in der Kirchenverwaltung fehle das notwenige Fachwissen, um langfristig eine solche Einrichtung zu tragen, erklärt der Pfarrer. Eine Verwaltung, deren Mitarbeiter ehrenamtlich tätig sind, könne nicht die Verantwortung für die Betreuung tragen. „Außerdem hat ein Pfarrer doch ganz andere Aufgaben“, ergänzt Erich Dehler, der Vorsitzende der Sozialstation.
Im Gebiet Neusäß, Aystetten, Diedorf, Gessertshausen, Ustersbach und Kutzenhausen kümmert sich die Sozialstation um die ambulante Versorgung. Auch im Haus Veronika findet die Pflege ambulant statt, denn ein Pflegeheim ist die Einrichtung nicht. Von den 21 Bewohnern, die in der betreuten Wohngemeinschaft leben, können einige für sich selbst sorgen, andere sind pflegebedürftig. Die Betreuer sind rund um die Uhr telefonisch erreichbar. „Das schöne an der Übernahme ist, dass es keine sichtbaren Veränderungen gibt“, erklärt Dehler. Auch die Pflegekräfte bleiben die gleichen. Lediglich zwei Betreuerinnen beenden ihre Tätigkeit. Dies sei aber unabhängig vom Wechsel in der Trägerschaft.
Keine wirtschaftlichen Gründe
Langfristig könnte eine Anpassung der Miete notwendig sein, erklärt Dehler. Denn seit der Gründung der Einrichtung in den neunziger Jahren hat sich diese nicht verändert. Die Kaltmiete für ein 39 Quadratmeter großes Zimmer beträgt 218 Euro. Hinzu kommen Nebenkosten und eine Betreuungspauschale. Der Vertrag, der seit 1995 eine Mieterhöhung ausschloss, ist inzwischen ausgelaufen. Aus wirtschaftlichen Gründen lohne sich die Übernahme des Hauses nicht, sagt der Vorsitzende der Sozialstation Neusäß – einer Einrichtung, die von den Kommunen, in denen sie tätig ist, keine Unterstützung erhält und sich durch eigene Einnahmen und durch Spenden finanziert. Es gehe schließlich um die Betreuung, nicht um das Finanzielle, so Dehler.
Im Haus Veronika arbeiten sechs Betreuerinnen, größtenteils Minijobber. Pfarrer Birkle lobt das große Engagement der Pflegekräfte. Das Angebot des Wohnheims wäre ohne den Einsatz und die Gemeinschaft der Bewohner Aystettens nicht möglich.