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Filmnacht: Nur noch extrem

Filmnacht

Nur noch extrem

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    Wenn Sebastian Doerk sein Rad schon auf den Gipfel geschleppt hat, dann will er damit auch zu Tal fahren.
    Wenn Sebastian Doerk sein Rad schon auf den Gipfel geschleppt hat, dann will er damit auch zu Tal fahren. Foto: Foto: Agentur

    Gersthofen „Die sind alle verrückt“, sagt der blonde Martin und es ist vermutlich niemand unter den Zuschauern in der Gersthofer Stadthalle, der dem jungen Mann widersprechen würde. Er ist zusammen mit seinem Freund Sebastian auf den Ortler gestiegen, doch wo andere große Rucksäcke tragen, hat das Duo ein Mountainbike geschultert, um damit vom Gipfel ins Tal zu fahren. Über Schnee und Gletscherspalten, über Stock und Stein.

    Österreichs größte Outdoorsportfilmtour machte jetzt Station in der Region und die Filme gaben einen Einblick in die Welt der Extreme. Neun Werke wurden im kleinen Saal gezeigt, eins ausgefallener als das andere.

    Ob die Protagonisten nun im Tschad auf die Towers of the Ennedi klettern (die wie abgenagte Knochen in der Wüste stehen), ob sie mit dem Snowkite große Sprünge machen, mit dem Snowboard durch die Lüfte fliegen, mit dem Kajak in Mexiko den Flussgott (also den perfekten Wildfluss) suchen, ob eine englische Expedition auf den Berg Asgard auf der Baffininsel in der Arktis begleitet wird (und die Bergsteiger nach dem Erfolg wie Supermann vom Gipfel fliegen) oder ob die Sportler mit Telemarkskiern durch amerikanischen Powder gleiten – extremer geht’s wohl nimmer.

    In der Pause verloste Moderator Bernhard Schösser ein paar Preise. Zu den Gewinnern gehören auch zwei junge Männer. Und was ist der Hauptpreis? Bungee-Jumping von der immerhin 192 Meter hohen Europabrücke bei Innsbruck. Ob sie das machen wollen? „Natürlich“, sagte der eine, „i denk scho“, etwas zurückhaltender der andere.

    Solche Extremsportfilme leben von ihrer technischen Perfektion, den höchst professionellen Aufnahmen, einem zumeist schnellen Sound mit harten Beats, auf Höchsttempo geschnittenen Sequenzen, die plötzlich wieder in Zeitlupe übergehen, um später etwa einen Sternenhimmel im Zeitraffer zu zeigen.

    Was taugt der beste Kletterer, der angriffslustigste Boarder, der mutigste Kajakfahrer, wenn es nicht Kameraleute gäbe, die die Großtaten eindrucksvoll dokumentieren? Über diese Entwicklung, die zum Beispiel die Huberbuam (Thomas kommt übrigens am 30. November nach Neusäß) verkörpern, haben Ende Oktober Bergsteiger in Brixen diskutiert. In der Welt wurde dazu auch Bernd Kullmann zitiert. Er stand 1978 in Jeans auf dem Mount Everest. „Wir wären gar nicht auf die Idee gekommen, uns zu vermarkten“, sagt Kullmann, Geschäftsführer des Rucksackherstellers Deuter aus Gersthofen. Wohl wissend, dass die Industrie perfekte Bilder verlangt und bekommt. Notfalls geschminkt.

    Von Edmund Hillary, der zusammen mit Tenzing Norgay als Erster auf dem Gipfel des Mount Everest stand, gibt es nicht mal ein Foto. Weil der Sherpa den Umgang mit einer Kamera nicht geübt hatte, drückte Hillary selbst ab und fotografierte seinen Partner. Das war noch in der medialen Steinzeit – genauer: im Jahr 1953.

    Und jetzt? Zu schneller, weiter, höher ist längst noch extremer hinzugekommen. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie, ja wen denn? Besser nicht den Sportarzt oder die Krankenkasse, die würden vermutlich abraten. Aber im weichen Kinosessel lässt sich entspannt genießen, wenn einer mit zerschundenen Fingern in der Steilwand hängt. Martin Deibl

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