Kutzenhausen-Rommelsried Beim jährlichen Großreinemachen in Haus und Hof wurde es entdeckt, das Hornissennest unter dem Garagendach. Was nun? Hilfe leisten die sieben ehrenamtlichen Hornissenberater im Landkreis.
Wenn Anfang Mai die Saison der Gartenarbeit beginnt, stoßen viele Hausbesitzer auf die beunruhigenden Untermieter und schlagen Alarm. Dabei sind Hornissen sehr viel harmloser als ihr Ruf. Verglichen mit Wespen oder Honigbienen sind sie sogar ausgesprochen scheu, was viele jedoch nicht wissen. Um über diesen Irrtum aufzuklären, sind im Landkreis Augsburg sieben ehrenamtliche Hornissenberater tätig. Einer von ihnen ist der Hobbyimker Franz Beck aus Rommelsried.
Seit zwei Jahren ist der 59-Jährige als Hornissenberater für den mittleren Teil des Landkreises zuständig. Ins Leben gerufen hat das Projekt damals Herrmann Pausch, Diplom-Ingenieur für Landschaftspflege. Nun können sich die Bewohner des Landkreises an Hornissenberater wie Franz Beck wenden, wenn im Frühsommer irgendwo ein ungebetenes Nest entdeckt wird. Hornissennester dürfen nämlich nicht zerstört werden. Die Tiere werden mit einem speziellen Sauger schonend eingefangen und an einen anderen Ort umgesiedelt.
Menschen müssen keine Angst haben
Versetzen muss Beck das Nest jedoch in den wenigsten Fällen: „Ich erkläre den Menschen meistens erst einmal, dass sie keine Angst vor Hornissen haben müssen.“ Hornissen seien grundsätzlich tolerante und friedfertige Tiere, die nicht einmal beim sommerlichen Kaffeetrinken auf der Veranda stören. Sie ernähren sich nämlich im Gegensatz zu Wespen von anderen Insekten. Im Kampf gegen Fliegen und Motten können sie deshalb sogar nützliche Helfer sein.
Zu einem besonders kniffligen Fall wurde Franz Beck im vergangenen Sommer gerufen. In der Sauna der Titania-Therme Neusäß hatte man ein Hornissennest entdeckt. Doch Beck konnte die Leitung des Bades überzeugen, das Nest unter der Holzverkleidung zu belassen. „So lange Hornissen ungestört bleiben, tun sie niemandem etwas“, erklärte er.
Stich einer Biene ist giftiger als der einer Hornisse
Weit verbreitet war früher der Irrglaube, dass nur drei Stiche ausreichten, um einen Menschen zu töten. „Großer Schwachsinn“, sagt Franz Beck dazu. Und für die Hornisse ein gefährlicher Irrtum, der beinahe zu ihrer Ausrottung führte. Seit 1987 sind Hornissen besonders geschützt, es ist verboten, sie zu töten oder ihre Nester zu beschädigen.
Trotzdem erzeugen die sanften Rieseninsekten bei den meisten Menschen immer noch Unbehagen. Nicht so bei dem 59-jährigen Hobbyimker Beck: „Ich bin fasziniert von diesen Tieren.“ Hauptberuflich ist Franz Beck Elektriker, doch in seinem Garten am Ortsrand von Rommelsried steht etwa ein halbes Dutzend Bienenkästen.
Die Arbeit mit den Insekten sei für ihn eine Art der Entspannung, berichtet er. Daneben hüten die Becks einen regelrechten Kleintierzoo mit Schildkröten, Kaninchen und Hühnern. Fast die komplette Freizeit widmet Franz Beck den summenden Genossen.
Daneben setzt er sich seit zwei Jahren zusammen mit seinen sechs Kollegen für den Schutz der gefährdeten Art ein. „Jedes Tier hat doch ein Recht auf Leben“, sagt er. Mit Franz Beck hat die Hornisse also einen weiteren Beschützer, den sie dringend benötigt.