Zusmarshausen Ob es denn nun überhaupt ein Mord war, dem der zwielichtige Vorzeigeunternehmer Stowasser zum Opfer fiel, erfährt man bei Nicola Förgs Lesung aus ihrem neuesten Alpenkrimi „Mordsviecher“ in Zusmarshausen nicht. Sicher ist nur, er wurde vom Gift einer Schwarzen Mamba getötet. Über den unerfreulichen Prozess, den dieses Gift im Körper eines Menschen auslöst, wird man dagegen mit detaillierten Fakten von der Autorin informiert.
So steht bei Nicola Förg auch nicht eigentlich der Krimi im Vordergrund. Ihr geht es vielmehr um eine gute Geschichte, für die sie intensive Recherche betreibt, um Sachverhalte plausibel und nachvollziehbar darzustellen. Dabei verfolgt sie meist ein gesellschaftskritisches Anliegen. Im Fall ihres neuesten Krimis beleuchtet sie das Phänomen des „animal hoarding“ (deutsch etwa: Tiersammelsucht), einer psychischen Erkrankung, bei der Menschen unkontrolliert Tiere sammeln und unter erbärmlichen Bedingungen halten. Als passionierte Tierfreundin nutzt Nicola Förg die Breitenwirkung ihrer Bücher, um solche Themen der Öffentlichkeit zu Bewusstsein zu bringen. So suchen ihre Protagonistinnen Irmi und Kathi zwischen Reptiliengewimmel, Pferdeseuche, und durch Mauserrupf qualvoll von ihren Federn getrennten Gänsen nach einer Lösung des Falls.
Autorin setzt sich von Slapstick und Kabarettstil ab
Trotz zahlreicher Anekdoten, die ihr Werk durchziehen und das Publikum im Pfarrzentrum von Zusmarshausen zum Schmunzeln anregen, will sich die Autorin bewusst von Slapstick und Kabarettstil absetzen, die sich im Genre Regionalkrimi zunehmend auszubreiten scheinen. Dazu flicht sie bewusst auch bittere Passagen ein – denn der gewaltsame Tod eines Menschen ist ja auch kein Spaß.
Locker geht die Autorin im Anschluss ihrer Lesung auf die zahlreichen Fragen aus dem Publikum ein. Dabei plaudert sie unbefangen aus dem Nähkästchen und gibt interessante Einblicke in ihre Autorenarbeit. Sie lobt die gute und sinnvolle Zusammenarbeit mit dem Verlagslektorat und warnt potenzielle Neuautoren vor unseriösen Verlagen mit hochtrabenden Namen, bei denen der Autor erst einmal ein paar Tausend Euro selbst mitbringen muss, um sein Buch veröffentlicht zu sehen. Auf zwei bis drei weitere Krimis mit „ihren Mädels“ darf sich das Publikum schon freuen – die Lust zum Lesen, gelang es Nicola Förg durch ihre lebendige, auskunftsfreudige Art bei ihrem Publikum durchaus anzustacheln.