Die Anwälte der Stadt Neusäß und der Betreiber der Titania Therme haben sich überraschend auf einen Vergleich geeinigt: Demnach soll die Deyle-Gruppe am 30. September aus dem Bad ausziehen. Im Gegenzug verzichten beide Parteien: die Stadt Neusäß auf eine Jahrespacht von rund 400000 Euro, die Deyle-Gruppe auf ihre Forderungen. Dies vereinbarten die Streitparteien vor dem Landgericht. Stimmt nun auch der Neusässer Stadtrat dem Kompromiss zu, könnte die Stadt ab dem 1. Oktober wieder Herr im Haus sein.
Der Weg zu dieser Einigung war mühselig: Rund zwei Stunden dauerte es, bis das Scheidungspapier zwischen den Vertragspartnern schriftlich fixiert war. Eigentlich sollten in einem Urkundenprozess sämtliche Vertragspapiere untersucht werden. Dass es dazu nicht kam, lag daran, dass Richterin Iris Gross auf die Streithähne einwirkte und sie bat, sich ohne Prozess zu einigen. Ob ein Verfahren überhaupt einen Nutzen habe, sei fraglich: Sollte man tatsächlich den gesamten juristischen Weg gehen, würde die Verhandlung laut Gross etwa zwei Jahre dauern und bis zu 30000 Euro alleine für die geplanten Gutachten verschlingen.
Das Ansehen von Stadt und Betreiber steht auf dem Spiel
Bis dahin sei der Pachtvertrag von Deyle für das Titania ohnehin ausgelaufen. Zudem stehe das Ansehen von Stadt und Betreiber auf dem Spiel: „Die Betreiberfirma kann es sich nicht leisten, sich über Jahre hinweg in einem Verfahren zu befinden – zumal sie mit der Königstherme noch an einem weiteren Standort ist“, so Gross. Doch auch der Stadt würde bei einem mit Haken und Ösen geführten Verfahren ein Imageschaden entstehen. „Ein Verfahren kann für beide doch nur einen Nachteil haben.“
Wie zerrüttet das Verhältnis zwischen der Stadt Neusäß und der Deyle-Gruppe mittlerweile ist, darüber gab der Gerichtstermin einen Einblick: Die Kommunikation zwischen den beiden findet seit geraumer Zeit nur noch in schriftlicher Form statt. Zwei bei der Stadt angestellte Techniker, die das Bad warten sollen, haben seit Kurzem Hausverbot im Titania. Die Anwälte von Deyle erhoben sogar einen Betrugsvorwurf gegen die Stadt. „Wenn ich lese, wie unzufrieden Sie miteinander sind, frage ich mich, ob es nicht sinnvoll ist, dieses Vertragsverhältnis so bald wie möglich zu beenden“, sagte Richterin Gross.
Zukunft der 50 Mitarbeiter ist bislang offen
Stimmen beide Parteien dem Kompromiss bis Ende Juni zu, könnte die Ehe schon in wenigen Monaten geschieden sein. Die Zukunft der rund 50 Personen, die in der Titania Therme arbeiten, ist wie vieles andere bislang noch offen. Neusäß hat zwar zugesichert, in diesem Fall die Mitarbeiter zu übernehmen, deren Vertrag nicht bis September gekündigt werden kann. Großen Bedarf für ihre Dienste würde es aber vorerst nicht geben: Bürgermeister Hansjörg Durz hat stets betont, dass selbst bei einem Auszug von Deyle der Betrieb nicht einfach weiterlaufen würde und Sanierungsarbeiten nötig seien.