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Lesung: Von der Liebe über den Tod hinaus

Lesung

Von der Liebe über den Tod hinaus

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    Gast beim 16. Literarischen Bankett der Buchecke Diedorf war der Schweizer Christoph Simon.
    Gast beim 16. Literarischen Bankett der Buchecke Diedorf war der Schweizer Christoph Simon. Foto: Monika Hupka-Böttcher

    Diedorf „Hängen Sie bei Freunden die Bilder um? Sind Sie dumm – oder brauchen Sie nur etwas mehr Zeit? Opfern Sie Ihre Jugend, um zu Wohlstand zu kommen, und dann Ihren Wohlstand aufzubrauchen für die verlorene Jugend?“ Mit diesen Zitaten aus seinem neuesten Buch „Viel Gutes zum kleinen Preis“ eroberte der Schweizer Schriftsteller Christoph Simon im Sturm die Sympathien der Zuhörer beim „16. Literarischen Bankett“ der Buchecke Diedorf.

    Die Buchecke Diedorf veranstaltete anlässlich des Welttags des Buches ihr Literaturfest, bei dem auch der kulinarische Genuss nicht zu kurz kam. Doch zunächst war der Schweizer Schriftsteller Christoph Simon mit seinem Buch „Spaziergänger Zbinden“ an der Reihe. Simons kluger und filigran komponierter Roman ist die hinreisende Liebesgeschichte des 87-jährigen Lukas Zbinden. Am Arm von Kâzim, einem Zivildienstleistenden, geht Zbinden auf seine Weltreise durchs Betagtenheim – sprich Seniorenheim. Treppe um Treppe, Stockwerk um Stockwerk zieht es den leidenschaftlichen Spaziergänger Zbinden hinaus auf die Wege, auf denen er ein Leben lang an der Seite seiner verstorbenen Ehefrau Emilie dem Sinn des Lebens nachgespürt hat. Er, ein überaus geselliger, aber keinesfalls eifriger Landspaziergänger – eher ein Stadtspaziergänger; sie dagegen eine begeisterte Landspaziergängerin, die mit allerlei Mitteln versucht, Lukas Zbinden die faszinierenden Seiten der Natur nahezubringen.

    Nach und nach entpuppt sich Lukas Zbinden als ein sanftmütiger und geistreicher Mann, der glaubt, seinem Begleiter die Antworten auf die wichtigen Fragen des Lebens anzuvertrauen, in Wahrheit aber die stille, herzbewegende Geschichte der Liebe zu seiner verstorbenen Emilie erzählt. Es ist ein Roman, der tief in die Seele eines alten Mannes blicken lässt und der seiner Frau immer noch in tiefer Liebe verbunden ist. Ein anrührender und auch witziger Roman über das Alter und eine Liebe über den Tod hinaus.

    Am Ende noch mal einige Zeilen aus „Viel Gutes zum kleinen Preis“; bei manchen Passagen fühlte man sich an den Schweizer Kabarettisten Emil Steinberger und dessen schräg-trockenen Humor erinnert. Sowohl die Ratschläge für heiße Liebesbriefe als auch für Trennungsschreiben muten überaus komisch und grotesk an. „Schreiben Sie mit der Schreibmaschine, wählen Sie ihre Worte sorgfältig, vermeiden Sie Selbstbezichtigungen.“ Und auch die „Kinderbriefe an den lieben Gott“ beziehungsweise „... an den Satan“ entbehren nicht einer kindlichen Komik und Naivität. Und selbst beim Signieren seiner Bücher zeigte sich Christoph Simon von seiner eher unbekannten Seite als Zeichner und Cartoonist: jedes Buch schmückte er mit einer kleinen Zeichnung.

    Dazu: Köstlichkeiten aus der Schweizer Küche

    Passend zum Thema und zum Schriftsteller tischte Chefkoch Rudolf Fendt Köstliches aus der Schweizer Küche auf. Von Rüblisuppe und Dreierlei Kartoffelknusperli über Zürcher Kalbsgeschnetzeltes und Schweinefilet mit Trauben und Dörrpflaumen bis zu Ofenschlupfer-Rösti und Aargauer Rüblitorte reichten die Genüsse.

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