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04. Februar 2012 12:13 Uhr

Kreishaushalt

Von der einen Tasche in die andere

Durch einen buchhalterischen Trick spart der Bau-, Umwelt und Energieausschuss 1,3 Millionen ein – obwohl zugleich knapp 1,7 Millionen Euro neue Schulden gemacht werden

Der gute Eindruck täuscht: Das Dach des Landratsamtes Augsburg muss saniert werden. Die dafür benötigten knapp 1,7 Millionen Euro sollen aus Krediten finanziert werden. Paradoxerweise entlastet dies den Kreishaushalt 2012, weil die Investition vom Verwaltungs- in den Vermögenshaushalt wandert.
Foto: Marcus Merk

Landkreis Augsburg Wenn am 13. Februar über den Etat des Landkreises Augsburg beraten wird, soll eine Zahl möglichst gering sein: die Unterdeckung des Haushaltes. Schließlich muss diese Summe letztlich durch die Kreisumlage der 46 Städte und Gemeinden im Landkreis finanziert werden. Zielvorgabe des Landrates Martin Sailer ist es, dass diese Belastung nicht größer als 49 Prozentpunkte sein soll. Bei der jüngsten Sitzung des Bau-, Umwelt- und Energieausschusses ging es deswegen vor allem um eine Frage: Wo lässt es sich sparen? Vor der Sitzung lag die Unterdeckung bei 2,56 Millionen Euro.

Tatsächlich wurden die Ausschussmitglieder fündig. So wurden die Kosten für die Aus- und Fortbildung der freiwilligen Feuerwehr von 8000 auf 4000 Euro gedrückt. Der Posten, der für die Um- und Ausbaumaßnahmen von Kreisstraßen eingeplant war, wurde etwa von 1,18 Millionen auf eine Million Euro begrenzt. „Das, was bereits zugesagt ist, wird gemacht – den gesamten Betrag für 2012 deckeln wir aber auf eine Million“, sagte Landrat Martin Sailer. Auch bei den gesammelten Tiefbaumaßnahmen wurde der Etat von 1,138 Millionen auf eine Million Euro begrenzt.

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Die größte Ersparnis im Haushalt stellte aber ein Posten dar, der eigentlich gar keine Ersparnis war: Der mit 3,61 Millionen Euro angegebene Posten für den Unterhalt von Gebäuden wurde in den Verhandlungen auf 2,75 Millionen Euro gesenkt. Hauptgrund dafür sind die Sanierungsarbeiten an dem maroden Dach des Landratsamtes. Bei Stürmen hatten sich schon öfter Ziegel vom Dach gelöst.

Kosten für die Dachsanierung wandern in anderen Haushalt

Um das Problem zu lösen, wurden von dem beauftragten Architektenbüro drei Varianten vorgestellt. Während die günstigste Variante – die Dachziegel sollten verklammert und der Dachstuhl ertüchtigt werden – eine Investitionssumme von 690000 Euro bedeutet hätte, wäre ein rundum erneuerter Dachstuhl mit rund 1,5 Millionen Euro zu Buche geschlagen, plus 100000 Euro für ein Schutzdach.

Letztlich entschieden sich die Ausschussmitglieder für die zweite Variante, wonach der Dachstuhl statisch ertüchtigt und die Dacheindeckung erneuert werden soll. Auch die Brandwände, die Blitzschutzanlage und die Dachgaubenfenster werden bei dieser Variante erneuert. Kostenpunkt: 1,26 Millionen Euro. Weil das Gerüst dafür ohnehin bezahlt wird, sei es sinnvoll, eine Wärmedämmung einzufügen und den Fassadenanstrich zu erneuern, so dass die Gesamtkosten auf 1,665 Millionen Euro ansteigen. Baubeginn soll im Mai sein, die Fertigstellung ist für Ende August geplant.

Der rechnerische Clou: Weil das Dach nach Ansicht des Ausschusses nach diesen Maßnahmen eine wertbringende Investition darstellt, wurden die Kosten dafür aus dem Verwaltungs- in den Vermögenshaushalt überführt. Posten, die in diesem Teilbereich aufgeführt werden, müssen nicht über die Kreisumlage abgedeckt werden, sondern können über Kredite finanziert werden. Ursprünglich waren 250000 Euro für den Unterhalt des Daches geplant – dieser Posten wurde nun ersatzlos gestrichen.

Defizit verringert sich von 2,6 auf 1,3 Millionen Euro

Während das Dach nun über Kredite finanziert wird, wurde die Summe für die Gebäudeunterhaltskosten von 3,61 auf eben 2,75 Millionen Euro gesenkt. Ergebnis: Das Haushaltsminus wurde von 2,56 Millionen auf 1,27 Millionen Euro reduziert. Die Mitarbeiter und Besucher des Landratsamtes müssen aber auch eine Einsparung hinnehmen: Die mit 800000 Euro eingeplante Sanierung der Toiletten wurde um die Hälfte auf 400000 Euro begrenzt. Voraussichtlich wird nur der Teilbereich der Toiletten, der sich im Ostflügel befindet, saniert. Die andere Hälfte werde dann erledigt, wenn die Kapazitäten dafür bestehen sollten. Die Arbeiten waren wegen der desolaten Verfassung der Leitungen nötig geworden.

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