Es gibt Kinder, denen hat noch nie jemand vorgelesen, keiner hat ein Bilderbuch mit ihnen angeschaut. Es ist einfacher, eine CD einzulegen oder den Fernseher anzuschalten. Oft fehlen den Kindern dann in der Schule die Freude und der Anreiz zum Lesen. Sprachverständnis ist aber der Schlüssel zu allen weiteren Bereichen bis hin zu den Textaufgaben in der Mathematik. Deshalb sind an Augsburger Schulen und Kindergärten 200 Lesepaten im Einsatz. Eine davon ist Margit Bosch.
Die 60-Jährige ist dreifache Mutter und vierfache Oma und liebt den Umgang mit Kindern. Jeden Donnerstag geht sie daher in die zweite Klasse an der Grundschule Hammerschmiede und liest mit ein paar Kindern zusammen – manchmal etwas, das die Lehrerin vorgibt, manchmal, was sie selber aussucht. Bei den Kindern kommt das an. „Sie sind traurig, wenn die Stunde vorbei ist. Oft erzählen sie mir später, was sie selber daheim gelesen haben“, erzählt Margit Bosch.
Ganz einfach, kann man denken. Aber auch Vorlesen will gelernt sein. Lesepaten bekommen daher vom Freiwilligenzentrum eine einführende Schulung, auf regelmäßigen Treffen erhalten sie später Informationen über Themen wie Deutsch als Zweitsprache, Konfliktbewältigung und Zusammenarbeit mit Lehrern. So sollen sie Verständnis bekommen für die Probleme der Kinder, aber auch Anregungen, wie sie deren Freude am Lesen fördern können, durch Lesespiele zum Beispiel. Margit Bosch erklärt: „Ich versuche, den Kindern klarzumachen: Lesen erschließt Wissen, erschließt die Welt.“
Derartige Schulungen sind mittlerweile bei Ehrenamtlichen-Projekten üblich, zum Beispiel wenn es um Themen wie Demenz, Familie oder Schüler geht. Einerseits wird so Problemen vorgebeugt, andererseits gibt es auch immer weniger Menschen, die bereit sind, sich „ins Blaue hinein“ zu engagieren. Koordination und Betreuung werden immer wichtiger. Pro 70 Ehrenamtliche, hat eine bundesweite Erhebung ergeben, ist eine hauptamtliche Kraft nötig.
Hier setzt der Förderverein Freiwilligenzentrum an. Seit zehn Jahren sammelt er Geld für das FWZ, allein 2011 waren es 60000 Euro. Rund 20 Prozent des Etats dürften es sein, schätzt die Vorsitzende Jutta Koch-Schramm. Das Geld komme vor allem von Banken; in Zukunft will Koch-Schramm, die Frau des ehemaligen städtischen Bildungsreferenten, auch auf mittelständische Unternehmen setzen. Meist „verpartnert“ der 50 Mitglieder starke Förderverein einen Sponsor mit einem bestimmten Projekt, das zu ihm passt. Geld für die Lesepaten kommt unter anderem vom Lions Club (5000 Euro) und der Stadtsparkasse (10 000 Euro). Das städtische Bildungsreferat zahlt ebenfalls 6500 Euro.
Am 22. März feiert der Verein sein zehntes Jubiläum. Dabei wird Koch-Schramm sicher auch einen Blick in die Zukunft werfen. Es gibt weitere Projekte, die angestoßen werden sollen, weitere Sponsoren, die dafür gewonnen werden müssen. So mangle es im Ehrenamt an Männern. Dabei gibt es das Projekt „Praktiker“, bei dem (Hobby-) Handwerker zum Beispiel Senioren eine Gardinenstange anbringen. Auch Migranten möchte Schramm mehr einbinden. Das FWZ, in dem 2011 über 700 Menschen engagiert waren, finde für jeden die passende Aufgabe, versichert sie. Es bietet nämlich auch Engagementberatung. Die übernehmen natürlich Ehrenamtliche.