Dienstag, 16. Januar 2018

23. Dezember 2016 00:32 Uhr

Evakuierung

Auf diesem Areal liegen 1,5 Tonnen Sprengstoff

Der Notfallplan für den ersten Weihnachtsfeiertag nimmt Formen an. Für 3100 Menschen stehen Unterkünfte bereit, aus ganz Bayern werden Helfer erwartet. Was die Bombe betrifft, gibt es Neuigkeiten

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Unter diesem Zelt in der Nähe des Jakobertors liegt die Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg. Am Sonntag soll sie entschärft werden. Sie ist zwar leichter, als die Stadt zunächst mitgeteilt hatte, doch die Sprengkraft ist groß. An der Größe der Schutzzone, in der rund 54000 Menschen leben, ändert sich nichts.
Foto: Silvio Wyszengrad

Die Bombe, über die ganz Augsburg spricht, liegt jetzt geschützt unter einem weißen Zelt. Mit schwarzen Planen behängte Zäune sollen dafür sorgen, dass nicht zu viele Schaulustige zur Fundstelle nahe dem Jako-bertor pilgern. Polizisten und Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes bewachen den Sprengkörper aus dem Zweiten Weltkrieg rund um die Uhr. Am ersten Weihnachtsfeiertag soll die Bombe entschärft werden. Sie ist allerdings kleiner, als von der Stadt zunächst gemeldet: Ein Sprecher der Stadt bestätigte Informationen unserer Zeitung, wonach das Gesamtgewicht bei 1,8 Tonnen liegt – und nicht bei 3,8.

Auf die Größe der Schutzzone, die am Sonntag evakuiert werden soll, hat das aber keine Auswirkungen. Offenbar wurden die Daten im Krisenstab zunächst falsch kommuniziert. Der zuständige Sprengmeister hatte den Radius von 1,5 Kilometern aber bereits anhand der passenden Angaben berechnet. Bei der Bombe, die von einer Spezialfirma entschärft werden soll, handelt es sich um einen Sprengkörper, der von der britischen Luftwaffe abgeworfen wurde. Es ist eine sogenannte Luftmine. Sie hat eine dünne Außenhülle und ist mit bis zu 1,5 Tonnen Sprengstoff gefüllt. Ihre Druckwelle ist enorm. Sie kann auch in einem größeren Abstand noch Fensterscheiben zerstören und Dächer abdecken. Deshalb gibt es die umfassende Sperrzone, die nahezu die gesamte Innenstadt, das Textilviertel und Teile von Lechhausen umfasst. Nicht betroffen ist der Hauptbahnhof.

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Inzwischen schreiten die Planungen für die Evakuierung des Gebiets mit rund 54000 Menschen voran. Es ist die bislang größte Aktion dieser Art in der Nachkriegsgeschichte in Deutschland. Entsprechend groß ist auch die Zahl der Helfer, die am ersten Feiertag tätig sein werden. Darunter sind viele Ehrenamtliche, die auf das Familienfest an diesem Tag verzichten müssen. Der Augsburger Feuerwehrchef Frank Habermaier rechnet mit bis zu 2500 Einsatzkräften von Rettungsdiensten, Feuerwehren und Polizei. Alleine die Polizei wird mit rund 750 Beamten präsent sein, um die Schutzzone abzusichern. So sollen auch mögliche Diebstähle und Einbrüche verhindert werden, sagt Norbert Zink, Vizepräsident der Polizei. Zahlreiche Bürger haben deswegen bereits besorgt bei der Stadt und der Polizei nachgefragt. Die Rettungsdienste werden mit einem Großaufgebot vor Ort sein, um kranke und bettlägerige Menschen zu transportieren. Im Sperrbereich befinden sich zahlreiche Alten- und Pflegeheime. Alleine dafür werden wohl mehr als 100 Fahrzeuge eingesetzt. Sie kommen aus ganz Bayern.

Klar ist inzwischen auch: Die Behörden setzen darauf, dass der größte Teil der betroffenen Bewohner am Sonntag bei Verwandten oder Freunden unterkommt. Bereits jetzt wird begonnen, Notunterkünfte einzurichten – unter anderem in der Messe und in den geschlossenen Räumen der Fußballarena. Sie sind für rund 3100 Personen ausgelegt. Notfalls könnten auf dem Messegelände auch noch bis zu 15000 Menschen zusätzlich aufgenommen werden, sagt Feuerwehrchef Frank Habermaier. Bei den Planungen für die Notunterkünfte habe man sich an Erfahrungen anderer Städten orientiert. Man liege bei den Kapazitäten über dem, was bei anderen Evakuierungsaktionen benötigt wurde. Ordnungsreferent Dirk Wurm appelliert an die Augsburger, sich gegenseitig zu helfen und beizustehen. „Denken Sie an Nachbarn, besonders an ältere und alleinstehende Menschen“, sagt er. „Klingeln Sie, bieten Sie Ihre Hilfe an und – falls es möglich ist – einen Unterschlupf.“ Um möglichst alle Menschen zu erreichen, wird die Stadt an diesem Freitag auch Flugblätter an die betroffenen Haushalte verteilen. Auf den Zetteln wird zusätzlich auch in sieben Fremdsprachen über die Evakuierung informiert.

Stadt und Polizei machten auch am Donnerstag noch einmal deutlich, dass es sich bei der Evakuierung um keine Empfehlung handelt, sondern um eine Anordnung. „Das Gebiet ist zu verlassen“, sagt Polizeivizepräsident Norbert Zink. Die Polizei werde intensiv Streife fahren und jeden auffordern, den Bereich zu verlassen – notfalls auch mittels eines Platzverweises. Zink sagt, er baue auf die Vernunft der Menschen. Jede Diskussion darüber verzögere unnötig den Zeitablauf und damit auch den Beginn der Entschärfung. Ihm sei aber auch klar: „Wir können nicht bei 32000 Haushalten klingeln.“ Sobald die Evakuierung abgeschlossen ist, werden auch die Polizisten den Sperrbereich verlassen und ihn von außen absperren. Bereits ab acht Uhr sollen keine Fahrzeuge mehr in die Zone gelassen werden, ab zehn Uhr sollen alle Menschen sie verlassen haben.

Nach wie vor rechnen die Behörden mit einem Ende der Evakuierung im Lauf des Sonntagnachmittags. Sie planen aber sicherheitshalber auch für einen Einsatz bis in die Nachtstunden hinein. Die Bürger sollen nach dem Ende auf möglichst vielen Kanälen informiert werden, dass sie wieder in ihre Wohnungen können – unter anderem über Radio, Fernsehen, Internet, Lautsprecherdurchsagen und die sozialen Netzwerke. »Kommentar

Seite 35 Um welche Bombe geht es? Wie werden bettlägerige Menschen am Sonntag versorgt? Was sagen Anwohner, Hoteliers und Gastronomen?

Seite 34 Fragen und Antworten zur Evakuierungsaktion – und wie die Kirchen für die Situation am ersten Feiertag planen.

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Ein Artikel von
Jörg Heinzle

Augsburger Allgemeine
Ressort: Lokalnachrichten Augsburg


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