Es ist kurz nach Mitternacht, als die Nachbarn hören, dass etwas Schlimmes passiert sein muss. Christine S. (39), so schildert es eine Nachbarin, stürzt aus der Wohnung und schreit ihr Entsetzen laut hinaus. Vielleicht kann sie es selbst noch nicht fassen, was sie gerade getan hat.
Den Ermittlern der Kriminalpolizei gesteht sie später, dass sie im Streit mit einem Messer auf ihren Ehemann (44) eingestochen hat. Die Frau verständigt noch die Retter. Doch die Helfer des Roten Kreuzes können nichts mehr für den Mann tun, als sie in dem Mehrfamilienhaus im Herrenbachviertel eintreffen.
Genau 15 Zeilen benötigt die Polizei, um in ihrer offiziellen Pressemitteilung das Ehedrama zu schildern, das sich in der Nacht zum Dienstag ereignet hat. Doch hinter der trockenen Nachricht von der Bluttat steckt eine Geschichte voller Tragik.
Es ist die Geschichte einer Beziehung, die wohl von Anfang an auf ein Unglück zusteuerte. "Wir haben immer gesagt, dass einer von beiden irgendwann im Krankenhaus landet", erzählt eine Nachbarin, die mit dem Ehepaar, wie sie selbst sagt, befreundet war. "Aber es hat doch niemand geahnt, dass gleich so was passieren wird."
Das Ehepaar hatte offenbar erst vor rund einem Jahr geheiratet, seither wohnten die beiden in dem Haus. Das Gebäude ist in die Jahre gekommen. Die Wände sind grau. Über die Stufen im Treppenhaus sind schon viele Mieter gegangen. Im Hof flattert Wäsche an einer Leine. Nur das Siegel der Kripo an der Wohnungstür im ersten Stockwerk verrät, wo sich das Ehedrama abgespielt hat.
Streit und Ärger habe es oft hinter dieser Türe gegeben, erzählen die Nachbarn. "Das war an der Tagesordnung", sagt einer, der zwei Etagen drüber lebt. Die Freundin des Ehepaars sagt, es sei der Alkohol gewesen, der die junge Ehe so schnell zerstört hat. Wenn Christine S. nüchtern war, erzählt sie, dann sei sie ein toller Mensch gewesen. "Man konnte mit ihr richtig gute Gespräche führen."
Die Freundin erzählt von gemeinsamen Grillabenden im Hof des Hauses, man habe zusammen gelacht, sei glücklich gewesen. Doch wenn sie Alkohol trank, habe sich Christine S. verändert. "Sie war dann sehr aggressiv, hat ihren Mann mit üblen Ausdrücken angeschrien."
Häufig hörten die anderen Bewohner, dass in der Wohnung gestritten wurde. Das war auch am Montagabend so. Im Haus erzählt man sich, dass die 39-Jährige ihren Mann immer wieder geschlagen habe. Mehrmals sei er mit blauem Auge gesehen worden. Friedlich war es angeblich nur, wenn der Sohn des Getöteten zu Besuch war. Der 44-Jährige hat aus erster Ehe ein Kind im Grundschulalter, das bei der Mutter lebt.
Die Staatsanwaltschaft wertet die Tat unterdessen als Mord. Eine Obduktion der Leiche habe bestätigt, heißt es, dass der Messerstich in die Brust des Mannes die Todesursache war. Heute soll die 39-Jährige dem Haftrichter vorgeführt werden.
Die Ermittler gehen davon aus, dass sowohl die Tatverdächtige als auch das Opfer zum Tatzeitpunkt betrunken waren. Eine Nachbarin erzählt, dass die Frau früher schon einmal einen Lebenspartner mit einem Messer angegriffen haben soll. Damals ging die Sache noch glimpflich aus. (Jörg Heinzle)