Donnerstag, 21. September 2017

04. Mai 2017 20:20 Uhr

Augsburg

Augsburger Stolpersteine rühren Angehörige zu Tränen

In Augsburg wurden die ersten Stolpersteine an öffentlichen Straßen und Plätzen verlegt. Am Martin-Luther-Platz gab es einen kleinen Zwischenfall. Von Ina Kresse und Eva Maria Knab

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In Augsburg hat der Kölner Künstler und Stolperstein-Erfinder Gunter Demnig insgesamt zwölf Stolpersteine in Erinnerung an NS-Opfer verlegt.

Für die Angehörigen war es, als ob ihre Familien nach Hause zurückkehren dürfen. „Sie bekommen wieder ihren Platz in der Stadt“, sagte Josef Pröll, dessen Großvater Karl Nolan Opfer des Nazi-Regimes war. Am Donnerstag wurden in Augsburg die ersten zwölf Stolpersteine auf öffentlichem Grund verlegt und Erinnerungsbänder angebracht. Dabei gab es auch einen Zwischenfall.

Als der Kölner Künstler Gunter Demnig in der Maximilianstraße 17 vor der Burger King-Filiale die ersten Stolpersteine anbrachte, war er von etlichen Menschen umringt. In dem Haus betrieben einst Eugen und Emma Oberdorfer eine Schirmfabrik. Schülerinnen des Maria-Theresia-Gymnasiums lasen über Mikrophon die Biographien der Opfer vor. Demnach wurde das Geschäft von den Nationalsozialisten enteignet. Das jüdische Ehepaar Oberdorfer wurde nach Auschwitz deportiert und ermordet. Enkelin Miriam Friedmann brachte zwei kleine Blumensträuße mit in die Maxstraße. „Ich bin sehr froh, dass endlich meinen Großeltern gedacht wird. Mit den Stolpersteinen bekommen sie ein Gesicht.“ Angehörige weiterer NS-Opfer empfanden ähnlich. Sie alle zeigten sich sehr bewegt. Für sie war nach der jahrelangen Debatte das Verlegen der Stolpersteine etwas ganz Besonderes. Für zehn weitere Augsburger Opfer des Nazi-Regimes wurden die mit Messing beschichteten Steine an den Orten eingelassen, wo ihr letztes Zuhause beziehungsweise ihr Geschäft war.

Staub bei der Stolperstein-Verlegung löst Feueralarm aus

Wie etwa auch am Martin-Luther-Platz 5 in der Fußgängerzone. Wo jetzt die Kreissparkasse ihre Filiale hat, besaß die Familie Friedmann eine Wäschefabrik. Vor der Bank brauchten Künstler Demnig und ein Mitarbeiter des Tiefbauamtes viel Zeit, um das Pflaster aufzubrechen. Dabei entstand so viel Staub, dass dieser in der Bankfiliale einen Feueralarm auslöste. Die Berufsfeuerwehr rückte an, aber auch schnell wieder ab.

Schüler, Angehörige, interessierte Augsburger und Mitglieder der Stolperstein-Initiative zogen von Ort zu Ort in der Stadt mit. Auffallend war, dass Vertreter der Stadt fehlten. „Das spricht für sich“, fand Thomas Hacker von der Stolperstein-Initiative. Von Seiten der Stadt hieß es, dass die jeweiligen Initiativen, Opfer und Angehörigen im Vordergrund stehen sollten. Man wolle nicht, „dass durch die Anwesenheit offizieller Repräsentanten unterschiedliche Wertigkeiten in die beiden Erinnerungsformate interpretiert werden könnten“. Bürgermeister Stefan Kiefer sei beim Auftakt am Abend zuvor dabei gewesen. Neben den Stolpersteinen wurden als zweite Form des Gedenkens auch Erinnerungsbänder montiert.

 

Acht von 20 beantragten Stolpersteinen waren von der Stadt im Vorfeld nicht genehmigt worden, weil diese Opfer das Jahr 1945 überlebt hatten. Künstler Demnig zeigte sich unbeeindruckt. Dort, wo Stolpersteine abgelehnt waren, brachte er trotzdem sogenannte Platzhalter an. Steine also, die allerdings noch keine Messingbeschichtung mit Inschrift haben. „Es ist seit 25 Jahren mein Konzept, dass Opfer-Familien zusammengeführt werden. Und dann schmeißt es die Stadt Augsburg einfach um, ohne auch nur einmal zu fragen.“ Demnig hat schon tausende Stolpersteine in Europa verlegt. Aber so etwas Selbstherrliches habe er, wie er sagt, noch nicht erlebt.

Platzhaltersteine gab es etwa im Fall der Familie Lossa, die einst in der Wertachstraße 1 wohnte. Heute steht hier das Modehaus Jung. Für Vater Christian und Sohn Ernst Lossa, die den Gräueltaten der Nazis zum Opfer fielen, wurden die zwei genehmigten Stolpersteine eingelassen. Doch hinzu kamen vier Platzhalter-Steine. Drei davon für weitere tote Angehörige. Einer aber ist für die inzwischen 86-jährige Amalie Speidel gedacht. Die Schwester Ernst Lossas, die im Rollstuhl sitzt, war extra aus Baden-Württemberg angereist. Unter Tränen hielt die alte Dame eine kurze Rede über ihren Vater und ihren Bruder. Dabei äußerte sie die Bitte: „Ich wünsche mir auch einen Stolperstein.“

Es gibt Streit wegen nicht genehmigter Stolpersteine. Mehr dazu lesen Sie hier: Stolpersteine: Kulturreferent gerät immer stärker in die Kritik

Die Schicksale der Opfer, für die Stolpersteine verlegt wurden: Welches Unrecht die Opfer erleiden mussten

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