Wenige Wochen vor der Ausstrahlung eines ZDF-Films mit Heike Makatsch ist ein Streit darum entbrannt. Im Zentrum steht die Augsburger Uni-Historikerin Marita Krauss mit einem Vorwurf an die Drehbuch-Autoren.

Ein Teil der Filmarbeiten lief 2008 im Augsburger Textilviertel. Im März kommt der Zweiteiler "Dr. Hope - Eine Frau gibt nicht auf" mit Heike Makatsch in der Hauptrolle im Fernsehen. Wenige Wochen vor der Ausstrahlung ist nun aber ein Streit um Urheberrechte entbrannt.
Die Augsburger Uni-Historikerin Marita Krauss wirft den Drehbuchautoren Torsten Dewi und Katrin Tempel Ideenklau aus ihrer Forschung vor.
In dem Historienfilm spielt Heike Makatsch die Ärztin Hope Bridges Adams Lehmann (1855 bis 1916). Sie war eine Pionierin der Frauenemanzipation und die erste Frau, die in Deutschland ein medizinisches Staatsexamen ablegte. Der Zweiteiler soll zunächst am 19. März auf Arte ausgestrahlt werden, am 22. und 24. März dann im ZDF.
Geschichtswissenschaftlerin Marita Krauss, die an der Uni Augsburg den Lehrstuhl für Bayerische und Schwäbische Landesgeschichte hat, forschte intensiv über die historische Frauenfigur. Rund 15 Jahre recherchierte sie international über Adams Lehmann und deren Umfeld. Eine fast kriminalistische Kleinarbeit, denn der Nachlass der Ärztin war im Krieg verloren gegangen. Ihre Ergebnisse hat die Professorin 2002 in der Biografie über "Die Frau der Zukunft" veröffentlicht.
Nun aber sieht sie ihr Werk geplündert. Krauss wirft dem Drehbuch-Duo Dewi und Tempel vor, sie hätten für den Fernsehfilm zahlreiche Forschungsergebnisse ungeprüft abgeschrieben und Schlussfolgerungen übernommen. Deshalb fordert sie eine Abfindung, außerdem will sie im Abspann des Films und im dazu erschienenen Roman genannt werden.
Autor weist die Vorwürfe zurück
Autor Torsten Dewi wies den Vorwurf eines Plagiats gestern zurück. "Wir haben nicht abgeschrieben." Der gebürtige Düsseldorfer, der sich unter anderem als Spezialist für Science-Fiction und Fantasy einen Namen machte, spricht von eigenen vierjährigen Recherchen zum neuen Historienfilm. Die Biografie von Krauss sei nur eine Quelle gewesen. Generell verweist Dewi darauf, dass Personen und Fakten der Geschichte urheberrechtlich "nicht schützbar" seien. Bestätigt sieht sich der Autor durch das "Tannöd"-Urteil, wonach auch der gleichnamige Bestseller-Krimi von Andrea Maria Schenkel kein Plagiat war. Dewi geht nun zum Gegenangriff über. Er erwägt, wegen Rufschädigung rechtlich gegen Krauss vorzugehen.
Der Streit um die Urheberrechte ist inzwischen beim ZDF gelandet. Dort hieß es auf Anfrage: Bei der Erstellung des Drehbuchs seien keine Rechte der Sachbuchautorin Krauss verletzt worden. Zum einen geht es bei dem Fall ums Geld. Eine Zusammenarbeit des Filmteams mit der Historikerin scheiterte. Man habe sie als Beraterin und Historikerin einbinden wollen, sagt Dewi, sei sich aber übers Geld nicht einig geworden. "Ich sollte für eine vierstellige Summe alle meine Rechte abtreten", kritisiert Krauss.
Bei dem Fall geht es aber auch um den Umgang mit geistigem Eigentum. "Ich freue mich, dass der Film kommt und dass Dr. Hope bekannter wird", sagt Krauss, "ich möchte aber auch nicht, dass meine Forschungsleistung unterschlagen wird." Eva Maria Knab
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