Erst der Mief, jetzt die Kälte: Wieder gibt es Ärger im Lechhauser Wohnkarree von Immobilien Özdemir – kurz Immo-Oez. Dort müssen die Bewohner seit Ende März mit Socken zu Bett gehen und sich unter kaltem Wasser die Haare waschen. Denn der Energieversorger hat seine Wärme- und Warmwasserversorgung eingestellt.
Kein Jahr ist es her, dass sich die Mieter in der ehemaligen Lechhauser MAN-Anlage über einen wachsenden Müllberg im Innenhof beklagten. Jetzt hat die Firma MVV Energie die Wärme- und Warmwasserzufuhr im gleichen Gebäude eingestellt. Der Grund ist, dass der Eigentümer des Anwesens offene Forderungen in Höhe von 83.595,22 Euro trotz mehrmaliger Aufforderung nicht beglichen hat. Dabei haben etwa die Kellers aus der Reichenbachstraße ihre vertraglichen Nebenkosten brav an den Vermieter Özdemir überwiesen.
Wasser wird im Trog erhitzt
Nach langem hin und her ist der stinkende Gerümpelhaufen zwischen Leipziger Straße und Reichenbachstraße, Krumpenstraße und Dr.-Otto-Meyer-Straße unter den Schlaf- und Wohnzimmerfenstern der Kellers zwar verschwunden, seit 29. März sind sie nun aber ohne Heizung und ohne Warmwasser. Um sich waschen zu können, muss erst in einem Trog Wasser erhitzt werden. In die Badewanne geschüttet, sitze man trotzdem nur in einer „Pfütze“, sagt Erhard Keller. Dieser Zustand sei sehr unangenehm, zumal die Warmwasseraufbereitung nun über den Stromzähler laufe und sehr lange dauere. Und in der Anlage gibt es nach Auskunft von Marianna Keller auch Familien mit kleinen Kindern.
Die horrenden Außenstände der Immobilienfirma Özdemir bestätigt ein Sprecher der MVV Energiedienstleistungen Regional GmbH. Trotz mehrfacher Zahlungsaufforderung an den Eigentümer, so heißt es auch in einem Schreiben an die Mieter, seien diese seit September vergangenen Jahres nicht beglichen worden. In dem Brief wird um Verständnis darum geworben, dass bis zur Zahlung der offenen Forderungen die Wärme- und Warmwasserversorgung eingestellt bleibt. Denn weder Ratenzahlungsvereinbarungen noch persönliche Gespräche hätten zum Erfolg geführt. Von der Firma Immo-Oez war bislang niemand für eine Auskunft zu erreichen. Auch die Mieter laufen mit ihren Anfragen dort ins Leere.
"Eigentlich hatten wir ein schönes Leben"
„Eigentlich hatten wir ein schönes Leben, solang die Anlage im Besitz der MAN war“, sagen die Kellers, die seit 1974 und 1983 in der Reichenbachstraße wohnen. Seit sie im vergangenen Jahr eine neue Heizung bekamen, wurden auch die Installationsspuren an der Decke noch nicht vom Vermieter beseitigt. Es gebe weder an den Heizkörpern noch für die Wasserversorgung Messgeräte, um den tatsächlichen Verbrauch zu kontrollieren und gegebenenfalls selbst mit dem Versorger abzurechnen. Auf die gegenwärtigen Zustände reagierten die Kellers jetzt erst einmal mit Mietminderung.
Vorübergehend ist Abhilfe in Sicht. Weil die Mieter nichts für die vertrakte Situation können, will das Mannheimer Unternehmen MVV zunächst bis Mitte kommender Woche wieder Energie liefern. Damit versorgt der Dienstleister nach Auskunft seines Sprechers die 56 Wohneinheiten wieder mit Fernwärme aus dem eigenen Blockheizkraftwerk. Wie es danach weitergeht, müssten die Gespäche mit der Firma Immo-Oez zeigen.