Eine Augsburgerin ist auf einen Trick hereingefallen und hat 30.000 Euro verloren. Ein Prozess offenbart, wie Betrüger mithilfe des Internets und Taschenspielertricks fette Beute machen. Von Klaus Utzni

Diese Geschichte klingt so fantastisch und abenteuerlich, dass man sie kaum glauben kann: Eine 56-jährige Augsburgerin ist auf den Trick vom "schwarzen Geld" hereingefallen und hat 30.000 Euro verloren. Ein Prozess vor Amtsrichterin Cornelia Böttcher offenbart, wie gerissene Betrüger mithilfe des Internets und Taschenspielertricks fette Beute machen.
Das Opfer der sogenannten "Wash-Wash-Methode" hatte im Sommer 2009 ein Appartement auf der Ferieninsel Teneriffa auf einer spanischen Internet-Seite zum Verkauf angeboten. Per E-Mail meldete sich als Interessent alsbald ein angeblicher "John West", seines Zeichens Soldat bei den UN-Truppen im Irak. >
Er bot 75.000 Euro. Er könne das Geld allerdings nicht selbst überbringen. Es werde aber, so versicherte er, "mit einer Sondermaschine des Roten Kreuzes nach Berlin geflogen". Nebenbei erklärte "John West", das Geld sei durch "unglückliche Umstände" im Irak stark verschmutzt worden.
Die Augsburgerin, froh, ihr Appartement rasch verkaufen zu können, willigte ein. Und tatsächlich: Am 14. August kam die Nachricht, die Maschine mit dem Geld sei in Berlin gelandet. Ein Mittelsmann namens "Mike" werde die 75.000 Euro in einem Hotel in Berlin-Tegel, Zimmer 340, übergeben.
Dort wurde die 56-Jährige dann tatsächlich von einem Schwarzafrikaner erwartet, der ihr einen Tresor in einem Koffer überreichte. Das verschmutzte Geld sei allerdings sehr lichtempfindlich, es könne an der Luft "kaputtgehen", warnte "Mike".
Zu Hause vergrub die Frau vor lauter Sorge den Tresor zunächst auf einem Campingplatz am Autobahnsee. Zwei Wochen später buddelte sie den kleinen Panzerschrank wieder aus und öffnete ihn. Es kamen Bündel schwarzer Papiere in Banknotengröße zum Vorschein.
Kurz darauf meldete sich ein weiterer Mittelsmann und machte der Frau weis, jetzt könne man das schwarze Geld waschen. Eine Spezialtinktur, die nur in Brüssel erhältlich sei, koste allerdings 30.000 Euro. Auf dem Brüsseler Hauptbahnhof übergab die Frau die Summe und erhielt im Gegenzug von einem Afrikaner eine Flasche des "Wundermittels". Der Mittelsmann verschwand eiligst. Erst als die 56-Jährige in der Zeitung von ähnlichen Betrügereien der sogenannten "Nigeria-Connection" las, ging sie zur Polizei.
Über den Mieter des Zimmers 340 des Berliner Hotels konnte die Kripo einen 26-jährigen Kameruner (Verteidiger: Dr. Bernd Scharinger) ermitteln, der kurz davor schon wegen eines Entführungsfalles in Berlin polizeilich überprüft worden war. Der Mann, ein Profi-Footballspieler des Erstligisten "Adler Berlin", wurde schließlich in der Schweiz verhaftet.
Jetzt im Prozess gab er sich als Unschuldslamm. Er sei nur "Überbringer" des Tresors gewesen und habe für seine Dienste von einem Landsmann 600 Euro erhalten. Die "Wundertinktur", die von der Kripo analysiert wurde, entpuppte sich als italienischer Rotwein, wie eine Kripobeamtin aussagte, die "Banknoten" waren wertloses Papier.
Für das Gericht war der Angeklagte letztlich nicht nur Handlanger, sondern Mittäter einer Betrügerbande. Auf Antrag von Staatsanwältin Beate Schauer wurde er deshalb zu einer Bewährungsstrafe von 14 Monaten verurteilt. Von Klaus Utzni
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