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11. Januar 2011 05:29 Uhr

Ausgeklügelter Wahnwitz

Privat kämpft der Kabarettist Alf Poier gegen Langeweile. Hingegen bedeutet das Bühnendasein für den selbsternannten Kasperl laut eigener Aussage Stress pur. Darüber wundern muss sich der Zuschauer im Parktheater in Göggingen nicht im Geringsten: Poiert dosiert seine Pointen nicht, er treibt seinem Publikum Lachtränen in die Augen, in dem er sein Pulver pausenlos verschießt. Von Vanessa Duldner

In Poiers portablem Museum, mit dem er sein Programm mit dem fremdländisch klingenden Namen "Satsang" (die indische Bezeichnung für die Sitzung bei einem Erleuchteten) aufpeppt, gibt es eine Menge zu entdecken: Zum Beispiel gekreuzigte Essiggurken oder am Gürtel befestigte Tierfiguren, die er als Gürteltiere deklariert. Weitere Poier'sche Erfindungen wie ein Reißverschluss an einer Packung Reis oder ein Fakirbrett für Anfänger, das lediglich einen Nagel aufweist, spiegeln sein Faible für Doppelsinniges und Kurioses wider.

Ein Schmunzeln entlockt der "Botschafter für Bewusstsein, Scheißdreck und Kunst", wie er sich darstellt, als er seinem Schal hinterher jagt, um die Schal(l)geschwindigkeit zu messen. Seine Vorliebe für Wortspiele zeigt Poier ebenfalls in der Rolle als düsterer Putzteufel, der durch Reibung und Hitze des Besens ein "Fegefeuer" produziert oder in seinen vor Sarkasmus nur so strotzenden Liedern, die er selbst mit Gitarre, Schlagzeug, Melodica und Blasebalg begleitet.

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Er treibt die politische Inkorrektheit auf die Spitze

Zu genau nimmt der hyperaktive Witzbold es aber keineswegs, wie seine auf die Spitze getriebene politische Inkorrektheit trefflich demonstriert: Seine deutschen Fans scheinen ihm nicht übel zu nehmen, dass er Adolf Hitler als Deutschen bezeichnet. Darüber hinaus behauptet er, das Abweisen des Diktators an der Kunstakademie in Wien stelle einen Freifahrtschein für spätere Bewerber dar. "Jetzt nehmen sie jeden Deppen."

Amüsant verpackt kritisiert er Markenfetischismus, Konsumdenken und Online-Banking, das den Menschen zum Osterhasen degradiert, der sogar seine Rechnungen selbst suchen muss. Derb, makaber und beinahe hysterisch zeigt sich der kreative Kopf, der in seinem Hof im niederösterreichischen Eggendorf im Tullnerfeld nicht nur seine selbst gebauten Objekte aufbewahrt, sondern sich, will man seinen Dias glauben, sogar einen Altar zum Selbstanbeten geschaffen hat.

Davon abgesehen freut er sich frei nach der These seiner Mutter "Je älter, desto blöder" aufs Altwerden, was eine Steigerung an Skurrilität künftiger Programme à la Poier verspricht. Obwohl der Kabarettist zum Finale ein Schild mit der Aufschrift "Klatschen macht impotent" in die Höhe hält, zollte das Publikum ihm den verdienten Applaus.

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