Donnerstag, 22. Februar 2018

16. Januar 2017 00:35 Uhr

Tierwelt

Ausgestorbene Schrecke ist wieder da

Die Blauflügelige Sandschrecke verschwand vor mehr als 50 Jahren aus Augsburg. Ein neuer Fund macht Artenschützer froh, aber auch traurig Von Eva Maria Knab

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Die Blauflügelige Sandschrecke galt in Augsburg als ausgestorben, wurde 2016 wieder gefunden.
Foto: Eberhard Pfeuffer

Lange hat es keiner gemerkt: Die Blauflügelige Sandschrecke ist wieder in Augsburg eingewandert. Die Art war vor mehr als 50 Jahren aus der Stadt verschwunden. Sie galt in der Region als ausgestorben. Im vergangenen Jahr wurden sie von einem Biologen auf einem ungewöhnlichen Terrain wieder entdeckt. Wie die Hüpfer dorthin kamen und welche Folgen das hat, haben Ralf Schreiber und Eberhard Pfeuffer vom Naturwissenschaftlichen Verein für Schwaben ausgewertet. Der neueste Bericht ist zum Jahreswechsel erschienen.

„Für uns war es eine riesengroße Überraschung“, sagt Naturforscher Pfeuffer. Als er vor einigen Monaten von dem Fund in Augsburg hörte, konnte er es zuerst kaum glauben. Die Blauflügelige Sandschrecke ist inzwischen ein sehr seltenes Tier. In Bayern gilt die Art als stark gefährdet, in Schwaben galt sie seit mindestens 50 Jahren als ausgestorben. Das hat einen Grund: Die unscheinbare Schrecke braucht extreme Lebensräume – beispielsweise Kiesbänke, auf denen so gut wie keine Pflanzen wachsen. Dort ist es relativ warm und trocken. Dort findet sie auch genügend feines Material, um ihre Eier hinein zu legen.

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In Schwaben war der wilde Lech das letzte große Refugium für diese Tierart. Als der Fluss begradigt und kanalisiert wurde, gingen die meisten Kiesbänke verloren. Das Ende der Heuschrecke, die als sogenannte Zeigerart für einen intakten Naturraum gilt, war absehbar.

Im vergangenen Sommer machte ein Biologe, der eigentlich auf der Suche nach heimischen Reptilien war, dann die überraschende Entdeckung: Er stieß auf dem Areal der früheren Sheridan-Kaserne zufällig auf ein Weibchen und ein Männchen der Blauflügeligen Sandschrecke. Wer sich auskennt, dem fällt der Heuhüpfer sofort ins Auge: „Auf dem Boden ist er perfekt getarnt“, sagt Pfeuffer, „aber wenn er auffliegt, sind seine wunderschönen blauen Flügel nicht zu übersehen.“ Bei einer Begehung des Geländes stießen die Naturforscher auf weitere Exemplare der seltenen Heuschrecke. Recherchen ergaben noch andere Funde im Stadtgebiet aus den Jahren 2001, 2014 und 2015. Sie waren bislang nicht in der Artenschutzkartierung enthalten.

Die Fachleute sind sich inzwischen sicher, dass die Blauflügelige Sandschrecke nach dem Verlust ihrer Lebensräume am Lech besonders gerne offene Bahnareale neu besiedelt. „Nach Augsburg dürfte sie wohl mit dem Zug gekommen sein“, vermutet Pfeuffer. Denn an Bahnanlagen in München, aber auch am Bahnhof in Ingolstadt und am Ulmer Güterbahnhof gibt es schon länger weitere Vorkommen. Erstaunlich ist für den Fachmann, welche große Distanz die kleinen Heuschrecken zwischen den Augsburger Bahnanlagen und dem Sheridan-Park überwunden haben. Die Entfernung beträgt zwischen zwei und drei Kilometern.

Auf dem Sheridan-Gelände wird die Blauflügelige Sandschrecke aber schon bald wieder verschwinden. Das Grundstück, wo die Tiere gefunden wurden, soll überbaut werden. Die Untere Naturschutzbehörde plant deshalb eine Notmaßnahme, um wenigstens einen Teil der Eier der seltenen Heuhüpfer zu retten. Geplant ist, eine dünne Bodenschicht aus dem Fundort zu entnehmen und sie an einer anderen geeigneten Stelle im Stadtgebiet auszubringen. „Das wird ein interessantes Experiment“, sagt Pfeuffer.

Doch auch wenn sich die Naturforscher sehr darüber freuen, dass die seltene Art in Augsburg wieder vereinzelt vorkommt, eines stimmt sie traurig: Die Blauflügelige Sandschrecke findet heute nur noch Ersatzlebensräume, denn die ursprünglichen Landschaften am Lech, in denen sie beheimatet war, gibt es nicht mehr. „Ökologisch kann man keine Entwarnung geben“, sagt Pfeuffer.

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Eva-Maria Knab

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Ressort: Lokalnachrichten Augsburg


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