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Serie Teil 7: Bau und Verkehr: Stein auf Stein

Serie Teil 7

Bau und Verkehr: Stein auf Stein

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    Für den Umbau des Königsplatzes wurden vor einigen Wochen in der Innenstadt 70 Bäume gefällt. Noch stehen einige Baumgerippe, in denen Fledermäuse ihren Winterschlaf halten. Der große Kahlschlag blieb aber aus.
    Für den Umbau des Königsplatzes wurden vor einigen Wochen in der Innenstadt 70 Bäume gefällt. Noch stehen einige Baumgerippe, in denen Fledermäuse ihren Winterschlaf halten. Der große Kahlschlag blieb aber aus. Foto: Archiv-Foto: Silvio Wyszengrad

    „Da bist ja froh, wenn’sd wieder draußen bist aus der Stadt“, klagte eine alte Frau im Baustellengetümmel. „Das ist ja furchtbar – bis man sich da wieder auskennt...“, seufzte ein Ehepaar. Gefallen sind diese Sätze vor 33 Jahren. Das war, als der damalige Umbau des Königsplatzes in den Endzügen lag. Die Sätze aus unserem Zeitungsarchiv könnten so ähnlich wiederkommen beim erneuten Umbau des Königsplatzes, den die Stadt heuer in Angriff genommen hat. Die Mobilitätsdrehscheibe ist die größte Baustelle in dieser Regierungsperiode. Und als wäre der Kö-Umbau nicht schwierig genug, muss Baureferent Gerd Merkle (CSU) noch mit weiteren Baustellen in der Innenstadt jonglieren, weil es den Wählern so versprochen wurde.

    Nach dem Programm, das die Stadt sich selber auferlegt hat, wird in den kommenden Jahren an vielen Stellen der City gebaut (Grafik). Es soll nicht alles auf einmal angegangen werden. Das würde Chaos geben. Geld wäre dafür sowieso nicht da. Aber bis zur Wahl 2014 will die Stadtregierung etwas Vorzeigbares zustande gebracht haben. Das ist ein Vorteil von Bauprojekten: Sie sind etwas zum Anfassen. Das ist gleichzeitig ihr Nachteil: Zu diesem Thema kann jeder etwas sagen, und darum wird so viel gestritten.

    In den vergangenen drei Jahren hat sich die Stadtregierung vor allem mit den Planungen und der politischen Durchsetzung dieser Projekte befasst. Um eine Bilanz zu ziehen, muss man aber mehr als drei Jahre zurückschauen, nämlich noch in die Zeit der Regenbogen-Regierung. Die Geschichte wurde schon häufig geschrieben, aber sie ist in einer Bilanz zu zentral, um sie wegzulassen.

    Bauprojekte kann man herzeigen

    Schon die alte Regierung wollte den Kö umbauen, und als Reaktion auf die Pläne gab es massive Proteste. Das lag zum einen daran, dass Stadtwerke und Stadt das Projekt nicht besonders gut verkauften. Als die Pläne vorlagen, war die Überraschung groß. Und es lag zum anderen daran, dass es tatsächlich Kritikpunkte an der Planung gab. Die gibt es freilich bei jeder Planung zu einem Großprojekt, und davor sind auch die jetzigen Pläne nicht gefeit.

    Und es gab einen weiteren Grund: Es drängt sich die Vermutung auf, dass die CSU, damals in der Opposition, ein Thema sah, um sich zu profilieren. Sie unterstützte einen Bürgerentscheid für einen anderen Kö-Umbau, und als sie dann kurz darauf an die Macht kam, setzte sie die Umplanungen aufs Gleis.

    Man kann tatsächlich sagen: Die jetzigen Umplanungen sind im Gesamtpaket ein größerer Wurf, weil sie die Innenstadt insgesamt umgestalten und den Kö voraussichtlich autofrei machen. Andernfalls hätte die CSU auch ein Problem gehabt, ihre Unterstützung für den Bürgerentscheid zu rechtfertigen. Aber das neue Projekt ist teurer und schwieriger umzusetzen. Ein weiterer Bürgerentscheid, der einen Tunnel forderte (den hatte auch Gribl im Wahlkampf gefordert, später lehnte er ihn ab), hatte keinen Erfolg. Bei Verzögerungen durch eine Umplanung hätte der Verlust von Zuschussmitteln gedroht.

    Das ist Politik. Jetzt geht es an die Umsetzung des Beschlossenen. Es wird in den kommenden zwei Jahren Behinderungen geben. Bauverwaltung und Stadtwerke, die sich zuweilen nicht immer grün sind, müssen eng zusammenarbeiten. Es darf keine Fehler geben. Baustellen, die aus dem Ruder laufen, können Wahlen entscheiden.

    Merkle hat viel angepackt, und die Augsburger wussten im vergangenen Jahr nicht, ob sie deswegen klagen oder sich freuen sollen. Es gab viele Baustellen und Staus. Doch der Stadt blieb ja nicht viel anderes übrig. Die Kanalsanierungen müssen gemacht werden, ebenso der Unterhalt an Hauptverkehrsstraßen. Die Alternative wäre baulicher Verfall gewesen. Und es gab neue Projekte: Auf der jetzt kreuzungsfreien B17 läuft der Verkehr reibungsloser als vorher. Zudem langte die Stadt beim Konjunkturpaket zu. Es gab hohe Zuschüsse. Momentan wird lärmschluckender Asphalt in der Friedberger, der Landsberger und der Bismarckstraße eingebaut. Betont wird die Lärmminderung, doch die Stadt konnte für den Umbau der ohnehin teils sanierungsbedürftigen Straßen Zuschüsse einstreichen. Wie haltbar der neue Asphalt ist, ist noch nicht raus, weil es keine Langzeiterfahrungen gibt.

    Doch die Herausforderungen liegen in der Zukunft. Der Bahnhofsumbau mit einer unterirdischen Haltestelle für Trams ist anspruchsvoll. Heuer soll die Fußgängerzone angepackt werden, in der Bürgermeister-Fischer-Straße muss nach den Leitungsarbeiten im vergangenen Jahr noch Pflaster nachverlegt werden, und auch in der Maximilianstraße soll etwas passieren.

    Bei diesem Ewigkeitsprojekt, das jetzt in die Gänge kommt, war auch vor einigen Wochen unklar, wie viel in diesem Jahr gemacht werden kann. Auch hier steht die Stadt politisch unter Druck, nachdem es ein (rechtlich für ungültig erklärtes) Bürgerbegehren gab. Doch der Druck aus der Bürgerschaft ist da.

    Bei genauerem Hinschauen entdeckt man noch einen zweiten Grund: So, wie die Straße momentan ist, kann sie kommendes Jahr während des Kö-Umbaus nicht als Ersatzstrecke für die Trams dienen. Am Milchberg herrscht ein Begegnungsverbot für Trams. Es müssen neue Gleise her. Und am Moritzplatz muss in der Maxstraße eine Tramhaltestelle eingerichtet werden, weil einige Trams nach dem Ersatzlinienplan nicht mehr in die Bürgermeister-Fischer-Straße zur dortigen Haltestelle abbiegen, sondern geradeaus zum Roten Tor auf den Betriebsgleisen weiterfahren.

    Ehemalige Kasernenareale sind gefragt

    Und weil später ohnehin Linienverkehr in der Maxstraße laufen soll, könnte es sein, dass es gleich heuer neue Haltestellen gibt, vermuten Anwohner. Sie sind vor dem Filmpalast und vor dem Haus am Eingang zur Wintergasse geplant. Dann müsste man noch einige Meter Gehweg verbreitern – fertig wäre der erste Sanierungsabschnitt. Noch hat sich Merkle nicht geäußert, was genau er anpacken will.

    In puncto Stadtentwicklung läuft es auf den ehemaligen Kasernenarealen gut. Sheridan wurde stimmig entwickelt, die Nachfrage ist glänzend. Als Nächstes wird das Reese-Areal umgebaut. Was den Hochbaubereich betrifft, hat die Stadt wenig umgesetzt. Die Desaster um Curt-Frenzel-Stadion und Theater-Container wurden an anderer Stelle in der Halbzeitbilanz behandelt. Baureferent Merkle hielt sich bei diesen Themen vornehm zurück. Originär waren weder er noch seine Verwaltung zuständig, aber es stellt sich schon die Frage, warum sie nicht stärker eingegriffen haben.

    Ansonsten beschränken sich die Bemühungen der Stadt bei Gebäuden darauf, den Bestand vor dem Verfall zu retten. Schulen sind in teils miserablem Zustand, auch wenn man sich um Verbesserungen müht. Symbolträchtig ist, dass seit vergangenem Freitag auch das Verwaltungsgebäude am Rathausplatz, in dem die Stadtregierung residiert, bröckelt.

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