Dienstag, 16. Januar 2018

01. September 2010 06:03 Uhr

Bei Regen brodelt es unter den Straßen der Stadt

Wenn es oben stark regnet, dann bricht unter den Straßen der Stadt eine Sturzflut aus, ohne dass es jemand merkt: Starke Niederschläge wie in den vergangenen Wochen stellen die städtische Kanalisation auf eine Belastungsprobe. Sie muss plötzlich mit der 150-fachen Wassermenge fertig werden. Mit 120 Litern Regen pro Quadratmeter war der August einer der feuchtesten seit Jahren. Was wenige wissen: Ein Großteil der Mischung aus Abwasser und Niederschlagswasser fließt ungeklärt in Lech und Wertach - noch. Denn die Stadt steuert dagegen.

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640 Kilometer Leitungen liegen unter der Stadt, manche davon sind mannshoch und begehbar (hier unter der Rosenaustraße). In den Kanälen herrschen ganzjährig zwölf Grad, weil das Wasser diese Temperatur hat. Foto: Stadtentwässerung
Foto: Stadtentwässerung

"Die Wetterlagen mit starkem Regen werden wohl häufiger", sagt Peter Haller, Leiter des Kanalnetzes. Neben Sanierungen und Verstärkung des Abwassernetzes - wie derzeit für Autofahrer spürbar an den Großbaustellen in der Georg-Haindl-Straße und der Jakoberwallstraße - wird es in den kommenden Jahren darum gehen, zusätzliche unterirdische Regenbecken zu schaffen. Millionen Euro werden in den Untergrund gesetzt.

"Aber es bleibt letztlich nichts anderes übrig: Der Anteil an versiegelter Fläche steigt, und dieses Wasser muss weg", sagt Haller. Anfang August fiel innerhalb von zwei Tagen so viel Regen, dass das Wasser ohne Kanalisation im Schnitt knapp fünf Zentimeter hoch gestanden wäre. Doch so viel Wasser schaffen weder Kanalisation noch die Kläranlage im Augsburger Norden. Statt der 2000 Liter pro Sekunde, die bei Trockenheit als Abwasser dort ankommen, wären es bei Stark-regen 300 000 Liter pro Sekunde.

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Über 50 sogenannte Regenüberläufe muss die Kanalisation entlastet werden. Niederschlag und Abwasser gehen dann mehr oder weniger ungeklärt in Lech und Wertach. In der Nähe mancher Überläufe wachsen auf Kiesbänken Hirse und Tomaten, weil die Kanalisation die Samen dort anschwemmt. Dieses Abwasser ist nicht das kritischste, weil es stark verdünnt wird und organische Stoffe enthält. Doch bei Regen wird auch der ganze Dreck schlagartig von der Straße gespült: Gummipartikel von Reifen, Bremsscheibenabrieb, Ruß und Staub.

Die Stadt hat darum in den vergangenen Jahren Rückhaltebecken gebaut. Unterirdische Hallen, in denen ein Teil des Regens zurückgehalten werden kann und nach und nach zum Klärwerk geleitet wird oder wo sich der Dreck zumindest setzen kann, bevor das Wasser in die Flüsse geht. Aktuell baut die Stadt ein Rückhaltebecken im Univiertel (Hugo-Eckener-Straße), um die Kanalkapazitäten für den Science-Park zu vergrößern. An der Hessenbachstraße (Pfersee) wurde zuletzt ein fünf Millionen Liter fassendes Becken für vier Millionen Euro fertiggestellt, um die Wertach zu entlasten. Zehn derartige Speicher gibt es in der Stadt, sie fassen zusammen 50 Millionen Liter. Weitere Becken, etwa in der Schillstraße, sind in Planung. Den Bau kann sich die Stadt letztlich vom Freistaat bezahlen lassen, weil sie weniger für die Einleitung von Abwasser in die Flüsse zahlen muss.

Doch auch am Leitungsnetz selbst stehen Arbeiten an. 640 Kilometer Leitungen liegen unter der Stadt, manche mannshoch und begehbar. In den Eingeweiden der Stadt herrschen ganzjährig um die zwölf Grad, weil das Wasser diese Temperatur hat. Das Hauptsorgenkind ist die Hauptleitung unter der Georg-Haindl-Straße, die gerade saniert wird und den Süden der Stadt entwässert. "Das ist Hauptschlagader und Nadelöhr gleichzeitig", so Haller. Die 100 Jahre alte Leitung ist schwer beschädigt. Im Frühjahr schlugen Arbeiter Alarm, als ihnen bei Wartungsarbeiten ein Riss auffiel, der sich auch noch mit einem plötzlichen Krachen verlängerte. Eigentlich sollten alle Kanäle regelmäßig gewartet werden, doch die Hauptleitungen lassen sich nicht einfach trockenlegen, weil sie ständig in Betrieb sein müssen.

Man kann mit dem Schlauchboot auf dem Abwasserstrom fahren, doch was am Grund ist, sieht man nicht. 30 Prozent der Kanäle sind älter als 60 Jahre, doch das ist nicht das Hauptkriterium. "Am problematischsten sind die Kanäle, die gleich nach dem Krieg gebaut wurden. Das Material damals war schlecht", sagt Haller. Aktuell wird das Abwasser über eine überirdische Leitung an der Baustelle vorbeigeleitet. Wenn das Gewölbe stabilisiert ist, wird im Herbst in die bestehende Röhre eine wasserdichte Plastikauskleidung gelegt. Im Dezember soll die Baustelle fertig sein.

Langfristig wird an dieser Stelle aber ein zweiter Kanal nötig werden, wie er etwa schon im Bereich Riedingerstraße/Sebastianstraße vor einigen Jahren gebaut wurde. "Man darf gar nicht daran denken, was passieren würde, wenn diese Leitung ausfällt. Ein Teil der Stadt würde absaufen", sagt Haller.

Deshalb wird in der Jakoberwallstraße ein zweiter Kanal gegraben, der diese Hauptleitung entlasten kann, indem er eine Verbindung zu einem weiteren Hauptkanal schafft.

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Peter Haller | Wertach | Pfersee

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Stefan Krog

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