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Projekt: Berührende Zeugnisse aus dem Exil

Projekt

Berührende Zeugnisse aus dem Exil

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    Bewegende Ausstellungseröffnung (v. l.): Prof. Bettina Bannasch, Helen Lacker, Bibliotheksdirektor Ulrich Hohoff, Johanna Hofmann und Karin Binder.
    Bewegende Ausstellungseröffnung (v. l.): Prof. Bettina Bannasch, Helen Lacker, Bibliotheksdirektor Ulrich Hohoff, Johanna Hofmann und Karin Binder. Foto: Foto: Peter Fastl

    Wann bietet sich so eine Chance im Studium: Das literaturwissenschaftliche Seminar von Prof. Bettina Bannasch sollte nicht nur den Nachlass des deutschen Emigrantenpaares Joachim und Suzanne Lackner auswerten, sondern auch ein großes Interview mit deren Tochter Helen als Zeitzeugin führen und aus alldem eine sehenswerte Ausstellung in Kooperation mit Historiker-Kommilitonen der Uni Hamburg machen.

    „Es bedarf schon eines enormen Kraftakts, dass so ein wunderbares Projekt gelingt“, meinte Studentin Katharina Bauer bei der Eröffnung. Zuletzt waren dies drei richtig anstrengende Seminartage in Hamburg. „Wir dachten, wir müssten nur noch unsere Ausarbeitung der Tafeln fertigstellen und die Exponate aus dem Nachlass auswählen...“ Doch tatsächlich musste die Arbeit des ganzen Semesters eingestampft werden. Denn in Hamburg galt die Vorgabe der Museumsdidaktikerin Sandra Schürmann, maximal 2000 Zeichen auf eine Tafel zu bringen.

    Also werkelten 28 Beteiligte in einer Hamburger Wohnung drei Tage und Nächte an den 16 Tafeln. Und an den Audioguides, die für die Ausstellung eingesprochen wurden. Ein bisschen Zeit für Besichtigung in der Speicherstadt und auf der Reeperbahn blieb auch noch. Katharina Bauer resümierte: „Es entstand ein Projekt, das keiner vergessen wird.“

    Ausgangspunkt war einmaliges biografisches Material der Hamburger Forschungsstelle für Exilliteratur. Sowohl Joachim als auch Suse Lackner hatten tagebuchartige Aufzeichnungen über ihr bitteres Leben in Internierungslagern, als kommunistischer Spanienkämpfer und im Berliner Staatsgefängnis hinterlassen. Es sei insgesamt „eine wichtige Zusammenstellung von Daten, Berichten und Analysen“, sagt Tochter Helen über das aussagekräftige Erbe ihrer Eltern, das die Wissenschaft überhaupt erst 2005 wahrnahm.

    Den Literaturstudenten begegneten die bewegenden Biografien zweier junger Menschen, die sich kommunistischen Idealen verschrieben hatten. Joachim wurde gleich 1933 verhaftet und saß zweieinhalb Jahre, er kämpfte gegen Franco in Spanien. Suse emigrierte nach Paris, wo sie 1939 heirateten. Bis 1943 lebten sie unbehelligt in Carcasonne. Joachim wurde verpfiffen, Suse kam in Internierung. Ein lebhafter Briefwechsel verband sie. „Es war ein gefährlicher Seiltanz“, weiß Studentin Karin Binder. Die Gefängniszensur trickste Suse Lackner mit oberflächlichen und tief emotionalen Passagen in ihren Briefen aus. Nach allen Regeln der Literaturwissenschaft werteten die Studierenden das Material aus. Ihre beiden Theoriewürfel in der Ausstellung erläutern genderorientierte, psychologische, dekonstruktivistische und rezeptionsorientierte Methode. Aber vor allem gibt es die Selbstzeugnisse der Lackners. „Es ist ein sehr bewegender Tag für mich“, dankte Tochter Helen für die Ausstellung übers Exil ihrer Eltern. "Meinung

    ÜberLeben im Exil, die studentische Ausstellung, ist bis 14. Januar 2012 in der Unibibliothek zu besichtigen.

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