Er war in den vergangenen Monaten eine der Schlüsselfiguren bei Manroland, zuletzt in Teilen der Belegschaft aber durchaus umstritten. Der Betriebsratsvorsitzende Jürgen Bänsch hat die Mitarbeiter des Druckmaschinenherstellers durch die Insolvenz begleitet, er verhandelte als Aufsichtsrat mit über wichtige Weichenstellungen im Unternehmen und kämpfte gegen den Abbau von mehr als 700 Stellen.
Jetzt, fast vier Monate nach dem Neustart des Unternehmens unter dem Eigentümer Possehl, kündigt Bänsch seinen Abschied von Manroland an. „Das Schiff ist in so sicheren Fahrwassern, dass die Gelegenheit da ist, sich neu zu orientieren“, erklärte er.
Bänsch wird zum 1. Juli in die Bezirksleitung der IG Metall nach München wechseln. Dort wird er sich um den Aufbau einer Interessensvertretung für die Luft- und Raumfahrtindustrie bemühen. Für dieses Geschäftsfeld verantwortlich ist der frühere Augsburger IG-Metall-Bevollmächtigte Jürgen Kerner, der im vergangenen Oktober in den Bundesvorstand der Gewerkschaft gewählt worden war.
Bei Manroland wird zunächst Bänschs Stellvertreter Hermann Regal die Geschäfte führen. Intern soll geklärt werden, wie es danach weitergeht, hieß es seitens des Betriebsrats. Turnusmäßige Neuwahlen sind erst für 2013 geplant. Dass es zu vorgezogenen Wahlen kommt, gilt als unwahrscheinlich. Bänsch war fast 31 Jahre im Unternehmen. Der gelernte Energieelektroniker war seit 1989 freigestellter Betriebsrat, 1998 hatte er den Vorsitz des Gremiums übernommen. Seine Entscheidungen in der Insolvenzphase, aber auch sein Agieren zuvor im Aufsichtsrat hatten ihm bei einigen Mitarbeitern nicht nur Sympathien eingebracht.
Viele Enttäuschte kritisierten vor allem die Personalauswahl, an der der Betriebsrat beteiligt war. „Ein Stück weit liegt das in der Natur meiner Funktion“, kommentiert Bänsch diese Kritik. Im Groll verabschiede er sich aber nicht. Im Rückblick auf die schwierigen vergangenen Monate bewertet er die Arbeit seines Teams durchaus positiv. „Ich glaube, wir haben einen guten Job gemacht.“ Wenngleich auch Bänsch Versäumnisse einräumt: Bei den Verhandlungen im Aufsichtsrat über neue Produkte, als Ergänzung zu den weniger stark nachgefragten Druckmaschinen, „hätten wir vielleicht energischer sein sollen“, sagt er. „Aber hinterher ist man immer schlauer.“