Das „Cinestar“, neben dem Cinemaxx das einzige Multiplex-Kino in Augsburg, steht vor dem Aus. Die Betreibergesellschaft teilte gestern auf Anfrage unserer Zeitung mit, der Mietvertrag im Fuggerstadt-Center am Hauptbahnhof sei fristgerecht zum Ende dieses Jahres gekündigt worden. Als Gründe werden zu hohe Mietkosten und fehlende Investitionen vom Vermieter in das Center genannt.
Wirtschaftliche Probleme hatte das Cinestar schon länger. „Seit geraumer Zeit kann die seinerzeit vereinbarte Miete aufgrund der massiven Umbrüche in der Kinolandschaft und der lokalen Situation in Augsburg nicht mehr erwirtschaftet werden“, sagt Detlef Becherer, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft von Cinestar, die offiziell unter Zweite Kino Abspielstätte GmbH und Co KG firmiert.
Aus Sicht von Becherer ist aber auch die anhaltende Misere im Fuggerstadt-Center ein Problem. Einen „nicht unerheblichen Beitrag zur negativen Entwicklung am Standort“ habe der Vermieter geleistet, der dringend notwendige Investitionen unterlassen habe. Deshalb leide das Fuggerstadt-Center an einem steten Verlust von Kundenströmen. Das habe wiederum einen Verlust an Mietern und zunehmende Leerstände im Center nach sich gezogen.
Viele Gespräche, aber keine Einigung
Laut Becherer hat es von Seiten der Kinobetreiber viele Versuche gegeben, die Lage im Fuggerstadt-Center zu verbessern. Man habe dem Vermieter immer wieder angeboten, an einem neuen Konzept für das Center mitzuwirken, um es attraktiver zu machen.
Zwischenzeitlich übersteige die vertraglich geforderte Miete die am Markt tatsächlich erzielbare um mehr als das vierfache, so Becherer. Der Vermieter habe über eine wirtschaftlich tragbare Lösung nicht mit sich reden lassen.
Wie berichtet, hatte das Kino 2011 begonnen, die Grundmiete zu kürzen. Es kam zum Rechtsstreit. Nach einem Gerichtsurteil sollte Cinestar eine Million Euro an Mietrückständen zwischen Dezember 2011 und August 2012 nachzahlen.
Wenn das Filmtheater zum Jahresende schließt, sind nach Angaben der Betreibergesellschaft 30 Mitarbeiter betroffen. Sie können nicht mehr weiterbeschäftigt werden. Vornehmlich seien es Studenten als geringfügig Beschäftigte. Ob Cinestar einen anderen Standort in Augsburg suchen wird, blieb gestern unklar.
Offen ist auch, wie es mit dem Fuggerstadt-Center weitergeht. Das Kino ist einer der Ankermieter. Wenn es schließt, könnte es weitere Probleme mit der Immobilie geben. Der Komplex am Hauptbahnhof steht derzeit unter Insolvenzverwaltung. Als „Geburtsfehler“ der Immobilie gelten falsch kalkulierte Mieteinnahmen. Als das Fuggerstadt-Center 1999 eröffnete, glaubten die Planer noch an die Zugkraft des Erlebnischarakters. Sie setzten auf Mieter aus Unterhaltung und Freizeit wie Spielhalle, Fitness, Bowling-Bahn und Diskothek. Für Einzelhandel und Gastronomie ließen sie nur wenig Platz. Ein schwerer Fehler, wie Fachleute heute sagen.
Insolvenzverwalter Axel Bierbach war am Freitag nicht mehr erreichbar. Augsburgs Wirtschaftsreferentin Eva Weber weiß aber, dass im Rahmen des Insolvenzverfahrens Gespräche mit Investoren laufen. Möglicherweise stehe ein Verkauf der Immobilie an, ist zu hören.
Und wie ist die Stimmung im Center? Im Rewe-Markt bedauert man, dass mit Cinestar ein weiterer Mieter geht. Besonders am Wochenende versorgen sich dort Kinogänger mit Getränken und Knabberzeug.