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Augsburger Wochen: Ehe und Partnerschaft: Damit die Liebe nicht im Alltag stirbt

Augsburger Wochen: Ehe und Partnerschaft

Damit die Liebe nicht im Alltag stirbt

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    Junge Liebe ist gut und schön - doch mit der Zeit sieht es nicht mehr in jeder Beziehung so rosig aus.
    Junge Liebe ist gut und schön - doch mit der Zeit sieht es nicht mehr in jeder Beziehung so rosig aus. Foto: Fotolia

    „Lieben Lachen Leben“ sind die ersten Augsburger Wochen für Ehe und Partnerschaft überschrieben. Ein so groß angelegtes Projekt rund ums Thema Beziehung gab es in Bayern noch nie. Die Katholische und die Evangelische Beratungsstelle sowie Pro Familia organisieren es gemeinsam (siehe Kasten). Mit den Leitern der Beratungsstellen, Helga Kramer-Niederhauser (Bistum), Markus Bernhard (Diakonie) und Guido Sinzel (Pro Familia) sprachen wir über Beziehungsprobleme, was sie bringen können – und natürlich über die Veranstaltungsreihe.

    Ein Drittel der Ehen wird geschieden. Die Wartezeit für einen Termin bei der Eheberatung liegt bei rund einem Monat. Sind die Menschen nicht mehr beziehungsfähig?

    Kramer-Niederhauser: Der Wunsch der Menschen nach stabiler Partnerschaft ist sehr groß, aber Wunsch und Wirklichkeit klaffen oft auseinander. Das Leben ist heute selbstbestimmter. Das ermöglicht viel Freiraum, fordert aber auch die Reife, dafür Verantwortung zu übernehmen. Und dafür fehlen oft die Konzepte, wenn es zum Beispiel um Anspruchshaltung, Konfliktbewältigung und Ehephasen geht.

    Haben Beziehungen heute dann noch eine Chance?

    Sinzel: Man muss den Blick mal umdrehen und sagen: Sechs von zehn Ehen haben Bestand. Man sollte frühzeitig die Partnerschaft leben, damit die Ehe gelingt. Und nicht jede Krise muss gleich alles zerstören, sondern sie kann eine Beziehung festigen. Und das bedeutet Arbeit.

    Lief es früher anders, besser?

    Bernhard: Aufgrund der Vielfalt der Lebensmöglichkeiten tendieren die Menschen heute schneller dazu aufzugeben, sie suchen ihr Glück in einer neuen Beziehung – und finden dort oft wieder Probleme. Allerdings war die gesellschaftliche Situation früher anders. Frauen konnten sich zum Beispiel oft aus finanziellen Gründen nicht scheiden lassen. Damals wurden Konflikte weggedrückt. Sie äußerten sich in Krankheiten und psychischen Belastungsreaktionen – sie nach außen zu tragen, war tabu.

    Steigen deshalb nun die Klientenzahlen der Eheberatungsstellen?

    Bernhard: Es gibt immer noch eine hohe Hemmschwelle. Viele Menschen schämen sich und denken, sie seien die Einzigen mit Partnerschaftskonflikten, weil die Menschen Angst haben, sich zu öffnen...

    Kramer-Niederhauser: ...und Angst, dass es Schuldzuweisungen gibt. Aber darum geht es nicht. Sondern darum, den Konflikt zu erkennen und Lösungsansätze zu finden.

    Sinzel: Für dauerhafte Beziehungen ist eine Krise Normalität. Das ist vielen noch nicht klar.

    Wann sind die gefährlichsten Zeiten in einer Ehe?

    Bernhard: Das sind die Phasen, in denen die Belastung steigt und die Leute nicht mehr miteinander umgehen können – klassischerweise die Übergänge. Das kann bei der Hochzeit anfangen, die ja auch Stress bedeutet. Dann kommt die Rollenänderung beim ersten Kind, später das „Empty-Nest“-Syndrom, wenn die Kinder aus dem Haus sind und das Nest leer ist, oder der Wechsel in den Ruhestand. Dazu kommen Faktoren wie Arbeitslosigkeit, psychische Probleme, Pflege von Angehörigen, schwere Krankheiten.

    Suchen die Menschen da rechtzeitig Hilfe?

    Kramer-Niederhauser: Viele kommen erst, wenn die sich gegenseitig zugefügten Verletzungen schon sehr tief sind.

    Sinzel: Man sollte kommen, wenn man merkt, es läuft schlechter, man fühlt sich nicht mehr so wohl oder sicher. Je früher man kommt, desto besser. Alltagsroutine ist der größte Feind. Daher sollte man sich ab und zu Input holen. Das ist legitim.

    Kramer-Niederhauser: Einmal kam ein junges Paar, das nach einigen Jahren Beziehung heiraten und überlegen wollte, was das noch zu klären ist. Sie haben gefragt: Dürfen wir kommen? Natürlich! Nach drei Gesprächen hatten sie alles geregelt.

    Wie kam Ihnen der Gedanke, zu dritt die Partnerschafts-Wochen zu organisieren?

    Sinzel: Wir arbeiten seit mehreren Jahren zusammen. Am Anfang des aktuellen Projekts stand die Idee eines Fachtages. Dann haben wir überlegt, dass wir unsere Arbeit einem breiteren Publikum präsentieren wollen, auch um die Hemmschwelle der Menschen gegenüber der Beratung zu senken.

    Im Programm sind Vorträge, Filme, Gesprächsrunden, Workshops. Man kann aber auch Klettern, Paddeln und bei „Landart“ zusammen aus Steinchen und Zweigen Kunstwerke legen. Was bringt das?

    Bernhard: Spaß! Die Pflege einer Beziehung sollte nicht auf Konflikte beschränkt sein. Gemeinsame positive Erlebnisse festigen nachweislich Beziehungen. Wenn bei einem dieser Kurse ein Thema auftaucht, kann man es gleich mit Fachleuten besprechen oder einen Termin vereinbaren.

    Wie hoch ist Ihre Erfolgsquote?

    Bernhard: 80 Prozent der Klienten gehen mit dem Gefühl raus, einen Schritt weiter zu sein, unabhängig von der Erfüllung der ursprünglichen Erwartung an die Beratung. Eine Paarberatung kann gerade am Anfang als sehr belastend empfunden werden, aber die Menschen sind froh, wenn Probleme mal ausgesprochen wurden. Interview: Ute Krogull

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