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Ausstellung: Das Runde steht im Eckigen

Ausstellung

Das Runde steht im Eckigen

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    Maler der Kapseln und Kugeln: Christoph Dittrich
    Maler der Kapseln und Kugeln: Christoph Dittrich Foto: Fotos: Fred Schöllhorn

    Gegen Ende des vielschichtigen Malprozesses lässt Christoph Dittrich die sich im Bildraum drängenden und schwebenden Kapseln, die er „Liquids“ nennt, fast verschwinden. Er überzieht mit breitem Pinsel die Leinwand mit einem schleierartigen „Vorhang“ in weiß. Dann tritt er zurück, prüft wieder die Leinwand, greift zur Farbspraydose.

    Schnelle Bewegungen, sprühen. Wieder nimmt er den Pinsel und malt. Neben Christoph Dittrich im Augsburger Atelier steht die ganze Zeit der Saxofonist Johannes Liepold auf dem farbfleckigen Boden und spielt und improvisiert.

    Zu sehen ist die Malsession in einem zehnminütigen Film, den jedermann auf der Plattform Youtube.de im Internet aufrufen kann. „Energy Transformer“ hat Dittrich das Experiment genannt, einen „interdisziplinären Versuch zwischen Malerei und Musik“, bei dem nicht ein Wort gewechselt wird.

    Der Film ist kein schlechtes Entree für Besucher der Galerie Oberländer, wo der 1971 in Ulm geborene Maler Christoph Dittrich in einer Einzelausstellung mit 60 (!) Werken präsentiert wird. Manche großformatigen Bilder scheinen mit ihrer ins Rechteck der Leinwand gezwungenen und gebändigten Energie und Bewegungsdynamik fast die Decke zu heben und die Wände der Galerie zu spreizen. Mitunter meint man, die Bilder „wachsen“ und „quellen“ zu sehen. Die Grundspannung zwischen linearer Begrenzung und Rundung gehört zu diesen Gemälden.

    Verdichtung und Öffnung, Staffelung und Loslösung

    Nach dem letzten großen Auftritt des Künstlers in der Neuen Galerie im Höhmannhaus (Sommer 2010) gibt die Schau bei Oberländer Gelegenheit, sich erneut in den eigenständigen, vertrauten Bildkosmos Dittrichs zu begeben. Noch immer kreist seine Malerei um den Auftritt von Kugeln und Ellipsen, um Komposition von Masse, Energie, Bewegung und Licht im Raum.

    Verdichtung und Öffnung, Staffelung und Loslösung, Verschwinden und Auftauchen, Stillstand und Fliehkräfte: Christoph Dittrich hat mit den „Dots“ und „Liquids“, den runden und ovalen Formen, sein Motiv gefunden, das er malerisch in immer neuen Anläufen erforscht und ausreizt. „Er erkundet die Räume auf ihre Tauglichkeit für seine ungegenständlichen Erfindungen“, wie Galerist Konrad Oberländer es ausdrückt.

    Es fällt auf, dass Christoph Dittrich dabei die Tiefe und Komplexität des (Bild-) Raumes und die Konturen seiner prallen Farbbälle wichtiger geworden sind. Die Körper, die auf seinen Leinwänden schweben, liegen, uns entgegenkommen, sich zu Haufen ballen und von netzartigen Strukturen, wundersamen Tentakeln oder einem Aderwerk umschlungen werden, – sie erinnern an organische Formen und Pflanzen, an Zellstrukturen, an Planeten in den Weiten des Alls. Sie lassen an Blasen in unbekannten Meeren denken und an Expeditionen durchs Mikroskop in die rätselhaften Baupläne der Natur. Der Betrachter kann tief blicken.

    Imaginärer Innendruck, brüchige Oberflächen

    Oberflächenstrukturen arbeitet Dittrich jetzt feiner und plastischer heraus. Auf der Leinwand gibt es vom imaginären Innendruck fast berstende glatte Außenhäute, aber auch brüchige, schrundige Oberflächen. Den Tanz der Formen und Farben (die auch grell wie eine Luftballonblase auf dem Rummel sein können) choreografiert Dittrich auf raffinierte Weise. Er variiert die Maßstäbe und Größenverhältnisse, spielt mit Konstellationen, Raumvolumen und Perspektiven (Aufsicht, Untersicht, Nahsicht, Frontalansicht). Das wirkt in den kleinformatigen Gemälden, die eher als Studien erscheinen, nicht so überzeugend wie auf den großen Leinwänden, wo diese malerische Befragung größere, stärkere Antworten findet. Christoph Dittrich arbeitet häufig parallel an Bildern und entwickelt so „Ideen, die aneinander wachsen“, wie er sagt. Es wird interessant sein zu sehen, wohin dieser Weg den Maler noch führt. Fort von den Liquids und Dots?

    Laufzeit bis 24. Februar. Geöffnet Montag bis Freitag 16–19 Uhr und nach Vereinbarung

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