Die SPD-Stadtratsfraktion steht vor einem Generationswechsel: Aus der jetzigen Mannschaft von 19 Stadträten haben vier langjährig aktive Kommunalpolitiker ihren Abschied angekündigt. Der frühere Referent Sieghard Schramm, der ehemalige Fraktionsvorsitzende Karl-Heinz Schneider sowie Lieselotte Grose und Gerd Arnold werden definitiv bei der Kommunalwahl 2014 nicht mehr antreten. Dies bestätigten sie gegenüber unserer Zeitung.
Es zeichnet sich ab, dass es nicht nur bei diesen Abgängen bleibt.
Alle vier Stadträte begründen ihren Abschied mit dem Alter. „Man muss die Dinge loslassen, bevor einen die Dinge loslassen“, sagt Schneider, 65, der seit 1996 dem Stadtrat angehört. Der frühere OB-Kandidat der SPD, der 1996 gegen Peter Menacher (CSU) in der Stichwahl verloren hatte, war unter der SPD-Stadtregierung von 2002 bis 2008 Fraktionschef der SPD.
Lieselotte Grose und Gerd Arnold ziehen sich zurück
Noch viel länger in der Augsburger Kommunalpolitik aktiv ist Sieghard Schramm. Er gehört dem Stadtrat seit 1972 an. Von 1984 bis 1990 war Schramm Sozialreferent, von 2002 bis 2008 Bildungsreferent. „Es ist die Zeit gekommen, um mich aus der aktiven Politik zurückzuziehen“, sagt der 67-Jährige.
Abschied nimmt auch Gerd Arnold. Der 68-Jährige sitzt seit 1984 im Stadtrat. „Man muss wissen, wann es vorbei ist“, sagt Lieselotte Grose, die seit 2002 im Stadtrat ist. Die 66-Jährige will Platz machen für Jüngere: „Ich war lange genug dabei“, sagt Grose, die auch neun Jahre im Bezirkstag saß.
Der Abschied der vier Stadträte ist besiegelt. Es gibt einige Wackelkandidaten mehr, deren politische Zukunft offen ist. Wegen einer schweren Erkrankung fällt Karin Egetemeir, 72, seit Anfang 2011 aus. Aus Parteikreisen ist zu vernehmen, dass Karin Egetemeir auf keinen Fall mehr antritt. Es könnte auch passieren, dass sie aus gesundheitlichen Gründen noch in der laufenden Periode aufhört.
Die stellvertretende Ulrike Bahr will im Herbst 2013 für den Bundestag kandidieren. Ihre Chancen stehen gut. Im Fall des Einzugs in den Bundestag wird Ulrike Bahr dem neuen Stadtrat nicht mehr angehören, hat sie in dieser Woche angedeutet.
Noch keine klaren Aussagen zu ihrer Zukunft haben Gertrud Lehmann, 67, und Annelies Haaser-Schwalm, 72, gemacht. In beiden Fällen ist es so, dass aus den jeweiligen Ortsvereinen jüngere Leute nach vorne drängen. In Pfersee soll die stellvertretende Parteivorsitzende Angela Steinecker für Haaser-Schwalm einen vorderen Platz auf der Stadtratsliste erhalten, im Hochfeld strebt der Ortsvorsitzende Sebastian Weißkirchen den Einzug in den Stadtrat an. Gertrud Lehmann würde in diesem Fall wohl auf einen hinteren Platz auf der Stadtratsliste rutschen – sofern sie kandidiert.
Seit 40 Jahren im Stadtrat
Zu den Urgesteinen der SPD im Stadtrat gehören der frühere Landtagsabgeordnete Willi Leichtle, 71, und der ehemalige Bürgermeister Klaus Kirchner, 68. Beide gehören dem Gremium seit 1972 an.
Noch haben sich beide Kommunalpolitiker nicht festgelegt, ob sie 2014 wieder antreten. „Ich mache das von meiner Gesundheit abhängig“, sagt Leichtle, „derzeit fühle ich mich fit.“ Kirchner könnte sich ebenfalls vorstellen, eine weitere Periode dranzuhängen.
Aus strategischen Überlegungen könnte es für die SPD von Vorteil sein, heißt es in der Partei, wenn die Stimmenfänger Leichtle und Kirchner nochmals antreten. Immerhin erzielten sie bei der Wahl 2008 das drittbeste Einzelergebnis (Leichtle) und viertbeste Ergebnis (Kirchner). Gute Einzelergebnisse können der Partei ein weiteres Mandat sichern, lautet die Rechnung.