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Kino: Der Schatten der Gentechnik

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Der Schatten der Gentechnik

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    Der ungarische Wissenschaftler Árpád Pusztai ist ein Beispiel für die Macht der Industrie. Er soll wegen seiner Studienergebnisse über die Folgen von gentechnisch veränderter Nahrung suspendiert worden sein.
    Der ungarische Wissenschaftler Árpád Pusztai ist ein Beispiel für die Macht der Industrie. Er soll wegen seiner Studienergebnisse über die Folgen von gentechnisch veränderter Nahrung suspendiert worden sein. Foto: Foto: Filmbüro

    Deutschland duldet keine gentechnischen Veränderungen im Saatgut. Erst im März bestätigte der Bundesrat diese strikte Haltung der „Nulltoleranz“. Doch über Umwege landen auch auf deutschen Tellern die Produkte der Genforschung, meist über das Tierfutter schleicht sie sich in die Nahrungskette ein.

    Der Regisseur Bertram Verhaag kämpft mit filmischen Beiträgen schon länger gegen die mächtige Industrie, die mit Genmanipulationen ihr Geld verdient. In den vergangenen zehn Jahren hat der Münchner neun Produktionen zum Thema Genforschung abgeliefert. Sein vorerst letztes Werk scheint besonders engagiert, denn mit „Gekaufte Wahrheit“ möchte Verhaag den starken Einfluss der Wirtschaft auf die Wissenschaft offenlegen.

    Statt Anerkennung erntete der Wissenschaftler nur Ärger

    Für seine Dokumentation, die bei den Augsburger Filmtagen lief, hat er sich mehrere Kronzeugen herausgepickt: Zum einen kommt Árpád Pusztai zu Wort. Der ungarische Wissenschaftler arbeitete 35 Jahre für das schottische Rowett-Institut, bis er 1995 die Ergebnisse einer Studie veröffentlichte. Er hatte gentechnisch veränderte Kartoffeln an Ratten verfüttert, die schließlich mit größerem Darm und kleineren Nieren starben als die Kontrollgruppe, nur zwei von insgesamt 36 Unterschieden. „Damals gab es noch keine Studie zu gentechnisch veränderten Lebensmitteln, obwohl die Menschen in den USA sie schon aßen“, erklärt Pusztai seinen Ansatz.

    Doch anstatt Anerkennung erntete der Wissenschaftler für seine Pionieruntersuchung nur Ärger. Seinen Worten nach rief das Ministerium des damaligen Premierministers Tony Blair beim Institutsleiter an. Die Folge: Pusztai wurde auf Lebenszeit suspendiert, seine Forschungsergebnisse wurden dementiert und angegriffen.

    Verhaag zeigt mehrere Fälle, die alle eins veranschaulichen sollen: Es gibt nur eine Handvoll Wissenschaftler auf dem Gebiet der Gentechnik, die unabhängig forschen. Und diese stehen unter dem Druck der Industrie, die auf allen Wegen versucht, die Studien oder den Wissenschaftler zu disqualifizieren.

    Verhaag macht dabei von Anfang an klar, auf wessen Seite er steht. „Ich bin kein Freund von ausgewogener Darstellung“, rechtfertigt er das Konzept des Films als „einseitige Dokumentation“. Seiner Meinung nach hat die Industrie schon genug Chancen, ihre Sicht der Dinge darzulegen. Also lässt der Regisseur seine kritischen Protagonisten ausgiebig vor Maisfeldern reden, gerne auch über Privates. Schließlich gehe es hier um „Persönlichkeiten, die etwas bewegen wollen“, betont Verhaag.

    Einer davon ist Andrew Kimbrell, der Leiter des Centers for Food Safety in Washington, der in Tausenden Dokumenten der US-Lebensmittelbehörde ungeklärte gesundheitliche Bedenken gegenüber gentechnisch veränderter Nahrung entdeckt hat. Doch die Behörde nickte die Zulassung trotzdem ab. Der Mikrobiologe Ignacio Chapela bekam es mit der Industrie zu tun, als er transgenen Mais in Mexiko aufspürte, wo er verboten ist. Seinen Befund, das Saatgut müsse aus den USA stammen, brachte ihm plumpe Diffamierungen ein, die am Ende sogar Eindruck auf das Wissenschaftsmagazin Nature machten.

    „Gekaufte Wahrheit“ liefert keine wirklich runde Dokumentation, die das komplexe Thema systematisch aufrollt. Dafür reist der rote Faden des Films zu oft. Aber das eindeutige Plädoyer gegen die Gentechnik zeigt imposant, wie Wissenschaftlern Forschungsgeld verweigert wird, wenn ihre Ergebnisse etwa in die „falsche“ Richtung gehen.

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