Die Stellwände in den Räumen der Projekt- und Trainingsgesellschaft PTG hängen voll. 300 Jobangebote dürften es sein, schätzt Peter Schuster. Er ist der Projektleiter der Transfergesellschaft, die die ehemaligen Manroland-Mitarbeiter in sechs Monaten wieder in Arbeit vermitteln soll. Einen Monat nach Bekanntgabe der Kündigung läuft die Arbeit der Transfergesellschaft nun auf Hochtouren.
Es war Montag, der 23. Januar, als 741 Beschäftigte des Druckmaschinenherstellers erfahren haben, dass der neue Eigentümer, die Lübecker Possehl-Gruppe, nach der Insolvenz ohne sie plant. Ein schwarzer Tag für die betroffenen Menschen und die ganze Region. 715 von ihnen haben das Angebot zum Wechsel in die Transfergesellschaft angenommen. Einen Monat später gibt es bereits erste Erfolgsmeldungen.
Vermittlungserfolge Nach Angaben der PTG haben 23 dieser Mitarbeiter bereits einen neuen Job gefunden. Viele weitere sollen folgen. Die bisherigen Erfahrungen der PTG machen Mut: Schon nach den ersten beiden Entlassungswellen bei Manroland haben die Jobexperten im vergangenen Jahr Transferprojekte für die etwa 200 Betroffenen betreut. Die Vermittlungsquote habe bei rund 90 Prozent gelegen, berichtet PTG-Geschäftsführer Dr. Bernd Nickolay.
Möglich ist, dass einige der Gekündigten sogar zurück zu Manroland können. Laut Manroland-Betriebsratschef Jürgen Bänsch hätten rund 25 Mitarbeiter, denen der neue Eigentümer ein Übernahmeangebot gemacht hat, inzwischen das Unternehmen verlassen. Diese Stellen sollen nach Möglichkeit über die PTG wieder besetzt werden.
Großes Interesse der Firmen Das Interesse der Unternehmen an den ehemaligen Manroländern ist groß – das belegen die vielen Stellenangebote, die bei der PTG eingegangen sind, und auch die Resonanz an der gestrigen Jobbörse bei der Arbeitsagentur (siehe Bericht unten). Mit dazu beigetragen hat auch die Stadt Augsburg, die Firmenchefs und Personalverantwortliche Anfang Februar zu einem Runden Tisch eingeladen hatte. „Wir haben so manche Tür öffnen können“, sagt Wirtschaftsreferentin Eva Weber. Laut PTG-Chef Nickolay gebe es Kontakte zu einer Reihe großer Unternehmen. Und sogar ein ehemaliger Manroländer, der das Unternehmen längst verlassen hatte, hat ein Jobangebot aus seinem neuen Betrieb an die PTG gemailt, sagt Projektleiter Schuster. „Das zeigt die große Solidarität.“
Stimmung unter den Betroffenen Der Schock saß tief. Und die Skepsis gegenüber der Transfergesellschaft war groß. „Es gibt immer Vorbehalte“, weiß die IG-Metall-Bevollmächtigte Christiane de Santana aus Erfahrung. Doch sie ist sicher, dass die gefundene Lösung im Fall Manroland „das Beste war, was uns passieren konnte“. Auch von den Betroffenen bekomme sie „sehr, sehr positive Rückmeldungen“, sagt die Gewerkschafterin.
Was vielen aber fehle, so Santana, sei das alte Zusammengehörigkeitsgefühl, die Identität. Deswegen organisiert die IG Metall Ende März eine Versammlung für die ehemaligen Manroländer. Es soll ein Erfahrungs- und Informationsaustausch werden. „Das tut den Menschen gut“, sagt Santana. Im sozialen Netzwerk Facebook haben sich einige Ex-Manroländer zusammengetan. In der Gruppe „MR Stehaufmännchen“ tauschen sich gut 120 Mitglieder aus. „Ich finde das super, wie ihr euch gegenseitig helft und kümmert. Hut ab vor euch Musketieren“, schrieb ein Mitglied auf die Pinnwand. "Kommentar Seite 39