Sonntag, 19. November 2017

25. Februar 2015 21:01 Uhr

Kriminalität

Die Spur der Millionen-Räuber

Über ein Jahrzehnt lang raubt eine Bande Juwelierläden in Deutschland und in der Schweiz aus. Jetzt ist die Polizei überzeugt, zwei Haupttäter gefasst zu haben.

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Das Vorgehen der Täter ist stets ähnlich. Mehr als ein Jahrzehnt haben sie damit Erfolg. Die Männer betreten Juweliergeschäfte und tun zuerst so, als ob sie Kunden seien. Doch dann lassen sie schnell die Maske fallen. Sie bedrohen das Personal mit Pistolen und nehmen fast ausschließlich teure Markenuhren an sich. Danach flüchten sie zu Fuß auf getrennten Wegen durch die Innenstädte. Auf diese Weise machen die Männer in Deutschland und in der Schweiz im Lauf der Jahre offenbar eine Beute in Millionenhöhe.

Die Serie endet Ende vorigen Jahres in Augsburg. Am 16. Dezember, einem Dienstag, werden zwei Männer nach einem Überfall auf das Juweliergeschäft Herbert Mayer in der Innenstadt festgenommen. Die Polizei erwischt die Täter auf der Flucht, weil ein Mitarbeiter des Juweliers und ein Passant die Verfolgung aufnehmen und den Beamten den Weg weisen. Einer wird an der Barfüßerbrücke überwältigt, den anderen ziehen die Beamten aus einem Taxi in der Karlstraße.

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Inzwischen steht für die Ermittler fest: Sie haben zwei Profiverbrecher fassen können, die mit Überfällen auf Juweliere ihren Lebensunterhalt bestritten. Am Mittwoch bestätigt die Polizei einen Bericht unserer Zeitung, wonach die Männer wohl einer osteuropäischen Bande angehören, die seit Jahren immer wieder zuschlägt. Nach intensiven Ermittlungen gehen die Beamten der Kripo davon aus, dass sie den inhaftierten Russen, 37 und 47 Jahre alt, eine Beteiligung an mindestens sieben Überfällen nachweisen können.

Erstmals hinterließen sie demnach Spuren in einem Juweliergeschäft in Frankfurt am Main, das im Dezember 2003 überfallen wurde. Die Ermittler sind auch überzeugt davon, dass die Männer im Jahr 2012 schon einmal in Augsburg aktiv waren. Damals wurde das Juweliergeschäft Hörl von zwei Männern überfallen. Sie erbeuteten Uhren im Wert von über 100000 Euro. Den Tätern gelang es, unbemerkt in der Innenstadt unterzutauchen. Einer der Männer hatte sich – es war die Zeit der Fußball-Europameisterschaft – mit einem schwarz-rot-goldenen Schal maskiert.

Der Fahndungserfolg der Augsburger Kripo sorgt in Fachkreisen bundesweit für Aufsehen. „Dass es gelingt, eine solche Serie aufzuklären, ist die absolute Ausnahme“, sagt Martin Winckel vom Internationalen Juwelier-Warndienst. Den Räubern gelinge es meist, sich kurz nach der Tat wieder ins Ausland abzusetzen. Der Experte geht davon aus, dass die in Augsburg festgenommenen Männer noch für weit mehr Fälle verantwortlich sein könnten, als die sieben Taten, die man ihnen bisher wohl nachweisen kann. Die Kripo stützt sich bei ihren Ermittlungen vor allem auf DNA-Spuren.

Offenbar haben die Täter bei mehreren Überfällen ihren genetischen Fingerabdruck hinterlassen. Auch nach dem Raub beim Juwelier Hörl in Augsburg sicherten die Ermittler eine DNA-Spur. Zudem gibt es in einigen Fällen gute Bilder von Überwachungskameras. Zwar haben die Verdächtigen im Polizeiverhör beharrlich geschwiegen. Den Ermittlern gelang es aber, einen von den Männern benutzten Mietwagen ausfindig zu machen. Darin hatten sie Pässe deponiert.

Die Beamten gehen davon aus, dass die Männer immer wieder von Russland aus in Westeuropa auf Raubzug gingen. Dazu reisten sie demnach getrennt über verschiedene Länder nach Deutschland ein, mieteten sich in Hotels ein, nahmen sich Mietwagen und kundschafteten Tatorte aus.

Bei den Überfällen drohten die Täter mit Schreckschusswaffen, die nach Angaben eines Polizeisprechers von Originalwaffen mit bloßem Auge nicht zu unterscheiden sind. Von der Millionenbeute ist der größte Teil verschwunden. Nur die im Dezember in Augsburg erbeuteten Uhren konnte die Polizei sicherstellen und an das Geschäft zurückgeben. Abgeschlossen sind die Ermittlungen nicht, da die Bande offensichtlich in unterschiedlichen Besetzungen aktiv war und es wohl weitere Komplizen gibt.

In der nächsten Woche wollen die Ermittler über die TV-Sendung „Aktenzeichen XY“ (4. März, 20.15 Uhr, ZDF) noch einmal einen Fahndungsaufruf starten. Sie suchen weiter Zeugen, die die Männer kennen oder schon einmal gesehen haben – etwa Mitarbeiter von Autovermietungen oder Hotels. Zudem hoffen die Beamten, dass sie Hinweise zum Verbleib der erbeuteten Uhren bekommen. Mehrere Versicherungen haben dafür Belohnungen von insgesamt 35000 Euro ausgelobt.

Die Kripo Augsburg ist erreichbar unter 0821/323-3810.

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Ein Artikel von
Jörg Heinzle

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