Bald darauf fand die junge Frau, die am Mittwoch ihren 22. Geburtstag feiert, im Stadtteil ein zweites Zuhause: das Jugendhaus r 33 in der Rockensteinstraße. Ihre ganze Jugend habe sie hier inmitten der Freunde aus verschiedenen Nationen verbracht, erzählt Erika Lorenz. Ob zum Tanzen, Ratschen oder Basketballspielen - "wir waren nur noch hier". Mittlerweile beschränken sich ihre Besuche auf den Abend oder das Wochenende. Als München-Pendlerin mit Job in einem Steuerbüro bleibt der Wahl-Kriegshaberin nur wenig Freizeit.
Lorenz stammt aus Kasachstan. Als die Aussiedlerin mit neun Jahren nach Augsburg kam, "konnte ich nur Bitte, Danke und Gute Nacht sagen". Heute spricht sie fast akzentfrei Deutsch und hat den mittleren Bildungsabschluss in der Tasche. Das verdankt sie neben ihrem Ehrgeiz auch dem Jugendhaus: "Ich habe hier auf den Quali und die mittlere Reife gelernt." Die Uli und der Janusz - gemeint sind die Pädagogen Ulrike Rist und Janusz Rys - hätten immer geholfen. Und bei schlechten Noten und Liebeskummer getröstet.
Traum vom eigenen Haus
Auch wenn die Bürokauffrau ihr eigenes Geld verdient, lebt sie noch in der Langemarckstraße bei ihrer Familie. Ob sich das eigene Zuhause einmal in Kriegshaber befindet, kann sie nicht sagen. Gefallen würde es ihr auf jeden Fall. "Mir fehlt hier nichts", sagt sie und beginnt ein wenig zu träumen: "Im Neubaugebiet in Centerville-Süd hätte ich schon gerne ein Haus."
Wohin es Erika Lorenz einmal verschlägt, nach Kasachstan wird sie wohl nicht zurückkehren. Ein Urlaub in der alten Heimat sei schön, "aber leben will ich dort nicht mehr". Dass die fast 22-Jährige heute in Deutschland angekommen ist, liegt auch ein wenig am r 33 in Kriegshaber.