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Leben in Haunstetten II: Die praktisch Veranlagte

Leben in Haunstetten II

Die praktisch Veranlagte

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    Olga Hein liebt den Blick aus ihrem Fenster über die Dächer Haunstettens. In der evangelischen Christuskirche hinter ihr, an der Endhaltestelle der Tramlinie 2, wurde einer ihrer fünf Enkel getauft. Die ganze Familie ist evangelisch.
    Olga Hein liebt den Blick aus ihrem Fenster über die Dächer Haunstettens. In der evangelischen Christuskirche hinter ihr, an der Endhaltestelle der Tramlinie 2, wurde einer ihrer fünf Enkel getauft. Die ganze Familie ist evangelisch.

    Vor 15 Jahren, da war Olga Hein 40, kam sie mit ihrem Mann und drei Kindern nach Deutschland. Erst Bobingen, dann Haunstetten. "Das war reiner Zufall", erzählt die 55-Jährige. "Wir haben eine Wohnung gesucht, die groß genug ist für uns, die in einer angenehmen Gegend liegt, eine gute Verkehrsanbindung hat und Versorgungsmöglichkeiten in der Nähe." All das fand Familie Hein in Haunstetten: die Straßenbahn vor der Haustür, Metzger und Bäcker nicht weit weg und die Schule für die drei Töchter ganz in der Nähe. Kurze Zeit später ein weiterer Vorteil - Olga Hein bekam im Haunstetter Krankenhaus (heute Klinikum Süd) eine Stelle als Versorgungsfachfrau. "Das ist schön, ich kann zu Fuß in die Arbeit gehen. Es gibt Leute, die müssen jeden Tag zwei Stunden und mehr pendeln, das wäre nichts für mich."

    Ganz unbekannt sind auch Frau Hein solche Entfernungen nicht, schließlich kommt sie aus einer Millionenmetropole. Tscheljabinsk ist eine alte Garnisonsstadt mit Gebäuden aus dem 18. Jahrhundert und Bausünden aus der Stalin-Ära.

    Der Vergleich mit Haunstetten fällt da schwer und leicht zugleich. Beides - alte Gebäude und kastenartige Wohnblöcke - gibt es in Olga Heins alter und neuer Heimat. Deshalb fällt es ihr auch schwer zu sagen, wo sie lieber gewohnt hat bzw. wohnt. Sie nimmt es pragmatisch: "In Russland war es gut, in Haun-stetten ist es gut." Das Leben sei überall schön - und überall anstrengend. "Es bringt nichts, seine Vergangenheit zu leugnen."

    Bereut hat sie die Entscheidung, sich in Haunstetten niederzulassen, nie. Obwohl die Große immer mal wieder drängt, sie sollten nach Ingolstadt ziehen. Obwohl die Kleine immer mal wieder mit Inningen lockt. "Nein", sagt Olga Hein, "aus Haunstetten wollen wir nicht weg."

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