Startseite
Icon Pfeil nach unten
Augsburg
Icon Pfeil nach unten

Familienbetriebe: Die schwierige Suche nach einem neuen Chef

Familienbetriebe

Die schwierige Suche nach einem neuen Chef

  • |
  • |
  • |
    Heinrich Mannsberger sucht einen Nachfolger für seine Firma.
    Heinrich Mannsberger sucht einen Nachfolger für seine Firma. Foto: Foto: Kratzer

    Vor 40 Jahren gründete Heinrich Mannsberger seine Firma für Sanitärtechnik. Mitte der Siebziger beschäftigte er über 20 Leute. „Da herrschte Hochkonjunktur. Wir hatten viele Großaufträge.“ Dann rissen die Zahlungsschwierigkeiten anderer Firmen auch seinen Betrieb mit. Mitte der Achtziger hatte sich die Zahl der Mitarbeiter halbiert. Heute sind es noch zwei Mitarbeiter und Heinrich Mannsberger und seine Frau Barbara. An seinem 70. Geburtstag beschloss er, heuer definitiv aufzuhören. Einen Nachfolger zu finden, gestaltete sich aber schwierig.

    Schon vor zehn Jahren hatte er sich nach einem Nachfolger umgesehen. „Ich wollte die Firma an jemanden übergeben, der bei mir gelernt hat. Doch wir sind uns nicht einig geworden“, erzählt Mannsberger. Auch bei einem Kandidaten im Jahr 2006 sah es ganz positiv aus, doch letztlich scheiterte es an dessen niedrigem Preisangebot. Ein weiterer Mitarbeiter, den er als Nachfolger im Auge hatte, gründete seinen eigenen Betrieb. Auch die Option Schwiegersohn erwies sich als nicht praktikabel. Aktuell verhandelt er wieder mit zwei Kandidaten.

    Wechsel steht in 4000 Betrieben der Handwerkskammer an

    Mit den Schwierigkeiten, einen Nachfolger zu finden, ist Mannsfelder nicht allein. „Wir gehen davon aus, dass in etwa 4000 Betrieben in Schwaben in den kommenden fünf Jahren ein Wechsel ansteht. Viele lassen ihre Firmen auslaufen, wenn sie um die 63 Jahre sind“, sagt Markus Prophet von der Handwerkskammer Schwaben (HWK). Er ist Leiter des Geschäftsbereiches Beratung und kennt den Betrieb von Mannsberger seit 2006. Er hilft sowohl den Inhabern als auch den Nachfolgern, damit das Unternehmen erfolgreich weiterläuft, zum Beispiel mithilfe eines Existenzgründerzuschusses. Auch technische Hilfe und Rechtsberatung bietet seine Kammer an. Ebenso wie die Industrie- und Handelskammer.

    Deren Spezialist Oliver Hecke-mann rät ebenso wie Prophet dazu, sich frühzeitig um einen Nachfolger zu kümmern. „Ich halte es für sinnvoll, ab Ende 40 oder Anfang 50 das Thema anzugehen. Dann sind die Firmen am lukrativsten, weil ein Nachfolger ein intaktes Kundennetz und den Mitarbeiterstamm übernehmen kann.“ Der Kauf selbst sollte seiner Ansicht nach innerhalb von sechs Monaten über die Bühne gehen. Die Kammer bietet auch an, den Wert der Firma zu ermitteln, damit der Inhaber „eine Hausnummer“ hat, mit der er in Verhandlungen gehen kann.

    „Die Besitzer sollten sich unbedingt Zeit nehmen und nicht versuchen, das Thema nebenbei abzuhandeln“, mahnt Heckemann. Denn oft beschränke sich die Suche auf das eigene Umfeld, hat das Institut für Mittelstandsforschung Bonn (IfM) festgestellt. „Der Prozess läuft diskret ab. Wir haben in Gesprächen mit Unternehmern und Multiplikatoren festgestellt, dass viele Unternehmer in andere Kammerbezirke fahren, um sich zu informieren, weil sie nicht wollen, dass es sich in ihrem Bezirk herumspricht“, so Na-dine Schlömer-Laufen vom IfM. Internetplattformen wie www.nexxt-change.org würden vor allem von Interessenten und weniger von Verkäufern genutzt.

    Nach dem Kauf sollte der vorherige Besitzer noch in der Übergangszeit bereitstehen, empfehlen Heckemann und Prophet. Das will auch Mannsberger tun. „Ich ziehe mich zurück, wenn das Boot volle Fahrt aufgenommen hat.“

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein
    Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden