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15. Dezember 2010 08:11 Uhr

Drive und Wucht

So gerne seit Jahren Choreografen "Minimal Music" für ihre meist abstrakten Tanzstücke verwenden, so bleibt die Herausforderung offensichtlich. Beachtlich souverän stellte sich das Choreografentrio Oscar Cordoba, Ema Kawaguchi und Daniel Otevrel gemeinsam mit ihren fünfzehn im Modern Dance ausgebildeten Ballettschülerinnen zum Finale der "klanghalle"-Reihe 2010 im Glaspalast dem hohen Anspruch. Vor rund 200 Zuschauern gelang ein Abend, der Großstadtformat hatte. Von Renate Baumiller

In seiner bestechend schnörkellosen Linearität definierte Oscar Cordoba mit fünf präzisen Tänzerinnen die beiden Sätze aus dem 2. Streichquartett von Marc Mellits (*1966). Mit viel Gespür integrierte Ema Kawaguchi die von den Säulen umgrenzte Tanzfläche in ihre fünfteilige, dynamisch konzipierte Tanzsuite zu Michael Nymans mitreißenden Ballett- und Filmmusiken. Hoch konzentriert und stets auf dem Punkt spiegelten die Tänzerinnen den Drive und die Wucht der Musik in der kurzweilig und rasant gelungenen Choreografie.

Verblüffende, reizvolle Interventionen setzten zwischen den Tanzsequenzen einerseits Wolfram Oettl mit dem Klaviersolo "this was written by hand" von David Lang (*1957), das im repetierenden Stolpern Einblicke in die Komponistenwerkstatt gab, sowie Hans-Christian Dellinger mit seinen zwei virtuosen, traumhaft assoziativen und im Wandeln durch die Halle gespielten Solostücken "reminiscence" und "in silence". Mit nicht minder extremen Parts für die Musiker Judith Müller (Flöte), Thomas Deisenhofer (Klarinette), Geeta Abend (Violine), Kirill Kapchiev (Viola) und Konrad Biehler (Cello) wartete der Komponist Michael Gordon mit seinem Werk "AC/DC" auf.

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Frappierende Cello-Pizziccati als Bass-Groove trieben tolldreiste Spielchen zu dem durchgängigen 11/8 Takt, mit dem das Stück seine Hörer in erregende Rhythmus-Welten führte. Den musikalischen Höhepunkt steuerte das sensationell interpretierte, eindringlich geschrieben "Hard Fairy" für Saxofon und zwei Klaviere bei. Iris Lichtinger und Wolfram Oettl ließen sich gemeinsam mit Hans-Christian Dellinger auf einen magisch instrumentalen, fast jazzhaften Trialog.

Nicht fehlen durfte der Amerikaner Philip Glass. 1983 uraufgeführt klingt sein "Company" für Streichquartett eher neo-romantisch und inspirierte Daniel Otevrel zu einer fein komponierten Choreografie, die dezent und mit Humor die Zeit- und die Stilebenen transparent machte und ineinander verschmelzen ließ. Intensiver Beifall.

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