Die nackten Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Über 12000 Menschen warten allein in Deutschland auf ein Spenderorgan. Und Jahr für Jahr sterben zwischen 1000 und 3000 Patienten, nur weil es für sie keinen Organspender gibt. Und das, obwohl rund 70 Prozent der Bevölkerung laut Umfragen prinzipiell dazu bereit wären, ein Organ zu spenden. Das Problem dabei: nur 25 Prozent der Menschen haben auch einen Organspendeausweis und kommen auch wirklich als Spender in Frage. Aus diesem Grund traf sich am Montag eine Expertenrunde im Klinikum Augsburg, um über das Thema Organspende zu informieren.
Und dass Handlungsbedarf besteht, zeigt auch die aktuelle Diskussion im Deutschen Bundestag. Wegen des dramatischen Mangels an Organen setzen Politiker verstärkt auf die freiwillige Erklärung der Spendebereitschaft: Bald werden möglicherweise alle Bürger einmal im Leben danach gefragt.
Auch Prof. Dr. med. Matthias Anthuber, unter anderem Chefarzt für Transplantationschirurgie am Klinikum, hält eine mögliche Änderung des Transplantationsgesetzes für einen richtigen Schritt: „In einigen unserer Nachbarländer wird bereits so verfahren. Und man hat dort sehr gute Erfahrungen mit der sogenannten Entscheidungslösung gemacht. Damit könnten wir auch in Deutschland auf mehr Spender zurückgreifen und den Mangel ein Stück weit in den Griff bekommen“, so Anthuber bei seinem Vortrag. Und dabei dürften die Kosten einer solchen Organtransplantation keine Rolle spielen, so der Mediziner weiter: „Die Frage, ob wir uns das als Solidargemeinschaft leisten können, sollten wir mit einem klaren Ja beantworten. Denn es geht nicht um eine kurzfristig lebensverlängernde Maßnahme, sonder um die langfristige Heilung des Kranken und seine Integration in die Gesellschaft.“
Wann ist ein Mensch wirklich tot?
Der Frage, ab wann ein Mensch denn wirklich tot ist und dann letztlich auch als Organspender in Frage kommt, widmete sich der Neurologe Prof. Dr. Dr. Heinz Angstwurm: „Wenn ein Mensch hirntot ist, so besteht bei ihm keinerlei Hoffnung mehr auf Besserung oder Heilung. Tritt der Hirntod ein, kommt der Betroffene ab diesem Zeitpunkt auch als Organspender in Frage“, so der Professor vom Klinikum Großhadern.
Eine weitere Facette des Themas Organspende und Transplantation beleuchtete Weihbischof Dr. Dr. Anton Losinger, Mitglied des Deutschen Ethikrates. Er widmete sich der ethischen Bewertung der Organspende und der Meinung der Kirchen zu diesem Thema. Und vertrat bei seinem Vortrag eine klare Linie: „ Die Organspende ist als verdienstvolle Tat der Nächstenliebe zu betrachten. Aber selbstverständlich nur, wenn die Spende durch ausdrückliche Zustimmung des Spenders oder dessen Angehörige zustande kommt.“ Eine Meinung übrigens, die katholische und evangelische Kirche teilen. „Das allgemeine Bewusstsein für die Organspende muss weiter geschärft werden.“, so Losinger weiter.