Eine Frau hatte ihren Mann bei der Polizei wegen Vergewaltigung angezeigt, um zu verhindern, dass er sie sitzen lässt. Dafür musste sie sich nun vor Gericht in Augsburg verantworten.

Weil sie glaubte, ihr Ehemann werde sie und ihr kleines Kind in Deutschland sitzen lassen und sich in seine Heimatstadt Istanbul absetzen, hat eine 31-jährige Frau eine raffinierte Lügengeschichte erfunden. Sie zeigte ihren Mann kurzerhand bei der Polizei wegen zweifacher Vergewaltigung an und erklärte, dieser sei drauf und dran, in die Türkei zu fliehen.
Prompt wurde der vermeintliche Vergewaltiger in Untersuchungshaft genommen. Drei Tage später offenbarte sich die 31-Jährige aber der Kripo, nahm alle Anschuldigungen reumütig zurück. Ihr Mann kam wieder frei, sie saß dafür jetzt auf der Anklagebank wegen Freiheitsberaubung und falscher Verdächtigung.
Amtsrichter Thomas Kessler hatte zunächst leise Zweifel, ob sich das Geschehen nicht tatsächlich so wie bei der Polizei angegeben abgespielt hatte und die Angeklagte ihren Mann jetzt vielleicht vor einem Prozess schützen wollte. Denn wie die Frau einräumte, habe sie ihr Mann auch mal geschlagen und überdies das ganze Geld der Familie an Automaten verspielt.
"Das mit den Ohrfeigen stimmt, die Vergewaltigung aber nicht. Ehrenwort", beteuerte die Frau (Verteidiger: Florian Engert) dem Gericht. "Ich hatte einen Hass auf ihn und erfuhr, dass er in die Türkei fliegen wolle. Da dachte ich, er werde sich aus dem Staub machen und mich hier sitzen lassen." Deshalb habe sie die Vergewaltigungsgeschichte erfunden. "Damit er hier verhaftet wird und in Deutschland bleibt."
Als ihr Mann dann tatsächlich hinter Gittern saß, seien ihr doch Zweifel gekommen. "Ich wollte nicht, dass er für meine Lüge bestraft wird", begründete die Angeklagte ihren Widerruf. Inzwischen habe sie sich wieder mit ihrem Ehemann versöhnt, er spiele nicht mehr und habe Arbeit gefunden.
Nach der Anhörung der Vernehmungsbeamtinnen der Polizei war das Gericht schließlich doch überzeugt, dass die Vergewaltigung nicht stattgefunden hat.
Richter Kessler verurteilte die Frau zu einer sechsmonatigen Bewährungsstrafe. Er machte der Angeklagten aber klar, dass sie nicht nur sich und ihrem Mann geschadet habe, sondern auch allen potenziellen Vergewaltigungsopfern, weil deren Aussagen unglaubwürdiger erscheinen könnten. (peri)
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